The Tribe-RPG Forum | Nach der fünften Staffel | Über die ehemalige TV Serie „The Tribe - Eine Welt ohne Erwachsene“ und mehr! | Seit April 2012
 
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Thackery*
Tribelos


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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   So 16 Nov - 21:03

Emily beantwortet meine Frage nicht sofort. Das Bedürfnis
sie einfach in den Arm zu nehmen ist da, aber ich habe Angst,
dass eine Berührung jetzt wirklich den Hatter zum Vorschein
bringt und ich ihn nicht mehr zurück halten kann. Er scheint
angetan von Emilys Taten. Erst Emilys Worte reißen mich aus
meinen Gedanken und meiner stillen Unterhaltung mit dem Hatter.
Sie hat wirklich eine Schusswaffe genommen und ist damit in
ihre ehemalige Schule marschiert. Während sie erzählt was sie
tut hört sich ihre Stimme vollkommen emotionslos an. Einen
Moment muss ich an das denken, was sie vor einigen Stunden gesagt
hat, dass man sie als eiskalt bezeichnet hat und für diesen einen
Moment kann ich verstehen, was diese Menschen wohl dazu bewogen
hat. Denn ich kann die Kälte spüren, die von ihr ausgeht, als sie über
ihre Klassenkameraden spricht, die Menschen, die sie getötet hat.
Sie hat alles durchdacht und im Voraus geplant, eiskalt. Sie erzählt, dass
sie es vor allem auf einen abgesehen hatte: den Sohn des Direktors,
ein Referendar. Auf einen Mann, der sie missbraucht hat, der seine
Machtposition ausgenutzt hat, um Schülerinnen zu verführen.
"Dein Lehrer hatte eine Affäre mit seinen Schülerinnen? Mit dir?"
ich bin wütend. Wütend auf den Lehrer und die Kollegen, die wohl
weggeschaut haben mussten. So etwas muss man doch mitbekommen.
Ich rutsche ein Stück zu Emily. Traue mich aber nicht sie zu berühren.
Ich habe keine Angst vor ihr, keine Angst vor dem was sie getan hat.
Aber ich verstehe es immer noch nicht ganz. Vor allem nicht warum sie
ihren Mitschülern etwas getan hat. Das was sie erzählt macht mich nur
noch wütender. "Er wusste genau, wie er euch manipulieren kann."
Ich seufze. "Er wusste genau, was er euch versprechen muss."
Ich weiß es, weil ich weiß, dass der Hatter genauso gut im manipulieren ist.
Er weiß welche Knöpfe man drücken muss und was man einem Mädchen
versprechen muss, um es zu seiner besten Freundin zu machen, damit es
an seinen Lippen hängt. "Er wusste was er dir versprechen muss...
Es macht mich wütend, dass er seine Position so ausgenutzt hat."

gebe ich ihr gegenüber zu. Ich will ihr zeigen, dass ich versuche zu verstehen,
dass ich mir wirklich Mühe gebe. "Ich weiß nicht wie du dich gefühlt haben
magst. Aber ich kann mir vorstellen, welchen Blick du hattest, als du

bemerkt hast, dass alles nur leere Versprechen waren."
Ich muss an
Fleur denken, ihren Gesichtsausdruck als sie bemerkt hat, dass der Hatter
nicht der ist für den sie ihn hielt. Dass er nicht ihr Freund ist, sondern ein
Monster. "Emily, du bist vieles, aber ganz sicher nicht wertlos!" ich weiß,
dass es vielleicht unvernünftig ist, sie zu verteidigen. Dass es vielleicht
klug wäre jetzt zu gehen. Aber ich habe das Gefühl als wäre DAS hier meine
Chance etwas gut zu machen. Endlich einmal nicht nur zu zerstören, sondern
zu helfen und etwas aufzubauen. Mein Blick fällt auf Emilys Arme. Die Hand
hat sich in ihren Unterarm gegraben und ihre Knöchel treten weiß hervor.
Langsam strecke ich meine Hand nach ihren Fingern aus und löse sie sanft aus
dem Klammergriff. "Ich verstehe ja warum du IHM etwas angetan hast. Aber
warum die anderen? Was haben sie gemacht?"
das ist das Puzzelteil, das bisher
noch fehlt um eine Hälfte des Bildes zu vervollständigen.
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Emily*
Tribelos


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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Mo 17 Nov - 21:54

Thackerys Stimme drückt Unglauben aus, als ich ihm erzähle, dass ich
eine Affäre mit meinem Lehrer hatte. Unglauben und Wut.
Die gleichen Gefühle empfand ich damals auch, sogar heute noch um
genau zu sein, wenn auch aus einem anderen Grund.
"Dass er nur körperliches von mir wollte wäre nicht das Problem gewesen,
das hätte ich ihm auch so gegeben, auch wenn mich das wie ein Flittchen
aussehen lässt. Er sah wirklich gut aus und er war nett. Nicht umsonst
mochten ihn alle, auch die Jungs. Für sie war er der coole große Bruder
und für die Mädchen der heimliche Schwarm."
, erkläre ich und
bemerke, dass er ein Stück näher an mich herangerutscht ist.
In meinem Magen flattert etwas schwach, denn trotz der Gewissheit,
dass ich nicht real bin, sehne ich mich nach ihm, ich kann es einfach
nicht verhindern.
Du machst es dir nur noch schwerer..., flüstert die Stimme in
meinem Kopf und ich muss ihr recht geben, das klingt vernünftig,
wie schade nur, dass ich alles andere als vernünftig bin. Trotzdem
versuche ich ihm nicht direkt in die Augen zu sehen, weil ich sonst
wohl nicht weitersprechen könnte.
"Ja er wusste wie er an sein Ziel kommt und was ein Mädchen gerne
hört. Bei den meisten brauchte er das wohl auch, weil er sie sonst nicht
dazu bekommen hätte. Aber ich wollte das nie. Alles was ich wollte war
Ehrlichkeit, dass ich die Absichten desjenigen kenne und mich darauf
einstellen kann."
, meine Stimme wird ein wenig leiser und ich muss
kurz durchatmen. Noch immer tut es weh, dass ich so verblendet
gewesen bin.
"Ich habe ihm alles erzählt, von den Problemen in der Schule
und Zuhause, sogar von den Dingen die Jennifer mir angetan hatte.
Er war der erste Mensch der mir zugehört hat, der mich zu verstehen
schien. Obwohl er nichts ändern konnte fühlte ich mich allein dadurch
besser, dass er mein Leid teilte. Ich war glücklich weil ich endlich nicht
mehr allein da durch musste."
Auch wenn ich versuche es zu verhindern
löst diese Erinnerung einen so heftigen Schmerz in mir aus, dass mir
Tränen auf den Stoff meines Shirts tropfen.
Wie kann eine Erinnerung die vermutlich nur eingebildet ist, so wehtun?
"Es war als wäre alles nur noch halb so schwer. Selbst die Demütigungen
ertrug ich besser. Bis ich eines Tages zu einem anderen, als dem üblichen
Zeitpunkt in sein Büro kam. Ich wollte ihm unbedingt etwas erzählen, ich
weiß nicht einmal mehr was es war, als ich die Tür aufstieß und ihn mit
Jennifer sah. Ich stand ewig in dieser Tür und sah ihnen zu, bis er mich
endlich bemerkte. Nicht weil ich es sehen wollte, sondern weil ich mich kein
Stück rühren konnte. Sie dagegen starrte mich gehässig über seine
Schultern an, ihren knallroten Erdbeermund leicht geöffnet, die Augen
zu Schlitzen verengt. Sie schaffte es mit jeder Faser ihres Körpers ihren
Triumph über mich auszudrücken. Und ich? Ich sah den Mann dem ich
mein Innerstes offenbart hatte mit einem Schlag wie er wirklich war.
Kalt, berechnend, verlogen. Immer nur auf sich selbst bedacht.
Er hielt das Mädchen in den Armen, welches mir seit der Grundschule,
das Leben zur Hölle gemacht hatte, obwohl er davon wusste. Weil es ihm
ganz einfach egal war was ich fühlte, weil ich ihm nichts bedeutete.
Selbst wenn mir diese Erkenntnis nicht schon längst gekommen wäre,
hätte ich es spätestens erkannt als er sich zu mir herumdrehte und mir
ohne jegliche Überraschung oder Bedauern in die Augen blickte."

Es fällt mir unglaublich schwer diesen Augenblick nocheinmal zu erleben,
als wäre ich noch einmal wie festgewachsen in dieser Tür. Ich weiß noch,
dass er etwas zu mir sagte, aber ich habe es längst nicht mehr gehört,
riss mich gewaltsam fort und rannte nach Hause. Bis ich dort ankam
waren die Tränen getrocknet und machten der Wut Platz.
Ich habe nicht gemerkt, dass ich meine Finger in mein Fleisch gekrallt habe,
erst als Thackery sie berührt und sanft löst wird es mir klar.
Überrascht starre ich auf seine Hände, die meine ganz vorsichtig umschließen.
Wie kannst du mich jetzt noch berühren? Wie kannst du dich nicht vor
mir fürchten, vor mir ekeln?

Seine Worte sind leise, aber zeugen von vollkommener Sicherheit.
"Du bist nicht wertlos!"
Nach all dem was ich ihm aufbürde, kann er das immer noch sagen, selbst
wenn ich das nichteinmal selbst sagen kann.
Immer noch ist der Abstand zwischen uns groß, aber nicht mehr so unüberwindbar,
durch die Brücke die unsere Hände bilden. Eine wacklige Brücke, aber besser
als nichts. Egal wie stark ich mich gebe, wie sehr ich versuche mich zu
überzeugen ihn loszulassen, ich wehre mich einfach innerlich dagegen.
Einen Moment lang bleiben wir so und schweigen, bevor er mich nach
den anderen fragt die ich getötet habe. Über das zu reden fällt mir nicht
minder leicht und wenn ich all die Dinge aufzählen wollte die sie mir in
den Jahren angetan haben, würde ich wohl erst in ein paar Stunden fertig.
"Jennifer und ihre Freundinnen konnten mich seit dem ersten Tag
der Grundschule nicht ausstehen. Ich habe ihnen nie etwas getan was das
irgendwie rechtfertigen würde, aber ich denke das ist wohl meistens so.
Bei mir war es einfach das Pech, dass ich als Einzige aus einer sozial
schwachen Familie kam. Wir lebten in einem Plattenbau und die Wohnung
war nicht nur winzig, sondern auch verdreckt und verschimmelt. Meine
Mutter kümmerte sich ja nie um etwas. Die anderen Eltern tuschelten seit
langem über meine Familie und die Kinder nahmen es einfach auf.
Sie stießen mich herum, bespuckten mich, nahmen mir meine Sachen weg
und versteckten sie irgendwo. Für die Lehrer waren das alles nur normale
Kinderstreiche, sie sahen nie einen Handlungsbedarf.
Ich weiß noch wie ich einmal meine Barbiepuppe mit in die Schule brachte.
Nach langem Betteln hatte ich endlich eine zum Geburtstag bekommen und
ich war so stolz, weil ich endlich auch einmal etwas hatte wie die anderen.
Aber als ich dann aus der Pause wieder ins Klassenzimmer kam, lag die
Puppe ohne Kopf auf meinem Pult. Später entdeckte ich den Kopf in Jennifers
Mäppchen. Es brach mir das Herz, da ich wusste, dass meine Eltern sich
keine neue Puppe würden leisten können und ich zudem noch Ärger deswegen
bekommen würde. Stundenlang trieb ich mich in der Stadt herum, weil ich
Angst hatte nach Hause zu gehen."
, ich schlucke schwer und umklammere
Thackerys Hände fester, weil ich irgendwo Halt suche um mich nicht zu verlieren.
"Es ging immer so weiter und je älter wir wurden desto gemeiner
wurden die Dinge die sie mir antaten. Manches war offensichtlich wie die
ständigen Beschimpfungen und Seitenhiebe oder, dass sie mich ausschlossen.
Anderes... war... nur hinter... verschlossenen Türen."
, ich sehe den dreckigen
Boden der Umkleide vor mir auf dem ich fast bäuchlings liege, weil Jennifer mich
mit dem Fuß runter drückt. Höre mein eigenes Flehen und ihr Gelächter.
"Leck ihn ab!"
Andere Erinnerungen schwirren durch meinen Kopf wie Film der in doppelter
Geschwindigkeit abgespielt wird. Ein Stechender Schmerz, Angst, Blut, Scham.
Ich muss mich zwingen weiterzusprechen um endlich zum Ende der Geschichte
kommen zu können, als könnte ich damit all diese Dinge endgültig auslöschen,
auch wenn ich weiß, dass die Bilder nur zurück in die Kiste gesperrt werden,
wo sie jederzeit entkommen können.
"Sie waren neidisch auf mich, weil ich hübsch war und ihnen die Jungs
wegnehmen konnte, die sie haben wollten. Das kam zu dem Hass den sie sowieso
auf mich hatten dazu."

Die Narben die es beweisen, sind jedoch ausgelöscht wie all die anderen auch.
Vielleicht sollte ich darüber froh sein, dass nichts davon echt war, doch das ist
nur ein schwacher Trost wenn sich trotzdem alles völlig real anfühlt.
"Deshalb suchte ich sie an diesem Tag auf der Mädchentoilette auf und
ließ sie um ihr kümmerliches Leben betteln. Ich wollte sie wenigstens einmal
einen Bruchteil meines Schmerzes fühlen lassen. Nur einmal wollte ich sie auch
flehen und wimmern hören und die Angst in ihren Augen sehen."
, schluchze ich
und breche völlig in mich zusammen. Hemmungslos schluchze ich vor mich hin,
meine Schultern zucken dabei in einem unregelmäßigen Rhythmus, während
eine Hand immer noch mit Thackerys verbunden bleibt.




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Thackery*
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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Mo 17 Nov - 23:03

Emily weicht nicht zurück, als ich wieder ein wenig näher
rücke. Sie beleuchtet die Beziehung zu dem Lehrer etwas
genauer. Nicht nur sie ist auf die Masche des Lehrers
hereingefallen, sondern wohl auch ihre Mitschüler, andere
Mädchen und sogar Jungs. "Wie alt warst du damals?"
der Virus ist ja schon fünf Jahre her und ich schätze nicht, dass
Emily älter ist als ich selbst. Es zeigt mir, wie unerfahren ich in solchen
Dingen doch bin. Nur weil du zu feige bist! Sogar dazu bist du zu schwach!
Doch ich kann dem Hatter nicht recht geben. In dieser Hinsicht
fühle ich mich nicht schwach, sondern stark. Stark genug um nicht
jeder Versuchung zu erliegen. Ich wende meine Gedanken wieder
nur Emily zu. Blende den Hatter aus, denn er ist im Moment
nicht wichtig. Nur Emily zählt. Emily spricht nicht mit mir, so hat
es zumindest fast den Anschein, sie redet mehr mit dem Sofa oder
ihren Knien. Aber ich nehme es ihr nicht übel. Auch wenn sie mich
nicht direkt ansieht, mustere ich sie ganz genau. Nehme jede
Gefühlsregung die sich auf ihrem Gesicht zeigt in mir auf. So
wirkt sie nicht mehr eiskalt, sondern es spiegeln sich die
unterschiedlichsten Gefühle darauf. Schmerz, Trauer, Enttäuschung
Angst? Doch die Enttäuschung darüber, dass ihr ehemaliger Lehrer
sie getäuscht hat spiegelt sich am deutlichsten auf ihrem Gesicht
wider. Es tut weh sie so zu sehen und nicht nur weil ich weiß, dass
es Fleur wohl mit mir nicht anders ergangen sein mag. Auch wenn das
nie meine Absicht gewesen ist. Zumindest nicht die Absicht von Sam
oder mir, die des Hatters sehr wohl. "Du hast dich in ihn verliebt, stimmts?"
frage ich nachdem sie mir erzählt, dass sie ihm einiges anvertraut hat.
Der Name Jennifer ist bereits schon einmal gefallen. Doch wirklich in
Verbindung bringen mit dem was Emily bereits erzählt hat kann ich ihn
nicht. Doch sie hat Emily wohl weh getan und der Lehrer hat ihr das
Gefühl gegeben für sie da zu sein, sich für ihr Schicksal zu interessieren.
Emily rinnen nun Tränen über die Wangen und es schmerzt mich sie
wirklich so leiden zu sehen. Vorsichtig taste ich mit meinen Fingern
nach ihren Händen. "Er hat dir das Gefühl gegeben nicht alleine zu
sein." Er wusste wo er ansetzen musste, um sich ihr Vertrauen zu
erschleichen. Er wusste es genau und hat es schamlos ausgenutzt!
Meine Wut über diesen Mann kehrt mit einem Schlag zurück.
Ich würde es doch genauso machen! Du würdest es genauso
machen, wenn ich die Kontrolle übernehme! Du hast es bereits
getan.
Emily glaubt dir, dass du sie verstehst. Deine Berührung
macht ihr genau das weiß!
Die Worte des Hatters sind wie ein
Schlag ins Gesicht. Aber ich lasse Emilys Hand trotzdem nicht los.
Ich will ihr beistehen, ihr zeigen, dass ich da bin, auch wenn sie
all das noch einmal in ihren Erinnerungen durchlebt. Emily kommt zu
dem Punkt an dem Enttäuschung von Schmerz und Wut in ihrem
Gesicht abgelöst wird. Sie erzählt, dass sie Jennifer, so wie ich verstanden
habe DAS Mädchen, dass ihr das Schulleben zur Hölle gemacht hat, mit
ihrem Lehrer, ihrem Freund und ihrem Geliebten in flagrante erwischt hat.
Es muss ihr das Herz gebrochen haben. "Er hat seine Schülerinnen zu seinem
eigenen Vergnügen benutzt!" in meinen Worten schwingt tiefe Abscheu und
auch Wut mit. Er hat Emily noch mehr verletzt, als diese Jennifer es getan hat,
indem er sich mit der Person eingelassen hat, die Emilys Leben zu einer Qual
gemacht hat. Wäre der Kerl nicht schon längst tot, dann hätte ich große Lust
sein Leben zu beenden. Siehst du? Es steckt genauso in DIR wie in MIR! Wir sind
ein und dieselbe Person! Nicht ich bin der BÖSE, sondern WIR! Das Lachen des Hatters
hallt in meinem Kopf wieder und ich muss den Impuls unterdrücken meine Schläfen
zu massieren. Das Ganze bereitet mir bereits Kopfschmerzen und er macht es
nicht unbedingt besser. Ich kann verstehen, welche Gefühle Emily zu dieser Tat
getrieben haben und ich kann von mir nicht behaupten, dass ich anders gehandelt
hätte, ob ich anders damit umgegangen wäre. "Ich weiß nicht, was ich in deiner
Situation gemacht hätte. Aber er hatte es verdient!", knurre ich. Jetzt kenne ich
den Grund für ihre Tat und trotzdem weiß ich nicht, womit die anderen ihr
Ende verdient haben. Auch Emily erinnert sich wohl daran, denn sie erzählt
aus ihrer Kindheit. Davon was sie erlebt und durchgemacht hat. Sie stammt
aus ärmlichen Verhältnissen, die Mutter kümmerte sich nicht. Das was Emily
erzählt kommt mir zum Teil bekannt vor. Nicht alle meine Pflegefamilien waren
reich und hatten ein gepflegtes Umfeld zu bieten. Wahrscheinlich waren die Streiche
der Kids am Anfang wirklich noch lustig gemeint. Aber sie arteten mit der Zeit immer
weiter aus. Sachbeschädigung und Schikane, jeden Tag ein Kampf, jeder Tag ein
Krieg mit den Mitschülern- kräftezehrend. Ich verstehe nur zu gut, wie Emily sich
gefühlt haben mag, denn auch meine Pflegegeschwister waren sehr unterschiedlich
und auch ihr habe oft ihren Spott ertragen müssen. Doch ich hatte den Ausweg: Zurück
ins Heim und auf eine neue Familie hoffen, eine bessere. "Emily, ich... es tut mir schrecklich
leid, was du durchmachen musstest. Die Kinder hätten das nicht tun sollen und die Erwachsenen
nicht wegsehen. Die Lehrer hätten etwas unternehmen müssen." Emily hat mein tiefstes
Mitgefühl. Emily erzählt den Rest der Geschichte und bricht dann zusammen.
Ganz vorsichtig ziehe ich Emily in meinen Arm. Ich will nicht, dass sie von
den Gefühlen von damals erdrückt wird, sie soll sich nicht wieder so alleine fühlen
müssen, nie mehr so gedemütigt und gehasst. Vorsichtig streichle ich ihr über den Rücken
und ihre Haare. "Emily, es ist vorbei. Sie können dir nichts mehr tun." Auch wenn Emily
vielleicht nicht den richtigen Weg gewählt hat, um sich einen Ausweg aus der Situation
zu schaffen, es war wohl der einzige den sie gesehen hat, nachdem sogar
der Sohn des Direktors sie hintergangen hat und sich so den Machenschaften
der Mädchen angeschlossen hat. Ich weiß nicht wie viel Berechnung hinter
seinem Handeln gesteckt hat, aber ich glaube er wusste genau, wie hart es
Emily treffen würde, falls sie es herausfände- ich glaube er ist dieses
Risiko, das für ihn scheinbar keines war, bewusst eingegangen.
Er hat Emily, die seine Hilfe mehr als jede andere, gebraucht hätte,
ausgenutzt um sich selbst zu Beweisen was für ein toller Kerl er doch ist
und hat dabei mehr zerstört als die Mädchen mit ihrem Mobbing.
"Es wird alles gut, Emily!" versichere ich ihr leise und schließe sie fest
in meine Arme. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Emily sich das
alles nur ausgedacht hat. Die Emotionen wirkten zu echt, zu überzeugend
um nur erdacht zu sein. Auch wenn ich keine Erklärung dafür habe, was
passiert sein mag oder warum sie in Emily Harris Körper steckt, glaube ich
nicht, dass sich die schüchterne Emily all das nur ausgedacht hat. Auch wenn
die fehlenden Spuren auf ihrem Körper eine andere Sprache sprechen.

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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Mi 19 Nov - 10:55

"Ich war damals vierzehn.", antworte ich leise, weil mir klar
ist, wie sich das für ihn anhören muss. So jung und bereits so
verdorben zu sein, ist wohl nichts mit dem man angeben könnte.
Mittlerweile weiß ich ja von dem Virus, der vor fünf Jahren war,
was bedeutet, dass mir nicht nur diese Jahre sondern auch ein
Jahr davor fehlen. Naja zumindest wenn man annimmt, dass das
alles wirklich passiert ist, wovon ich nicht ausgehe.
Thackery rechnet wohl ebenfalls nach und ist offenbar überrascht,
weil er nicht damit gerechnet hat, dass ich bereits so alt bin.
Mir fällt die Liste mit den doppelten Namen wieder ein. Darauf waren
nicht nur zwei verschiedene Namen, sondern auch zwei Geburtsdaten.
Er holt mich aus meinen Grübeleien indem er mich nach IHM fragt.
Ich nicke, denn an ihn zu denken tut immer noch weh, egal wie
lange es her ist, vielleicht auch weil mir jegliche Erinnerungen an
diese Jahre die vergangen sind fehlen und es sich für mich anfühlt
als sei es gerade erst passiert.
"Ja da habe ich und ich kam mir so dumm deshalb vor, dass ich
nicht gesehen habe, wie er wirklich ist."
, sage ich leise und weiß,
dass ich Thackery nun genauso viel offenbart habe um mich verletzlich
zu machen. Ich frage mich ob ich nun den gleichen Fehler noch einmal
mache, mich noch einmal öffne, nur um mich zum leichten Opfer zu
machen. Doch die Wut, die Empörung darüber was ich ihm erzählt
habe, die ich in seinen Augen erkenne, lässt meine Zweifel schrumpfen.
Er fühlt wirklich mit mir und spielt es nicht nur, denn so wütend habe
ich ihn bisher noch nicht gesehen.
Du kennst ihn ja auch erst ein paar Stunden...
Doch als ich geendet habe und völlig in mich zusammensinke wandelt
sich seine Wut, die ja nicht mir gegolten hatte, sofort in Mitleid, in
echtes Mitleid. Er zieht mich so sanft wie ein rohes Ei in seine Arme
und hält mich fest. Dass er mich nach all dem immer noch beschützen
und trösten möchte fühlt sich fast unwirklich an, doch ich will seine
Aufrichtigkeit nicht anzweifeln, will es nicht als schönen aber nicht
echten Traum abtun. Alles was ich möchte ist mich in ihm zu verlieren.
In seiner Gegenwart fühle ich mich wohl und endlich einfach nur als
Ganzes. Ich brauche mich nicht mehr zu verstellen nur um jemandem
zu gefallen, brauche nicht die Starke zu spielen damit keiner merkt,
dass er mich gebrochen hat.
"Thackery? Ich weiß nicht... mehr was wirklich wahr ist oder
wer ich bin, aber ich weiß, dass du jemand Besonderes bist."
,
flüstere ich während ich mich an ihn drücke.
"Wenn... wenn ich nicht mehr... da bin... versprich mir einfach,
dass du das nie vergisst ja? Egal was andere sagen."
, bitte ich ihn.

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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Mi 19 Nov - 11:18

Das was Emily mir erzählt hat ist ziemlich viel und
ziemlich schwere Kost. Ich glaube ich werde eine Weile
brauchen bis ich das ganze verdaut habe und ich weiß
nicht wie ich Emily Harris nun begegnen soll, nachdem
ich diese Emily geküsst habe. Emily war erst vierzehn, als
das passiert ist. Ich war damals erst dreizehn als der Hatter
diese schrecklichen Dinge Fleur angetan hat. Dass Emily von
der ganzen Erzählung und den Erinnerungen geschlaucht ist
sieht man ihr an und sie klammert sich an mich, wie eine
Ertrinkende, aber ich bin gerne ihr Rettungsring. "Ich glaube
nicht, dass irgendjemand gesehen hat, wie er wirklich ist."

Immerhin scheinen auch die anderen Lehrer nichts mitbekommen
zu haben und ich will einfach nicht glauben, dass alle nur ihre
Augen verschlossen haben, vor dem Monster das ihr Kollege war.
Einige werden es wohl trotzdem getan haben. Emily zweifelt an
ihrer eigenen Existenz, das wird durch ihre Worte noch einmal
deutlich. Trotzdem bringen mich ihre Worte in Verlegenheit.
Sie hält mich für etwas besonderes und sieht dabei nicht, dass
sie ebenso besonders ist.
Emilys Bitte jedoch bringt ein mulmiges
Gefühl mit sich. Es hört sich an als würde sie aufgeben.
"Emily ich will nicht, dass du einfach verschwindest! Ich weiß
nicht ob ich das zulassen kann."
sage ich ganz ehrlich. Allerdings
könnte ich Emily Harris wohl auch keine zweite Persönlichkeit
aufzwingen und ich bin mir nicht sicher ob es für die Situation
überhaupt eine Lösung geben kann bei der alle glücklich werden.
Ich glaube nicht an Happy-Ends... da mein eigenes bisheriges Leben
für keinen meiner Lieben ein Happy-End beinhaltet hat. Wir leben
nicht im Märchen - mein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen, denn
genau das ist es, was ich mir wünsche: Ein Happy-End. Aber ich weiß auch
dass es das nicht für mich geben wird, solange der Hatter hier ist und dass
auch die beiden Emilys kein Happy-End bekommen können, zu zweit in
einem Körper.  "Aber ich werde dich ganz sicher nie vergessen."
verspreche ich Emily und ziehe sie in einen sanften Kuss.

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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Do 20 Nov - 20:51

"Er konnte sein wahres Ich zu gut hinter seinem Charme verstecken.
Niemand hätte ihm je irgendwie misstraut, dem scherzenden immer
freundlichen und engagierten jungen Lehrer. Selbst wenn irgendwelche
Zweifel an ihm bestanden hätten, hätte sein Vater das schon irgendwie
wieder hingedreht. Das war... vielleicht auch ein... Grund warum ich...
ihn... naja... ich wusste eben, dass mir Niemand glauben würde und
ich am Ende nur dumm dastehen konnte. Außerdem würden mich alle
hassen, weil ich ihren Lieblingslehrer beschuldigt habe. Da schien mir
das irgendwie... der bessere Ausweg zu sein."
, versuche ich meine
Beweggründe in Worte zu fassen. Damals habe ich nicht daran gedacht
was danach passieren würde. Ich sah nur meine Ziele vor Augen.
Hätte ich mich selbst erschossen, wenn die Bullen mich nicht gestoppt
hätten?
Vermutlich nicht. Ich war nie der Typ dazu.
Kaum habe ich meine Bitte ausgesprochen, dass er nie vergessen soll,
dass er ein ganz besonderer Mensch ist, nimmt Thackerys Stimme einen
verzweifelten Ton an. Wenn ich nicht beteiligt wäre an dieser vertrackten
Situation, wäre das ganze vermutlich lustig. Doch so ist es einfach nur
grausam, denn mein Gefühl schwankt zwischen einem aufgeregten Flattern
weil ich ihm wichtig bin und er mich nicht gehen lassen will, und dem
dumpfen Schmerz, dass keiner von uns beiden daran wohl etwas ändern
können wird. Selbst wenn die richtige Emily mich nicht loswerden wollen
wird, was ziemlich unwarscheinlich ist, wäre es doch mehr als seltsam
wenn er abends mit mir einschläft und morgens neben ihr aufwacht.
"Ich werde dich ganz sicher nie vergessen..."... und ich dich auch nicht.
Niemals.
, denke ich während er mich so sanft und gleichzeitig voller
Sehnsucht küsst. Vielleicht ist es wirklich Zeit zu gehen und immerhin
war mir dieser winzige Augenblick echten Glücks vergönnt. Wieviele
Menschen werden alt und haben nie einen solchen Moment erleben
dürfen?

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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Do 20 Nov - 21:09

Auch Emily bestätigt meine Annahme, dass der Referendar wohl
ein ziemlich guter Schauspieler gewesen ist. Sie sagt, dass ihr damals
das was sie getan hat als der einzig vernünftige Ausweg vorgekommen
war und sie deshalb diesen drastischen Weg gewählt hat. Ich brauche
zu dem Thema nichts mehr sagen. Da ich jetzt ja weiß, warum Emily
so gehandelt ha. Natürlich heiße ich es nicht gut, aber es ist Vergangenheit
und lässt sich nicht mehr ändern. Aber egal was sie getan hat, sie hat eine
zweite Chance verdient, ohne Vorurteile, einen Neustart. Emily sagt nichts
zu meinen Worten, dass ich sie nicht gehen lassen will. Sie scheint genauso
zu spüren wie ich, dass es für uns drei kein Happy-End geben kann.
Der Kuss, die ganze Situation, fühlt sich nach Abschied an und es zerreißt
mir fast mein Herz. Denn ich habe Emily wirklich lieb gewonnen, auch
wenn wir uns nur einige Stunden kennen, denn so eine tiefe Verbundenheit
habe ich noch nie empfunden. Das Schweigen des Hatters ist mir im Moment
nur recht, wahrscheinlich weidet er sich an meinem inneren Schmerz.

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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Fr 21 Nov - 20:11

Ich versuche mir alles an ihm genau einzuprägen.
Den Geschmack seiner Lippen, die Form seiner Wangenknochen,
der Ausdruck in seinen Augen wenn er mich ansieht und den Klang
seiner Stimme, die mich tröstet und liebkost. Doch ich habe das
Gefühl, dass mir hundert Kleinigkeiten entgehen, die ich so gerne
noch von ihm erfahren hätte.
Ob sie ihn genauso mag wie ich? Wird sie diese Dinge zu schätzen
wissen oder sind sie für sie bedeutungslos?

Ich schwanke zwischen dem Wunsch, dass sie ihn glücklich macht,
weil ich den Gedanken unerträglich finde, dass er leidet, und der
Eifersucht darauf, dass sie diejenige sein wird die er in den Armen
hält und küsst. Alles in mir sträubt sich dagegen einfach aufzugeben,
aber ich glaube nicht, dass ich eine Chance habe, weil ich nun weiß
was während dieser Jahre passiert ist an die ich mich nicht erinnern
kann. Sie hatte während all dieser Zeit die Kontrolle und dass sie
das so lange Zeit aufrechterhalten konnte ohne, dass ich an die
Oberfläche gelangte, zeigt mir, dass sie viel stärker ist als ich.
Langsam löse ich meine Lippen von seinen und lege meinen Kopf
wieder in seinen Schoß. Auf einmal bin ich einfach nur unglaublich
müde und ich weiß, dass er auf mich aufpassen wird während ich
meinen Augen für einen Moment etwas Ruhe gönne.

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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Fr 21 Nov - 21:46

Emily sagt nun nichts mehr und nachdem sie den Kuss
gelöst hat, kuschelt sie sich wieder in meinen Schoß.
Ich schweige genauso und lausche auf meinen
beschleunigten Herzschlag, während ich ihr immer noch
sanft durch die Haare streiche. Ich betrachte Emilys Gesicht,
sie hat die Augen geschlossen und eine leichtes Rosa liegt auf
ihren Wangen, was einen wundervollen Kontrast zu ihrer
hellen Haut bildet. Ihr gleichmäßiger Atem und ihr friedlicher
Gesichtsausdruck lassen auch mich langsam schläfrig werden und
mir fallen die Augen zu. Ich träume von Emily. Gemeinsam laufen
wir durch die Gänge des Krankenhauses. Ich bin langsam und Emily
wartet nicht auf mich. Sie durchschreitet eine Glastür hier im

Krankenhaus, eine dicke Schiebetür mit mechanischem Öffner.
Sie fällt ins Schloss bevor ich Emily erreichen kann. Doch egal wie

oft ich es versuche, die Tür bleibt verschlossen. Der Zutritt wird
mir verweigert, da ich den Code, der die Tür öffnet nicht kenne.

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Emily*
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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Fr 21 Nov - 22:18

Es dauert trotz der wirren Gedanken in meinem Kopf nicht lange
und ich bin eingeschlafen. Ein Lächeln schleicht sich auf meine
Lippen als könnte ich Thackerys sanfte Berührungen bis in meine
Träume hinein spüren. Aber in meinen Träumen bin ich allein, ohne
ihn. Doch plötzlich taucht eine zweite Emily vor mir auf. Sie sieht
aus wie ich, nur kälter.
Du bist Dreck... und ich werde dich dahinbefördern wo er hin
gehört. Du hast ihn nicht verdient... er gehört mir...

Flüstert sie hämisch und weht um mich herum wie ein Windhauch.
Jetzt ziegt sie eine blutige Waffe aus ihrer Tasche und zielt damit
auf mich. PENG! Schreit sie, aber nichts geschieht und ich
sehe mich verwundert um, bis ich bemerke, dass sie Thackery
getroffen hat, der nun schwankt und zu Boden stürzt.
Verzweifelt haste ich zu ihm und ziehe in an mich, flehe, dass er
mich nicht verlassen soll. Unsere Lippen versiegeln sich zu einem
letzten Kuss, bevor er sein Leben aushaucht. Seltsamerweise
klemmt zwischen seinen Lippen nun ein winziger goldener Schlüssel,
aber ich kann ihn nicht mehr frage wozu er passt.
........

Ich schlage die Augen auf und blinzele. Offenbar bin ich im Gemeinschaftsraum,
doch ich habe keine Ahnung wie ich hier her kam. Als ich feststelle,
dass ich mit dem Kopf in Thackerys Schoß liege, fahre ich ruckartig
auf und weiche peinlich berührt zurück.
Ach du meine Güte... was habe ich da denn nur gemacht?

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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Fr 21 Nov - 22:38

Ich wache auf als ich spüre, wie Emily sich plötzlich aus
meiner halben Umarmung befreit. Die Bilder des Traumes
sind verschwommen und ich kann mich nicht mehr
daran erinnern, was ich geträumt habe. Nur das beklemmende
Gefühl etwas wichtiges verloren zu haben bleibt zurück.
Ich brauche einen Moment, um mich zu sammeln, bevor ich
die Augen aufschlage. Verschlafen reibe ich mir dir Augen
und strecke mich dann. Da ich im Sitzen eingeschlafen bin
ist mein Rücken verspannt und als ich mich strecke verziehe
ich schmerzhaft das Gesicht. Meine Seite ziept, doch der Schmerz
ist wirklich zu ertragen und ich bin guter Dinge, dass ich ohne
Schmerzmittel durch den Tag komme. "Guten Morgen.", sage ich
zu Emily und schenke ihr ein warmes Lächeln. Ich mustere sie einen
Augenblick, doch dann bin ich mir sicher, dass Emily Harris vor mir sitzt.
"Hast du gut geschlafen?", frage ich sie etwas unsicher, wie ich das Gespräch
beginnen soll. Immer noch weiß ich genau, wie sich ihre Lippen auf meinen
anfühlen und gleichzeitig weiß ich, dass sie sich nicht daran erinnern kann.
Ein schlechtes Gewissen beschleicht mich, weil ich die andere Emily
geküsst habe und gleichzeitig auch Emily Harris, die davon keine Ahnung hat.
Außerdem bin ich nicht mehr dazu gekommen Emily zu fragen, was ich
Emily Harris erzählen soll und was ein Geheimnis bleiben soll. Jetzt muss
ich diese Entscheidung für sie treffen und dabei ist mir überhaupt nicht wohl.

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Emily*
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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Fr 21 Nov - 23:08

Thackery wacht durch meine ungestüme Bewegung ebenfalls auf,
allerdings scheint ihm die Position in der wir geschlafen haben nicht
so peinlich zu sein wie mir.
Warum kann ich mich nicht daran erinnern wie das passiert ist?
Was ist vielleicht noch passiert?

Ich versuche mich zu erinnern, doch das letzte was ich weiß ist,
dass dieser Roman und zwei Mädchen hier aufgetaucht sind und
ich ihnen geholfen habe. Danach ist nichts mehr, bis zu eben jenem
Moment.
"Ich... weiß nicht. Ich habe wieder diese... Lücken Thackery.
Ich glaube ich werde verrückt. Wie bin ich hierher gekommen?
Wir waren doch eben noch oben und haben Roman in eines der
Krankenzimmer gebracht?"
, frage ich ihn unsicher und fröstele
ein wenig, denn der Gedanke nicht zu wissen was man getan hat
ist mehr als gruselig.

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Thackery*
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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Fr 21 Nov - 23:18

Emily steht die Angst vor dem, was in den letzten Stunden
passiert sein könnte, förmlich ins Gesicht geschrieben.
Ihre Augen sind vor Angst geweitet und sie schlingt unbewusst
ihre Arme um sich selbst. Es tut mir wirklich leid sie so zu sehen.
Aber dieses Mal kann ich sie beruhigen. Ich muss aber erst einmal
meine Gedanken sortieren. Deshalb stehe ich auf und hole ihr und mir
einen Becher Tee aus einem der Automaten. Den dampfenden Pappbecher
reiche ich Emily "Du brauchst keine Angst zu haben. Ich war die ganze
Zeit bei dir und habe auf dich aufgepasst."
sage ich zuerst zu ihr, um ihr
die größte Angst zu nehmen. Naja zumindest habe ich dich versucht
dich zu beschützen, auch vor mir selbst.
Ich puste auf den heißen Tee,
um ihn abzukühlen und nehme einen Schluck. Das hilft wirklich. Aber ich
denke wir sollten uns heute auf die Suche nach etwas essbarem machen.
Wir können nicht ewig nur Schokoriegel und Chips essen, das macht auf
Dauer nicht satt. "Wir haben tatsächlich diesen Roman uns seine Begleiterinnen
auf eines der Zimmer gebracht und wollten dann hier her kommen, um uns
auszuruhen."
, fasse ich noch einmal das zusammen, was vor ihrer Ohnmacht
passiert ist. "Wir sind mit dem Aufzug nach unten gefahren und im Eingangsbereich
haben wir ein betrunkenes Mädchen gesehen. Doch dann bist du ohnmächtig

geworden." erzähle ich Emily. "Doch dann bist du wieder aufgewacht...
naja... zumindest so halb."
es ist schwierig das in Worte zu fassen, was
ich erlebt habe. "Aber du warst nicht du... Ich weiß, dass sich das seltsam
anhört und für sie hat sich das Ganze nicht weniger seltsam angehört.
Emily... du bist als Emily Davis wieder aufgewacht. Konntest dich nicht
an mich erinnern oder an das was wir hier zusammen erlebt haben, dass
wir nach deinen Erinnerungen gesucht haben, all das wusstest du nicht mehr."

ich mache eine Pause, um Emily erst einmal Zeit zu geben meine Worte zu begreifen.

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Emily*
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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Sa 22 Nov - 10:20

Thackery antwortet nicht gleich, sondern steht auf um uns einen
Tee zu holen, weswegen ich Schlimmes befürchte. Wenn es schlechte
Nachrichten gibt versucht man immer zuerst die Leute zu beruhigen.
Ich nehme den heißen Becher entgegen, trinke jedoch nichts, dafür
ist mein Magen zu sehr in Aufruhr. Seine nächsten Worte beruhigen
mich aber immerhin etwas, weil ich weiß, dass ich ihm vertrauen kann.
"Danke.", sage ich ehrlich, auch wenn das mein Problem
mit den Blackouts nicht löst. Aber immerhin hat er dafür gesorgt,
dass ich dieses Mal nicht verwundet irgendwo aufwache.
Er zögert etwas bevor er weiterspricht, als ob es ihm schwerfallen
würde und das lässt meinen Magen erneut verkrampfen.
Ich halte tatsächlich einen Moment die Luft an, in Erwartung was jetzt
kommen wird und als er mir mitteilt, dass ich während dieser Zeit
jemand anderes gewesen sein soll, brauche ich sie nicht mehr anzuhalten,
weil sie mir von ganz alleine wegbleibt.
Was... wie... wie soll das denn gehen? Warum?, frage ich mich
verwirrt. Von plötzlichem Gedächtnisverlust nach Unfällen habe ich
schonmal gehört. Hin und wieder kam das hier im Krankenhaus auch
vor, aber noch nie, dass jemand als völlig anderer Mensch aufgewacht
ist. "Ich... war jemand... anderes?", frage ich ihn fassungslos.
Hat diese andere Person dafür gesorgt, dass ich so schrecklich
verwundet wurde? Wie kann sie einfach die Kontrolle übernehmen?
Das ist quatsch... nein... das ist einfach nicht möglich. Er muss lügen.
Aber wieso sollte er?
Es gibt keinen Grund dafür und wenn ich ihm
in die Augen blicke sehe ich keine Unehrlichkeit.

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Thackery*
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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Sa 22 Nov - 13:44

Emily bedankt sich bei mir dafür, dass ich auf sie geachtet habe.
"Das war wirklich kein Problem. Hab ich gerne gemacht.", sage ich
und lächle sie schüchtern über den Tee hinweg an. Wie gerne, das
haben wir alle gemerkt...
flüstert der Hatter gehässig. Im Moment ist
er wie eine lästige Fliege, die einem immer um den Kopf herum schwirrt
und die man einfach nicht zu fassen bekommt. Emily ist von meinem Bericht,
was in ihrer Abwesenheit passiert ist ehrlich geschockt und sie wird ganz blass.
Ich befürchte, dass das ganze einfach zu viel für sie ist. Aber wenn sie herausfinden
will, was mit ihr passiert, dann muss sie genau wie Emily Davis Bescheid wissen.
Auch wenn ich so vielleicht bewirke, dass eine Emily irgendwann verschwindet.
Doch daran will ich im Moment einfach nicht denken. Emily muss eigentlich
tausend fragen haben, ist wohl aber im Moment einfach nicht in der Lage eine
herauszupicken. Also erzähle ich einfach ein bisschen weiter. "Ja, du warst
jemand anderes... naja.. eigentlich warst das auch nicht wirklich du. Emily Davis
hatte absolut keine Ahnung, dass es dich gibt. Sie war total verwundert
wie sie dorthin gekommen ist, wo sie aufgewacht ist. Für sie ist es wohl ganz genauso,
dass sie sich an die Zeit in der du hier bei mir bist an nichts erinnert und umgekehrt."

Es ist nur eine Vermutung und doch hat die andere Emily es so beschrieben.
"Sie ist ziemlich nett, aber ganz anders als du.", sage ich und muss erst meine Gedanken
wieder ordnen. Es ist schwierig Emily von Emily Davis zu erzählen, da ich nicht genau
weiß womit ich anfangen soll. Es gibt so vieles das sie nicht weiß.
"Wir haben die Unterlagen zusammen durchgesehen.", sage ich und ziehe die Liste
mit den Namenspaaren hervor. "Das hat sie gefunden.", sage ich und reiche Emily
die Liste. Vielleicht ist es ganz gut damit anzufangen. "Emily sagt von sich selbst,
dass ihre letzte Erinnerung fünf Jahre zurück liegt. Das war bevor sie hier aufgewacht
ist. Das müssen die fünf Jahre sein, die du hier im Krankenhaus verbracht hast."

kläre ich Emily weiter auf. "Sie ist in die Mall gegangen. Dort musst du dann wieder
aufgewacht sein. Sie war es auch, die wusste, woher die blauen Flecken stammen."

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Emily*
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BeitragThema: Re: Gemeinschaftsraum   Sa 22 Nov - 19:19

Ich weiß nicht was ich sagen soll. Das alles klingt wie ein sehr
verrückter Traum. Andererseits, was habe ich gedacht was
während dieser Zeit passiert an die ich mich nicht erinnern kann?
Wenn ich einfach nur bewusstlos gewesen wäre, hätte ich mich
wohl kaum irgendwo anders hinbewegen können. Und es erklärt
wie ich zu diesem Charlie und den blauen Flecken gekommen bin.
Auf einmal habe ich Angst. Angst vor mir selbst. Was könnte ich
mir noch alles antun? Könnte ich mich selbst umbringen?
Naja wenn ich Thackery Glauben schenke, bin das ja gar nicht ich,
jedenfalls nicht wirklich.
Das ist doch verrückt... total verrückt. Ich fange an zu zittern.
Haben meine Eltern mich deswegen ins Krankenhaus gebracht?
Weil ich wahnsinnig geworden bin?

Ich weiß noch, dass ich es seltsam fand, dass mir Niemand sagen
wollte weswegen ich in Behandlung gewesen bin. Vielleicht dachten
sie einfach ich würde das nicht verkraften und so wie es mir jetzt
gerade geht, muss ich ihnen fast recht geben.
Thackery berichtet mir weiter, dass diese Emily mit dem falschen
Nachnamen sich von mir ziemlich unterscheidet, aber er sie trotzdem
nett findet. Wirklich etwas darunter vorstellen kann ich mir aber
nicht. Das Papier das er mir nun reicht nehme ich mit stark zitternden
Fingern entgegen und betrachte sie. Namen. Immer zwei davon in
einer Spalte, zusammen mit dem Geburtsdatum. Plötzlich stutze ich,
denn ich habe meinen Namen entdeckt, doch dahinter....
"Emily Davis, 6.4.1994", lese ich leise vor. Nur zwei kleine
Unterschiede zwischen ihr und mir, die trotzdem meine ganze Welt
zusammenstürzen lassen, weil sie Thackerys Worte wirklich machen.
Ich lasse das Papier sinken, versuche das alles irgendwie zu verarbeiten.
"Warum... warum hat sie mir wehgetan?", frage ich mit
Tränen in den Augen. Warum hasst sie mich so? Und wie ist das möglich
wenn sie gar nicht wirklich existiert, sondern nur in meinem Kopf.

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