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 Flavor's Heart (Großer Saal)

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Luca*
Tribelos


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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Sa 18 Jul - 23:52

Alaska erklärt mir, dass es wohl nicht zum Großteil meine Schuld ist, dass Katina und Jona gegangen sind, anstatt hier in der Bar zu bleiben. Schuldig fühle ich mich trotzdem irgendwie, ich weiß auch nicht genau warum. „Ich dachte, ihr kanntet euch länger. Ihr wirktet so vertraut, auch wenn sie in meiner Gegenwart nicht viel gesagt hat.“
Manchmal versteht sie Scherze nicht? Was läuft denn bei ihr falsch? Sie lässt grad wieder ihre zickige Art heraus, als ich meine, sie würde mich doch sowieso rausschmeißen. Mit einem lächerlichen Spruch über Hunde bringt sie indirekt, die Sprache wieder auf meine Verletzung. Und erwidert giftig, wenn ich gehen wollte, sollte ich das doch tun, sie würde nicht diejenige sein, die dafür sorgt. Ich soll gehen? Ach ja und wie? Jetzt ist mir wirklich nach Heulen zumute aber ich verkneife es mir. Es hat mich bereits meine gesamte Kraft gekostet, aus diesem kleinen Zimmer in die Bar zu gelangen. Ich möchte ihr ins Gesicht schreien aber es geht nicht. Ich lasse ihre Vorwürfe unkommentiert über mich ergehen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und es ist mir auch irgendwo egal. Die Gedanken, einfach alles zu beenden, steigen in mir wieder auf. Ich habe lange nicht mehr daran gedacht, einfach allem ein Ende zu setzen. Lange hegte ich eine gewisse Hoffnung, dass sich alles irgendwann und irgendwie doch wieder zum Besseren ändern würde. Aber das Schicksal tat mir diesen Gefallen leider nicht.  Meine Fresse, da macht man ihr mal ein Kompliment und dann ist es auch wieder nicht richtig. Madame hat wohl an allem was auszusetzen. Wie hätte sie mir denn auffallen sollen, wenn sie hässlich wie die Nacht wäre? „Nein, es liegt nicht an deinem Äußeren, nicht nur, sagen wir es mal so. Und ich will es nicht schon wieder sagen aber wenns mir besser geht bin ich weg. Wir nerven uns doch nur gegenseitig. Egal was ich sage, du kriegst es in den falschen Hals und umgekehrt läufts doch genauso.“ Sie sagt zwar, die ganze Zeit, sie würde mich nicht wegschicken wollen, tut es aber dennoch, indirekt, mit dem was sie sagt. Es verlangt viel von mir ab, ihr den wahren Luca zu zeigen aber sie scheint es kein Stück zu schätzen. Dabei könnte sie sich eigentlich geehrt fühlen, ich lasse normalerweise niemanden so nah an mein tiefstes Inneres heran. Ich hasse, es verletzt zu werden. Ich verberge meine Gefühle meist hinter meinen sarkastischen Sprüchen, die ich wie eine Schutzmauer direkt vor mir stehen habe. Damit niemand die Möglichkeit hat weiter hineinblicken zu können als ich es je zulassen würde. Der verletzliche, gefühlvolle Teil von mir bleibt meist hinter Schloss und Riegel.
Dürfte sie weinen, wenn sie nicht so hübsch wäre? Hä? Was redet sie denn für einen Schwachsinn zusammen? Ich blicke echt gar nicht mehr durch. Ich schüttle nur ungläubig mit dem Kopf. „Ich habe keinen blassen Schimmer, wovon du redest. Und ich glaub, das war das letzte Mal, dass ich dir ein Kompliment gemacht habe, wenn danach immer so ein Heckmeck folgt.“ Ich reibe mir die Stirn an der rechten Seite. „Du regst dich über Nichtigkeiten auf, weißt du das? Hat dir noch nie ein Junge gesagt, dass er dich schön findet?“
Laura konnte gar nicht genug davon bekommen, dass ich ihr sagte, wie schön ich sie fände. Bei ihr wars mehr als leicht sie rumzukriegen, Alaska hingegen ist eine echte Herausforderung. Und ich stehe auf Herausforderungen. Sie soll bloß nicht denken, dass ich so schnell aufgebe, auch wenn ich gerade nicht ganz Anschein eines Kämpfers habe.
Auf die dämlichen Krücken habe ich erstrecht keinen Bock. Was denkt sie nur? Ich bin bald wieder auf dem Damm, auch ohne ihre Gehhilfen. Ich habe schon ne Hörhilfe, die nicht funktioniert, mehr Hilfe brauch ich nun wirklich nicht. Bald kann ich gar nichts mehr allein wenns weiter so geht.
„Ich werde die Teile nicht brauchen. Ganz einfach. Ich komme schon irgendwie zu recht.“ erwidere ich als sie meint, die Krücken würden helfen mein Bein zu entlasten und mir so ein wenig der Schmerzen nehmen. Ok, Alter, wer hebt dich dann vom Boden auf?
„Wer klopft hier nur Sprüche? Du doch. Ich muss dir gar nichts beweisen. Du…“ Ich verstumme. Mir fällt einfach nichts mehr dazu sein. Was will sie denn, das ich ihr beweise? Soll ich hier den Boden wischen oder was? Wer sagt eigentlich, dass ich ihr helfen will, ihre blöde Bar aufzumachen? Am Ende übernimmt sie sich mit allem und es kommt sowieso keiner. Da kann sie den Laden gleich zulassen. Immerhin müsst man hier erst mal gründlich aufräumen. Will sie das alles allein bewältigen? Wie soll das gehen? Selbst wenn ich gesund wäre, könnte ich ihr nicht wirklich von Hilfe sein. Damals mein Zimmer in unserem Zuhause habe ich schon nich in Ordnung gehalten, dann werde ich wohl kaum bei Fremden den Hausmann spielen.
Ich habe komische Dinge gesagt im Schlaf? Die sie verwirrt hätten? Habe ich…? Nein. Verwirrung und Erstaunen liegt in meinem Blick. Ich habe nicht nur einfach geträumt. Sie hat gehört, was ich gesagt habe? Ich versuche die Panik zu unterdrücken. Sie hat alles mit angehört? Auch den Teil, wo ich über sie geredet habe? Nein, das kann nicht wahr sein. Ob sie mir verraten soll, was ich alles gesagt habe? Damit ich noch tiefer in mein Loch fallen kann? „Ich will gar nichts hören, wenn du schon so fragst. Du hast einfach keine Ahnung. Du kennst mich nicht und wirst es wohl auch nie.“ meine ich nüchtern und schaue zu Boden. „Außerdem hab ich nicht geweint. Wie oft denn noch? Es ist eine allergische Reaktion gewesen. Mehr auch nicht.“ füge ich wütend hinzu und sehe sie direkt an. Noch tiefer könnte ich glaube ich nicht fallen. Ich bin bereits am Boden meines Lochs angekommen. Einen Lichtblick, nach draußen sehe ich nicht. Ich bin einfach zu tief in meiner Depression gefangen, als das ich irgendetwas positiv aufnehmen könnte, und hilfreich sind Alaskas Sprüche erstrecht nicht. Sie stoßen mich tiefer hinein.  Ich dachte wirklich die Gedanken, allem ein Ende zu setzen zu wollen, wären für immer weg. Ich hatte mich damit abgefunden. Mit allem. Meiner baldigen Taubheit, Leah nie wieder zu sehen etc…. Vielleicht hat sie recht und ich jammere nur, wer weiß. Einen Psychologen kann ich nicht mehr fragen, was mit mir los ist weil es keinen mehr gibt.
Sie schreit mich an, sie bräuchte keine Hilfe von mir. Warum ich so hartnäckig den Retter spielen will? Will ich das denn? Den Retter spielen? Ob es was mit meinem Ego zu tun hätte? Ich schüttle wieder ungläubig den Kopf. Warum muss sie mir die ganze Zeit die starke, emanzipierte Frau vorspielen? Nach außen immer der Starke bloß nie Schwäche zeigen, in der Angst ein Anderer könnte sich einen Vorteil davon verschaffen. Ich glaube, in der Beziehung sind wir uns doch sehr ähnlich. Ich halte andere Menschen grundsätzlich erstmal auf Abstand mit meinen Sprüchen. Ich lasse niemanden an mich heran. Ob sie es aus demselben Grund tut, wie ich? Um nicht enttäuscht zu werden? Oder sogar um einer seelischen Verletzung vorzubeugen? Wurde sie bereits von einem Jungen so enttäuscht, dass sie nun niemanden mehr an sich ranlässt? Könnte ich gut verstehen. Ich muss wieder an Laura denken. Ob sie mit ihrem neuen Lover nun glücklich ist, nachdem sie mich abserviert hat? Ich würde es ihr wünschen. Ich bin zwar nach wie vor sauer auf sie auch nach all den Jahren, die inzwischen ins Land gegangen sind aber ich trauere unserer Beziehung nicht hinterher. Sie war einfach nicht dafür bestimmt, für die Ewigkeit zu halten. Ich muss mich wohl damit abfinden. Aber Laura und Alaska sind auch grundsätzlich verschiedene Menschen. Von dem was Alaska überhaupt von sich preisgegeben hat, kann ich bisher jedenfalls keine Gemeinsamkeiten erkennen. Eigentlich hat sie recht, wenn sie sich was fragt, was ich so interessant an ihr finde. Bei Laura ging es mir wirklich nur ums Aussehen. Aber ich war dreizehn. Sie war meine erste Freundin. Seitdem bin ich wesentlich erwachsener und reifer geworden. Ich habe mich verändert, glaube ich zumindest. Alaska ist mir einfach unheimlich ähnlich in ihrer Art, vielleicht ist es das. Mit ihren Sprüchen macht sie sich sicher nicht so leicht und schnell Freunde. Zwei Seelenverwandte auf der Suche. Aber der Suche nach was? Freundschaft? Zuneigung? Oder doch sogar Liebe? Kein Mensch ist gern allein. Wir sind dazu bestimmt uns mit anderen Menschen zu umgeben. Ob uns das gefällt oder nicht interessiert die Natur nicht.
Dann fällt sie auf mich und ich kann nicht anders als meiner menschlichen Natur nachzugehen. Ich packe sie, ziehe sie zu mir und küsse sie. In mir dreht sich alles. Alle glücklichen Augenblicke meines Lebens vereinen sich in mir. Ich spüre ein seltsames Gefühl in mir. Wie Schmetterlinge in mir, die aus ihren Kokons brechen und wild mit den Flügeln schlagen. Alles prickelt. Ihre warmen Lippen wirken kühl als sie auf meine treffen. Und das erstaunlichste, sie erwidert den Kuss. Sie stößt mich nicht von sich oder knallt mir eine, womit ich am ehesten gerechnet hätte… nein…sie erwidert den Kuss. Ihre weichen Hände scheinen Halt zu suchen. Sie ruhen plötzlich auf meinen Schultern. Ist mir so warm oder was? Das Glücksgefühl über meinen ersten Kuss seit langem hält aber nicht lange.
Ich spüre Schmerzen in meiner Brust. Der Raum dreht sich und wirkt verschwommen auf mich. Ich merke noch wie ich Alaska entgegenfalle. Dann ist es dunkel. Um mich herum nehme ich nichts mehr wahr.

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„Hey Luca, kommst du oder was?“ Ich höre Lauras Stimme. Ich blicke mich um. Wo bin ich? Unser Schulhof? Ich stehe hinter dem Auto meiner Mutter. Ja, das ist das Auto meiner Mutter. Sie ermahnt mich gerade noch mal, dass ich das Hörgerät auch tragen solle, auch wenn es mich stören würde. Was ist das hier? So ne Art, Leben nach dem Tod oder wie? Bin ich gestorben? Wo ist die Bar? Wo ist Alaska? Ich blicke mich um. Durch das geöffnete Autofenster berührt meine Mutter meinen Arm. Ich sehe sie an. „Hast du verstanden, Lucas Stephen Parker? Du trägst es. Es wird dir beim Hören helfen. Du hast den Arzt verstanden. Ohne das Teil wird dein Ohr schlechter werden.“ Ich hasse es  wenn sie mich mit meinem vollen Namen anspricht. Ich höre den Nachdruck in ihrer Stimme aber ich glaube es geht ihr eigentlich nur um das Geld. Meine Ohren sind ihr doch scheißegal. Ich nicke und warte kurz bis sie vom Schulhof gefahren ist. Ich nehme das Teil aus meinem Ohr und schalte es aus. Es fühlt sich einfach wie ein Fremdkörper an. Ich setze meinen Rucksack kurz ab und lege es in die kleine Büchse, die ich zum Transport dabei habe. Die Büchse verschwindet wieder in meinem Rucksack. Laura tritt zwischen einem der Autos auf mich zu und küsst mich. Sie ist ein Stück kleiner als ich und muss sich fast auf die Zehenspitzen stellen, um meine Lippen zu erreichen. Es ist leicht windig und ihre blonden Haare wehen um ihr Gesicht und kitzeln mich. Meine Hand wandert unter ihr Shirt an ihrem Rücken. Sie stoppt meine Hand und löst sich von meinen Lippen. „Nicht so stürmisch junger Mann.“ Sie grinst und küsst mich erneut. Ich lege meine Arme um ihre Hüften. „Du hast mich doch vermisst oder?“ Es klingelt. „Ich glaube, wir sollten mal reingehen.“ meint sie. Ich verfestige meine Umarmung. „Warum? Ist doch so schön hier draußen. Nur wir und die Sonne.“ An uns rollt ein schwarzhaariger Junge im Rollstuhl vorbei. Lauras Blick folgt ihm. „Sind wir ne Behindertenschule oder wie.“ zischt sie zwischen zusammengekniffenen Lippen hindurch. Ich drehe ihren Kopf in meine Richtung und lege meinen Zeigefinger auf ihre Lippen. „Lass es.“ meine ich ernst. Sie sieht mich skeptisch an. „Was denn?“ Ich kann eine Spur von Wut in ihrer Stimme erkennen. „Hab ich was Falsches gesagt? Dein neuer Kumpel, was?“ versucht sie mich zu necken. Aber ich winke ab: „Vergiss es. Lass ihn einfach in Ruhe. Er scheint neu zu sein.“ Auf meiner Schulter spüre ich plötzlich eine Hand. „Buuh. Na schwänzt ihr schon wieder?“ Ich blicke in die grinsenden Augen meines besten Freundes Jake Richards. „Verzieh dich. Du Idiot.“ sagt Laura schnippisch und dreht meinen Kopf wieder in ihre Richtung, um mich wieder zu küssen. Ich halte inne als Jake wieder spricht. „Gut wie ihr wollt aber das wird Ärger mit Mr. Meyer geben.“ meint er nachdrücklich.  „Nachsitzen Mr. Parker und Miss Stone.“ Er äfft die Stimme unseres Klassenlehrers nach. Wir sehen ihn beide an. Jake ist so gut darin, die Stimme von Mr. Meyer nachzumachen, dass man fast das Gefühl hat er würde neben einem stehen. Ich blicke wieder in Lauras kristallblaue Augen und meine: „Jake hat Recht. Mein Alter tobt, wenn er mitkriegt, dass ich wieder schwänze.“ Laura scheint enttäuscht zu sein. „Ich dachte, dich interessiert nicht, was dein Vater sagt. Du hast gesagt, seine Zeit wäre sowieso vorbei. Jetzt wo dieser komische Virus rumgeht. War das alles nur Gerede?  Du kannst ja ein Streber werden. Aber glaub ja nicht, dass ich dann noch was mit dir zu tun haben will, Lucas Parker.“ Sie schnappt sich ihren Rucksack und verschwindet Richtung Schultor. Jake tritt neben mich und legt mir seine Hand auf die Schulter: „Weiber, mit denen hat man immer nur Probleme.“ Er steht rechts von mir. „Wie?“ frage ich. Ich habe ihn nicht verstanden. Er stellt sich dann direkt vor mich. „Dein Daddy hat dir das Ding nicht ohne Grund gekauft. An deiner Stelle würde ich es im Ohr statt im Rucksack tragen. Dort hilft es dir nämlich beim Hören.“ Er deutet auf meinen Rucksack. „Dort drin leider nicht.“
„Woher weißt…?“ setze ich an aber er unterbricht mich.
„Woher ich es weiß, willst du wissen?“ Ich nicke. „Ganz einfach. Ich muss nur auf deiner rechten Seite stehen und versuchen mit dir zu reden, dann fragst du immer nach, was ich gesagt habe. Ganz automatisch. Außerdem kann ich es öfter sogar aus deinem Gesicht herauslesen, dass du mich nicht verstanden hast. So einfach ist das.“ Ich verdecke kurz meine Augen mit meiner Hand bevor ich ihn wieder ansehe und spreche. „Meinst du Laura hat das auch gemerkt?“ Er sieht mich skeptisch an. „So verknallt wie die in dich ist?“ fragt er skeptisch. „Nein, die lässt doch ihre Augen nicht mehr von deinen Lippen. Die checkt gar nichts. Da brauchst du dir keine Sorgen zu machen. Aber wenn du das Teil“ Er deutet auf das Fach in dem sich die Box mit dem Hörgerät befindet. „nicht trägst, wird’s auch nicht besser werden sondern schlechter.“ Ich boxe ihn gegen die Schulter. „Alter, du klingst wie meine Mutter.“ Wir machen uns beide auf den Weg ins Schulgebäude. „Vielleicht solltest du mal auf sie hören.“ murmelt Jake. „Was?“ frage ich. „Nichts nichts.“ antwortet er etwas lauter.

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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Fr 24 Jul - 1:36

Wirklichhkeit und Schein liegen wie so oft nah bei einander. Ich schüttele den Kopf, als Luca darüber spricht, wie meine Bekannte und ich auf ihn gewirkt haben. Dabei kann ich ihn sogar verstehen, schließlich habe ich mich in den banalen Gesprächen mit ihr auch gut aufgehoben gefühlt und wie damals in der Grundschule in Amerika, als ich noch Freundinnen hatte, weil als Kind alles einfacher gewesen ist und Beziehungsgeflechte nicht so kompliziert. Die Wahrheit über Katina und mich sieht anders aus, wer weiß, vielleicht wäre sie schon verschwunden, als wir Farbe suchen gehen wollten. Herausfinden werde ich das wohl nie.
"Nein, auch erst ein paar Tage. Manchmal spielt einem das Leben eben so zu, dass man Leute trifft, die man nett findet, aber sie sind nicht dafür bestimmt, bei einem zu bleiben. Sind nur ein flüchtiger Lichtblick in der sonstigen Tristesse", entgegne ich ziemlich philosophisch, dabei ist auch das wie viele andere Dinge nur eine weitere Tatsache. Genauso wie das, was Luca da so unverblümt auf den Tisch legt, als ich ihm wegen dem Kompliment für mein Aussehen nicht gleich um den Hals falle und vor Romantik zerschmelze. Und was er sagt, ist nichts Neues für mich, so haben es immerhin die meisten Leute mit mir gehalten. Ich war komisch, nicht kommunikativ, einfach anders und darum sind sie mir aus dem Weg gegangen so wie ich ihnen. Was also erwartet Luca jetzt von mir? Der Verdacht, dass er nur irgendwie durch die Hintertür bewirken möchte, dass er gehen kann, ohne mich zu verletzen, verstärkt sich wieder. An seinem Stolz scheint es wohl sehr gekratzt zu haben, dass ich vielleicht wie ein Mädchen aussehe, dem die Männerwelt zu Füßen liegt und das gerne bestätigt bekommt, wie super und wunderschön es doch ist, mich dagegen nicht so verhalte. Mein Inneres passt mit meinem Äußeren nicht zusammen. Früher dachte ich darum oft, ich hätte wohl im Körper eines Mauerblümchens geboren werden müssen, mit einem Durchschnittsgesicht, einer Brille auf der Nase und einem nichtssagenden unauffälligen Klamottengeschmack. Stattdessen bin ich so wie ich bin, habe einfach immer angezogen, was mir gefällt, ohne mich groß darum zu kümmern, wie andere es finden und passe so in den Augen der anderen eben nicht in das Schema, das bei ihnen entsteht, wenn sie mich zum ersten Mal sehen.
Luca reibt sich mit der Hand die Stirn, als würde ich nichts weiter tun, außer ihm Kopfschmerzen zu bereiten.
"Hör zu, Luca. Damit, dass ich nicht so bin, wie du es dir vielleicht aufgrund meines Aussehens erträumt hast, dass ich keine Traumfrau bin, die mit ihrer witzigen, mädchenhaften Art wen verzaubern kann und ich im Gegensatz dazu eher ein kleiner Freak bin, der in den letzten Jahren nicht von Fans und Freunden umringt gewesen ist, weiß ich selbst. Und natürlich hat mir das schon wer gesagt, dass ich nicht ganz so unbeachtenswert bin. Nicht nur einer. Aber hat es etwas gebracht? Nein. Was nützen Komplimente, wenn sie nicht ehrlich gemeint sind oder sich nur auf eine Sache beschränken, auf eine Eigenschaft, die sofort ins Dunkle rückt, wenn der Rest sichtbar wird, der dann nicht mehr so anbetungswürdig ist? Also sag ich das dir nun auch noch mal. Wenn du wieder auf den Beinen bist und weiter willst, mach das. Ich bin bisher nie so verzweifelt gewesen, dass ich Leute zwingend an mich ketten muss und das werde ich auch mit dir nicht tun. Auch nicht emotional mit Mitleid oder sowas. Wie wenig gern man das geschenkt bekommt, kennst du ja sicher gut genug", erwidere ich mich selbst damit in Schutz nehmend. Es tut nicht weh, Luca diese Worte zu sagen, damals tat es das einmal, ganz zu Beginn der Zeit in Japan, als sich alles veränderte und so verschieden war von dem Leben, das ich in New York geführt hatte. Doch heute ist es längst Normalität geworden. Ich bin einsam, irgendwo da in mir und leer dort, wo meine Eltern und vor allem mein Bruder eine Lücke hinterlassen haben, die von nichts anderem gefüllt werden kann. Und bevor so ein neues Loch in meinem Leben entsteht, bleibe ich lieber auf mich gestellt und das weiterhin. Auf andere kann man sich sowieso nicht gut genug verlassen, was meine letzten Begegnungen nur gut genug bewiesen haben...
Die Krücken will Luca immer noch nicht haben, muss sich weiter als schmerzlosen Indianer geben. Und von mir aus, er ist alt genug, um zu entscheiden, was er für sich tun möchte und was nicht. Ich bin niemand, der ihm sagen kann und will, was besser für ihn wäre, erst recht nicht, weil ich mir schon jetzt ausmalen kann, dass dann nur dieser abgedroschene "Du bist nicht meine Mutter"-Spruch kommt.
"Okay, dann lassen wir das eben. Und beweisen?! Mit dem, der sich aufspielt, hab ich eigentlich wen anderes gemeint, irgendeinen Verrückten von draußen, aber gut, du liegst richtig, zu dir würde es auch gut passen, sich auf zuspielen. Das hast du ja am Anfang ziemlich überzeugend gezeigt. Tust es jetzt noch, weil du zu stur bist, um Unterstützung anzunehmen!"
Wir fallen uns tatsächlich bloß gegenseitig auf die Nerven. Weil wir uns nicht verstehen, er mich nicht und ich ihn ebenso wenig. Als sprechen wir unterschiedliche Sprachen, für mich ist die der meisten anderen zumindest so wie eine eines komplett anderen Landes, die Körpersprache und so. Lucas Blick auf den Boden, als ich ihm offenbare, dass er im Schlaf während des Träumens vor sich hin geredet hat, kann ich allerdings als Eingeständnis von etwas entziffern, das ein wunder Punkt ist. Aber er wollte es ja nicht anders.
"Richtig. Ich habe wirklich keinen Schimmer, wer du eigentlich bist. Ob der eingebildete Macho oder der einfühlsame besorgte Bruder oder sogar beides. Ich habe auch nie geglaubt, deinen Charakter erfasst zu haben wie den Inhalt eines offenen Buches. Im Gegenteil. Du bist ein Mysterium für mich, okay? Und ich hab bereits gesagt, mein Empathievermögen ist nicht gerade randvoll gefüllt. Ich kann nur sagen, was ich gesehen habe. Doch wo wir grade dabei sind. Du wirst mich ebenfalls nie kennen lernen. Genau wie all die anderen. Du wirst deine Sachen nehmen und gehen und mich allein lassen und ich bleibe mein eigenes Geheimnis, so wie es stets gewesen ist."
Zu dem Spruch mit der Allergie erwidere ich gar nichts mehr. Denkt er, ich wäre so naiv und könnte das nicht unterscheiden? Trotzdem lasse ich es so stehen. Vor allem, weil dieser Kuss mich so aus der Ruhe reißt. Diese Wärme in meinen Körper flattern lässt, wie warme Sonnenstrahlen an einem Sommertag, nur dass sie nach innen dringen und alles entfachen. Bis zur weiteren Ohnmacht. Als wäre ich ein verfluchtes Dornröschen das nicht von seinem Prinzen wachgeküsst wird, sondern dafürt sorgt, dasser statt ihr das Bewusstsein verliert.
All meine Bemühungen danach, ihn zu mir zurück zu holen, schlagen fehl. Nichts hilft, Lucas Gedanken sind weg und ich bin nicht die professionelle Ärztin, die ich gerne sein würde. Nicht mal auf Leahs Namen reagiert der junge Mann, ich fühle mich ausgelaugt und habe keine Kraft mehr, um noch etwas zu tun. Mein Kopf ist leer. Darum mache ich etwas Seltsames. Statt dass ich Luca in mein Zimmer zurück in mein Bett bringe - wie auch immer ich das anstellen wollen würde - lege ich mich zu ihm, den Kopf auf seine Brust, ganz leicht, sodass er atmen kann und ich dennoch seinen Herzschlag hören kann. Ich mag diese Töne, die das Organ macht, dem so viel Bedeutung zugeschrieben wird. Es ist das Symbol der Liebe, der Gefühle, nicht der Vernunft, so wie das Hirn es ist. Die Finger meiner linken Hand verschränken sich mit denen Lucas. Tränen rinnen über mein Gesicht.
"Bitte geh nicht, kehre zurück. Bitte", murmele ich vor mich hin und schließe die Augen. Wünsche mich wieder ans Meer, an den Strand und träume mich dorthin, wo die Wellen uns verschlingen...

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Luca*
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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Sa 25 Jul - 20:35

Aha Leute die man nett findet, die dann wieder gehen. Und ich gehöre wohl dann zur zweiten Sorte. Die unsympathischen die länger bleiben als geplant oder wie?!
„Willst du das hier ganz allein aufziehen?“ Ich deute mit meiner Hand um uns herum. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass man das alleine schaffen kann. Jeder Mensch braucht Freunde zur Unterstützung. Selbst ich, auch wenn ich im Moment niemanden an mich heranlasse, denn ich als Freund bezeichnen würde. Wenn ich es nicht schaffe, jemanden von mir fernzuhalten, schafft das spätestens meine Behinderung. Wie ich dieses Wort hasse.
Ich lausche dem, was sie sagt.
Keine Traumfrau? Ist sie wahnsinnig? Für mich bist du eine Traumfrau, möchte ich am liebsten sagen aber ich halte mich zurück. Sie würde mir ja doch nicht glauben. „Du bist kein Freak.“ sage ich tonlos. „Sag sowas nicht.“
Was nutzen Komplimente wenn sie nicht ehrlich gemeint sind? Ja klar, ich lüge, will sie das hören? In Wirklichkeit finde ich dich absolut hässlich. Oh mein Gott, die Frau raubt mir noch die letzten Nerven. Warum darf ich eine Frau, auf die ich stehe, nicht hübsch finden?
Mitleid? „Vom wem soll ich bitte Mitleid kriegen und warum?“ frage ich empört. Ich weiß jedoch genau wovon sie redet. Ich kann die Wahrheit einfach nicht vertragen. Das ist wohl eine Tatsache die ich nicht verleugnen kann. Sie hat Recht. Ich weiß ganz genau wie es ist Mitleid von anderen entgegengebracht zu bekommen. Und ehrlich. Ich hasse nichts mehr. Mitleid macht nichts besser. Nein, im Gegenteil, es macht alles nur schlimmer. Die Leute müssen nur das Hörgerät sehen und schon bin ich als „armer Junge“ abgestempelt. Die meisten machen dann den Fehler und nuscheln beschämt vor sich hin anstatt lauter zu sprechen, damit ich eine Chance habe zu verstehen, worum es geht. Deswegen reagiere ich auch giftig darauf, wenn Leute mit mir flüsternd sprechen, obwohl sie wissen, dass ich schwerhörig bin. Meine Gedanken wandern wieder zu Laura und wie sie mich abserviert hat, womit ich nie gerechnet hätte. Die Krankheit nimmt mir nach und nach alles. Irgendwann auch mein Restgehör?!
Ein weiterer Tiefschlag. Warum quält sie mich so? Macht ihr das Spaß? Bekommt sie dadurch eine innere Befriedigung, die ich nicht verstehen kann?
Stur? „Ich bin nicht stur. Ich brauche die ‚Unterstützung‘ von diesem Jona nicht.“ meine ich grantig. „Außerdem spiele ich mich nicht auf.“
Eingebildeter Macho? Ich? „Ich bin kein Macho. Und ich sorge mich wirklich um meine Schwester. Du hast ja keine Ahnung. Sicher bist du ein Einzelkind und weißt nicht wie es ist sich um seinen Bruder oder seine Schwester zu sorgen. Ob sie überhaupt noch leben und irgendwo auf dich warten. Mein Bruder ist dort draußen und auch wenn meine Leah nicht mehr lebt. Ich werde wenigstens ihn finden und mich mit ihm versöhnen.“ In Angedenken an meine Zwillingsschwester. Ich tue es nicht weil ich Luke jemals besonders nahe gestanden hätte. Er ist mir eigentlich egal aber er ist der letzte lebende Teil meiner Familie. Der Schlüssel zu meiner Vergangenheit. Der Schlüssel zu meiner glücklichen Kindheit. Der Schlüssel zu allem was mir je wichtig war. Vielleicht irre ich mich auch aber das werde ich erst herausgefunden haben, wenn ich ihn gefunden habe.
Aus dem was sie dann sagt, kann ich schmerzlich heraushören, dass auch sie sich einsam fühlt. Ich weiß nicht wodurch aber ich vermute, dass auch sie jemanden verloren hat. Ich möchte sie fast danach fragen, ob sie auch ein Familienmitglied oder einen Freund vermisst und nicht weiß ob er oder sie noch lebt aber ich belasse es dabei. Sie würde mir sowieso nicht antworten. Ich kann es spüren, förmlich anfassen, wir sind uns so unendlich ähnlich, in gewisser Art und Weise. Immer darauf bedacht die Mauer aus Sarkasmus und Zynismus aufrecht zu erhalten damit niemand dahinter blicken kann. Sie bezeichnet sich selbst als ihr eigenes Geheimnis. Klingt fast als wenn sie selbst nicht wüsste, wer sie sein will oder wer sie ist. Dann will ich der erste sein, der durch ihre Schutzmauer durchbricht und die wahre Alaska entdeckt. Ich sollte vielleicht nicht alles auf die Goldwaage legen, was sie so von sich gibt, ähnlich wie man nicht alles so ernst nehmen sollte, was ich von mir gebe.
Die Dunkelheit hält weiter an. Es ist so kalt. Mir ist so unendlich kalt aber ich habe keinen Körper um zu zittern oder mich aufzuwärmen. Da ist nur diese unmenschliche Kälte.

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Ich stehe vor unserer Haustür und krame in meinem Rucksack nach meinem Haustürschlüssel. Der muss hier drin sein. Wo ist der denn? Dad bringt mich um, wenn ich wieder diesen blöden Schlüssel verloren habe. „Suchst du den hier?“ Ich höre eine weibliche Stimme hinter mir, die mir bekannt vorkommt. Ich sehe mich um. Es ist Leah. Sie strahlt mich an. Ich lasse mir den Schlüssel in die Hand legen und schließe die Türe auf. Wir betreten beide den Hausflur. „Wo hast du den gefunden?“ frage ich in Gebärdensprache. Sie deutet auf den Vorgarten. „Draußen in der Einfahrt.“ Ich küsse sie auf die Wange. „Danke. Hast mir den Hals gerettet.“ Ich betrete mein Zimmer und lasse meinen Rucksack auf mein Bett fallen. Ich zücke die kleine Box, in der sich mein Hörgerät befindet, aus meiner Tasche. Ich schalte das Gerät ein. Es piept kurz. Ich klemme mein Hörgerät hinter mein Ohr und drehe mich um. Ich wäre fast mit Leah zusammengestoßen. Ich zucke zurück. „Erschreck mich nicht so. Was gibt’s denn?“ Sie lächelt. „Du willst mir was erzählen oder nicht?“ Sie nickt. „Ich will dir etwas zeigen.“ Sie winkt mir, dass ich ihr folgen solle. Sie führt mich ins Wohnzimmer, wo Dads Klavier steht. „Du kannst doch eh nicht spielen. Was wird das?“ frage ich, obwohl ich weiß, dass sie mich nicht hört, wenn sie mich nicht ansieht. Sie setzt sich und deutet mir an, dass ich mich neben sie setzen solle, was ich auch tue. Dann beginnt sie zu spielen. Und ich traue meinen Ohren ja schon lange nicht mehr aber diese Musik… Himmlisch. Das Stück erkenne ich nicht gleich aber die Art wie Leah spielt. Man möchte gar nicht glauben, dass sie nichts von dem, was sie spielt, hören kann. Als sie das Stück abschließt bin ich fast zu Tränen gerührt. Ich drehe meine Handgelenke nach rechts und links, die Hände halte ich dabei aufrecht. So klatscht man in Gebärdensprache. Sie sieht mich an. „Wow. Ich bin sprachlos. Woher kannst du so gut Klavier spielen?“ Sie ist ein wenig verlegen und antwortet nicht gleich. „Ich glaube keiner der Hörenden könnte das je besser spielen. Das Stück kenne ich. Was war das?“ Sie ergreift meine Hand und krempelt meinen linken Ärmel hoch und deutet auf den Verband, den ich am Arm trage. Hinter dem Verband verbirgt sich mein Tattoo, welches ich mir vor ein paar Tagen habe stechen lassen, nachdem mein langjähriger, bester Freund Noah an Krebs gestorben ist. „Die Mondscheinsonate.“ flüstere ich. Leah nickt. „Du hast sie spielen gelernt für Noah.“ Leah blinzelt und lächelt, dann fällt sie mir in den Arm und weint. Noah war nicht nur mein bester Freund, auch Leah hat ihn sehr gemocht. Er war ein ganz besonderer Mensch, der einen immer mit seiner fröhlichen Art anstecken konnte, immer gut drauf bis zum Schluss. Es tat weh an seinem Grab zu stehen und den Gedanken daran im Kopf zu haben, ihn nie wieder sehen zu können und sein fröhliches Lachen zu hören. Der Grund warum Leah ausgerechnet die Mondscheinsonate ausgewählt hatte, ist schlichtweg einfach. Noah war der größte Beethoven-Fan der jüngeren Generation und ein begnadeter Pianist für seine 13 Jahre. Das Tattoo an meinem Arm wird mich ewig an ihn erinnern. Ein Notenschlüssel mit den ersten Tönen der Sonate von Beethoven. Aber es wird mich nicht nur an ihn erinnern, nein auch an meine „kleine“ Schwester, dafür dass sie meine und Noahs Liebe zur Musik teilt, obwohl sie die Musik nicht hören kann. Sie löst die Umarmung. Ich habe wirklich Tränen in den Augen. „Danke.“ Sie wischt mir die Tränen aus den Augen. „Spielst du noch mal?“ Sie nickt und spielt das Stück von vorne. Ich lehne mich von der Seite her auf das Klavier und spüre die Vibration in meinen Händen. Meine Gedanken ruhen bei Noah und wo immer er auch ist, ich hoffe sehr, dass es ihm dort besser geht als auf der Erde.
„Leb wohl Kumpel.“ flüstere ich und lausche der Musik, die jede Faser meines Körpers durchdringt.

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Ich komme langsam wieder zu mir. Liege ich auf dem Boden? Was ist passiert? Die Augen halte ich noch geschlossen. Ich spüre eine Hand in meiner. Ob das Alaska ist? Irgendetwas liegt leicht auf meinem Brustkorb auf. Ich öffne die Augen. Ja, Alaska Kopf liegt auf mir auf. Ihr Gesicht ist mir zugewendet. Sie hat Tränen in den Augen. Ich runzele die Stirn und da behauptet sie, ich würde ihr nichts bedeuten. Ich verdrehe die Augen. Ich muss husten und halte mir die linke Hand vor den Mund. Erschrocken hebt Alaska ihren Kopf von meiner Brust. Meine Hand hält sie weiterhin fest. Ihre Finger mit meinen verschränkt. Ein sehr angenehmes Gefühl. Ich habe irgendwie Schmerzen in meinem linken Arm. Was ist das? Ich sehe auf meinen Arm aber außer meinem Tattoo auf der Arminnenseite kann ich nichts Ungewöhnliches erkennen. Das Tattoo hat eine sehr wertvolle Bedeutung für mich, vielleicht noch mehr als Leahs Kette an meinem Hals. Meinen halben Unterarm ziert ein Notenschlüssel in dessen linker Verzierung sich die ersten Töne der Mondscheinsonate von Ludwig van Beethoven befinden. Wieder sind meine Gedanken bei Leah. Der Schmerz wandert zu meiner Brust. Ein seltsames Engegefühl macht sich breit. Dann ist alles wieder schwarz. Dass mein Herz in diesem Moment seinen Dienst versagt hat, kann ich ja nicht wissen.

Das Licht geht wieder an. Ein helles, gleißendes Licht. Ein unnatürliches Licht, eins, wie ich es nie zuvor erblickt habe. Es kommt auf mich zu und umhüllt mich komplett. Ich stehe plötzlich neben der Theke. Neben mir Leah die meine Hand ergreift. Vor mir kniet Alaska. Sie ist über einen Körper gebeugt. Was ist nun schon wieder los? Ich will einen Schritt nach vorne gehen. Leah hält mich zurück. Ich sehe sie an. „Was ist hier los?“ Sie schüttelt mit dem Kopf. „Deine Zeit ist noch nicht gekommen. Luca. Du musst zurück.“ Ich runzele die Stirn. „Wie zurück?“ Plötzlich stehen meine Eltern hinter mir. Aber woher weiß ich das? Ich blicke mich kurz um kann sie aber nicht sehen. Ist das real? Mein Vater legt seine Hand auf meine Schulter. „Leah hat Recht. Es ist zu früh.“ Ich lege meine Hand darauf aber ich spüre keine andere Hand. Wie kann das sein? Ich spüre doch die Berührung auf meiner Schulter.  Ich sehe neben mich. Leah kann ich sehen, meine Eltern nicht. Bedeutet das, vielleicht das Leah doch noch lebt? „Luca wir werden uns wiedersehen irgendwann. Aber du hast noch viel Zeit. Du musst zurück.“ Die Stimme kenne ich. Ich habe sie jahrelang nicht mehr gehört. „Noah?“ Kurz nach seinem 13. Geburtstag ist er ganz plötzlich an Krebs gestorben. Doch auch ihn höre ich nur. Ich kann ihn nicht sehen. Plötzlich sind Leahs Finger mit meinen Fingern verhakt. Sie nickt mir lächelnd zu. „Du musst zurück. Wir sehen uns wieder. Schon bald. Versprochen.“ Ich deute auf den Körper am Boden. „Bin ich das?“ Leah rührt sich nicht. Sie starrt nur auf den Körper. Dann ist plötzlich wieder alles dunkel als wenn jemand das Licht ausgeschalten hätte.

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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Mo 27 Jul - 20:33

Ob ich all die Arbeit, die hier getan werden muss, ohne Hilfe und allein verrichten will? Luca schneidet damit wieder ein Thema an, das mit dem aktuellen Gespräch gar nicht so viel zu tun hat. Oder doch, wenn es darum geht, ob er bei mir bleiben soll. Wahrscheinlich will er sich damit noch mal absichern, um sich dann einreden zu können, auch alles versucht zu haben bei mir, so dass er beruhigten Gewissens verschwinden kann. Irgendwann.
Ich zucke mit den Schultern.
"Wieso nicht? Ist ja nicht so, als würde mir die Zeit davonlaufen. Niemand wartet darauf, dass hier wieder Leben rein kommt und wenn es so geblieben ist, wie ich es mir wünsche, weiß nicht mal jemand, dass ich hier wohne. Keiner wird es bemerken, bis die Veränderungen geschehen, aber selbst dann setzt mich nichts unter Druck. Mit dem Virus sind alle möglichen Verpflichtungen verschwunden, hast du das nicht erst selbst als positiv empfunden? Außerdem, traust du mir das etwa nicht zu? Weil ich eine Frau bin, die das ohne einen muskulösen starken Kerl nicht auf die Reihe kriegt?"
Ich schaue ihn erwartungsvoll an. Na auf die Antworten bin ich ja mal gespannt. Egal wie sehr ich mir vornehme, umsichtig mit ihm zu sein, weil er verletzt ist und nicht ganz bei Sinnen, es klappt nie lange genug, weil Luca es immer aufs Neue schafft, mich zum Kontern zu bringen. Dabei hat er auf gewisse Weise schon recht. Eine Bar zu leiten, sie umzurüsten und wieder auf Vordermann zu bringen ist eine Sache, Gäste zu versorgen, zu beaufsichtigen, an der Bar zu stehen und das alles kann ich dagegen nicht gleichzeitig machen. Irgendwann werde ich mich auf jemanden verlassen müssen. Nur daran möchte ich jetzt noch gar nicht denken, das liegt noch so weit in der Zukunft, dass ich mich erst um andere Dinge kümmern will. Zudem redet er doch dauernd vom Weggehen, die schmeißt mich raus hier, du willst mich loswerden da. Weshalb kümmert ihn das also so, wie ich zurechtkomme? Ich finde dafür einfach keine logische Erklärung und die, die mein logischer Verstand mir bietet, bringt mich durcheinander.
Als ich mich als Freak bezeichne, kann Luca das nicht so stehen lassen. Ist es etwa so verwerflich, ein bisschen anders zu sein, nicht mit dem Strom zu schwimmen, anders zu sein...Ich lege den Kopf schief. Für mich ist das schon lange keine Beleidigung mehr. Womöglich eine normale Tatsache.
"Warum? Weil das nicht deinem Ideal entspricht? Ich komme damit klar und es ist nun mal so. Ich mache mir nicht jeden Morgen stundenlang die Haare, stehe nicht ewig vor meinem Schrank und setze mich auf die Straße, um mit meinen Freundinnen über süße Jungs zu reden. Bücher find ich spannender, das war früher genauso. Wenn andere eine Party gefeiert haben, hab ich zu Hause gelesen, gelernt oder trainiert. Komm damit klar oder bastel dir in deinem Traum etwas anderes zurecht. Aber das bin dann nicht ich", geht es weiter. Mir mangelt es an Erfahrung was Konversationen angeht, die nicht mit Autoritätspersonen zu tun haben, ich habe Respekt vor meinen Mitmenschen, würde nie von mir aus auf jemanden losgehen oder ihm etwas an den Kopf werfen. Doch ein bisschen fühle ich mich, als hätte man mich aus einem Dschungel geholt, in dem ich aufgewachsen bin, zu lange von der Zivilisation getrennt, um die ganzen Gepflogenheiten noch drauf zu haben, so dass ich nun vieles erst lernen muss. Was nicht ganz stimmt, theoretisch weiß ich, wie es geht, nur in der Praxis sieht es noch mal anders aus. Vor allem bei einem Menschen der männlichen Spezies. Der sich dann noch so widersprüchlich verhält wie Luca, der einmal im Wahn scheint, danach nett und lieb, im nächten Augenblick sarkastisch und verbittert. Mir gelingt es nicht zu unterscheiden, was er nur spielt und was nicht. Meine Menschenkenntnis hält sich diesbezüglich in Grenzen.
Das mit dem Mitleid überspielt er natürlich sofort. Und ich will meinen Finger nicht auf die Wunde legen, indem ich ihm das auch noch vor die Füße knalle. Mir persönlich macht es so wenig aus, dass er Ohren hat, die nicht ganz so gut funktionieren, dass ich es die meistes Zeit sogar vergesse. Es macht ihn für mich nicht zu einer anderen Person, nur bei der Gesellschaft an sich sieht es anders aus. Tut mir leid, dass du nicht richtig hören kannst. Muss schlimm sein, oder? Kannst du dann überhaupt dies und das und jenes machen?! Dann die Blicke. Luca kann mir nicht weismachen, dass er das nie erlebt hat. Nicht, wo doch seine Hörgeräte so offensichtlich sind, wenn man darauf achtet. In meinem Hochhaus in Japan hat ein paar Stockwerke unter uns auch eine Familie gewohnt, die eine kleine Tochter hatte. Ich mochte sie, denn sie haben einen immer nett begrüßt, wenn man ihnen im Aufzug begegnet ist oder allgemein. Und das kleine Mädchen war niedlich. Es hat mich immer mit seinen großen braunen Augen angeschaut, auf meinen Kopf gezeigt und ihre Mama fragend angesehen. Ich wusste, was sie sagen wollte, dabei verließ kein Ton je ihren Mund, denn ihre Stimmbänder waren irgendwie so beschädigt, dass sie seit ihrer Geburt stumm gewesen ist. Es wäre ein Schock gewesen damals, als das Baby bei der Geburt zwar seine Lippen beim Weinen zu einem Schrei geöffnet hat, der Saal allerdings still geblieben ist. Durch eine Operation hätte man es eventuell beheben können, das Risiko war den Eltern hingegen zu groß. Ich konnte das nachvollziehen, meine Mutter hatte mir mal, als ich sie nach den Nebenwirkungen von so einem Eingriff gefragt habe, einiges erzählt, das mich auch abgeschreckt hätte und ein stummes Kind war Millionen Mal besser als ein totes. Nur das, was den jungen Eltern oft entgegenschlug, brachte vor allem die Mutter nicht selten zum Weinen.
"Wieso können sie May-tin nicht so nehmen, wie sie ist? Sie ist fröhlich, neugierig, kreativ und wild, so wie alle Kinder. Alle beziehen sich aber immer nur darauf, dass sie nichts sagt und wie schlimm das doch sein müsste. Als ob man nur dann ein schönes Leben haben und ein guter Mensch sein kann, wenn man perfekt ist...!", sagte sie einmal zu mir mit Tränen in den Augen. Ich wusste nicht, was zu tun war, darum meinte ich bloß, dass sie recht hätte. Ich erzählte ihr davon, dass ihre Tochter mir demletzt ein gemaltes Bild von sich gezeigt hätte und wie sehr mir das gefallen hätte. Und dass sie sich nicht unterkriegen lassen soll, zusammen mit einem dahingereichten Taschentuch. Mehr konnte ich nicht machen, dazu fühlte ich mich nicht imstande. Aber ich hatte es geschafft, ihr ein Lächeln abzuringen...
Nun sehe ich in Lucas Augen.
"Ich weiß nicht. Wenn du keins kriegst, umso besser", sage ich dahin. Damit ist das für mich erledigt. Für ihn nicht, denn er verteidigt sich wie ein Kind, weiterhin. Was hat er nur ständig mit Jona? Das mit den Krücken ist doch lediglich eine nette Geste, nun ist er weg. Er hat die Bar verlassen, nur Luca tut so, als würde der blonde Junge noch immer hier irgendwo stehen und ihm unter die Nase reiben, wie wenig er ohne die Gehhilfen zurechtkommen wird. Vielleicht tut er das in Lucas Gedanken...
"Hätte ich die Krücken irgendwo gefunden, hättest du sie also genommen? Es geht dir dabei nur drum, dass es Jona war? Und das nennst du nicht stur? Nur nicht!", gebe ich zurück, ehe mich auch ein Giftpfeil in Wortform trifft. Nur weil ich nicht jedem sofort auf den Tisch serviere, dass ich meinen Bruder verloren habe, weil die Art, wie es geschehen ist, nicht schön war, selbst wenn er noch lebt, heißt das nicht, dass ich mich als Einzelkind ansehe, mir keine Sorgen mache. Ich denke an die vielen Tagebücher, die ich mit Briefen an Paris vollgeschrieben habe. Ich verschränke die Arme vor meiner Brust, der Blick, der Luca nun entgegenfliegt, ist todernst. Eine einzelne Träne stiehlt sich trotzdem über meine Wange. Ach Paris...
"Ich hab mit keinem Wort behauptet, dass du dir keine Sorgen machst. Nur dass ich echt keinen Plan habe, wer du bist. Das hast du doch selbst gesagt, was willst du also, du verdammter Idiot?! Derjenige von uns beiden, der am wenigsten was auf dem Kasten hat, bist du, ja? Glaubst du echt, alle, die ihre Zeit nicht damit verbringen, jemandem ständig vorzuheulen, wie schuldig sie sich doch fühlen, haben niemanden verloren und keinen, den sie vermissen? Falls du es wissen willst, ich habe einen Bruder. Und ich liebe ihn, mehr als alle anderen Menschen auf dieser bescheuerten Welt! Und eigentlich müsste ich dir eine verpassen, wäre ich nun so eine Dramaqueen, aber nein, das bin ich nicht! Was deine Familie angeht, zieh los, find sie. Und lass mich doch endlich allein, in Ruhe mit deinen ganzen Vorwürfen und komischen Worten und Taten!", platzt es nur so hervor wie aus einer kaputt geschlagegen Pinata. Aus welchem Grund hat er mich geküsst, mir dieses Erlebnis geraubt?! Was fällt ihm ein, so über mich zu urteilen, obwohl er keinerlei Ahnung hat? Dann ist er einfach ohnmächtig. Und ich weiß nicht, was ich machen soll, weil die letzten Worte, die er gehört hat, sollte sein Hörgerät es zugelassen haben, meine verdammten Anschuldigungen gewesen sind. Ich bin ausfallend geworden, das werde ich sonst nie...Und wie ich so auf ihm liege, seinem Herzen zuhöre und Tränen aus meinen Augen brechen wie Sturzbäche - sehr romantisch - wird die Atmung plötzlich immer flacher, die Hand, die ich halte kühlt ab und dann hustet er, ich schaue zu ihm, er blick zu mir, dann zu seinem Arm, aber ich schaue weiter zu ihm. Dann geht er wieder und ich probiere es noch mal mit leichten Schlägen auf die Wangen, lege mein Ohr auf seine Bust über sein Herz und ich höre keinen Herzschlag mehr. Meine Augen weiten sich. Nein, halt, stopp, das darf nicht sein.
Verlass mich nicht, verlass deine Schwester nicht und es tut mir leid und komm zurück, bitte!!!, rattert es durch mein Hirn, während ich mich aufrichte, die Atmung und den Herzschlag nochmal kontrolliere. Und als da nichts ist, reagiere ich im Affekt. So wie ich es gelesen und gelernt und nie zuvor selbst gemacht habe. Ich bringe Luca in Position, übe dann Druck auf seinen Brustkorb aus, um sein Herz wieder auf Trapp zu bringen. Dann atme ich tief ein, kurz bevor ich meine Lippen auf seine presse, die Nase dabei zuhalte und das ganze nochmal von vorn. Das ist kein Kuss, ist es nicht und selbst wenn, ist es egal, weil nur zählt, dass er wieder aufwacht und lebt. Ich wiederhole die Prozedur, keine Ahnung wie lange. Ich weiß nicht, ob ich die Sekunden gut genug zähle oder ob ich was überschlage. Da ist nichts mehr in meinem Kopf.
So viele Menschen sind am Virus gestorben, ich habe dem Tod oft genug ins Auge geblickt. Jetzt will ich das allerdings nicht zulassen. Und als ich nach einer Ewigkeit prüfe, ob sich etwas tut, höre ich es, das leichte Pochen und sehe, wie sich seine Augen öffnen, sich wirr verdrehen, aber sie sind offen, bringen die Pupillen in die richtige Position und dann sieht er mich an und hustet. Er hustet und es ist das schönste Geräusch überhaupt gerade, weil er lebt und das eben nicht mehr getan hat.
"Du bist so ein Idiot", fauche ich unter Tränen und schließe meine Arme um diesen Kerl, der mein Herz berührt und nun gleich hoffentlich nicht wieder das Bewusstsein verliert, denn noch mal würde ich das alles nicht packen.
"Aber ich bin froh, dass du wieder unter den Lebenden weilst...", füge ich an und lasse den Tränen dann freien Lauf.

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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Fr 31 Jul - 20:56

Sie setzt nichts unter Druck? Na das ist mir auch klar. Es sei denn sie verteilt schon heimlich Flyer in der Stadt und plant eine große Eröffnungsparty aber das kann ich mir eher nicht vorstellen. „Ich dachte auch eher an die Zeit nach der Eröffnung. Ist mir klar, dass du keinen genauen Eröffnungstermin in der Stadt bekanntgegeben hast und alle Menschen jetzt daraufhin fiebern. Ein bisschen Hilfe ist doch nie verkehrt. Und es hat nichts mit dieser Männlich-/ Weiblich-Kiste zu tun auf die du gerade anspielst. Nur weil du mich für einen totalen Macho hältst, muss ich noch lange keiner sein. Denk mal drüber nach, denn ich bin kein Stück frauenfeindlich.“
Dass ich sie nicht als Freak betrachte, findet sie wohl ziemlich daneben. Anders kann ich mir ihre Reaktion nicht erklären. Meinem Ideal? Was redet sie jetzt wieder für Quatsch zusammen? Also, das Bild, was Alaska von mir im Kopf hat, möchte ich gerne mal sehen. Das scheint jedenfalls nicht viel mit mir zu tun zu haben. Wenn sie glaubt, ich wäre so ein Mainstream-Typ, der immer alles wie seine Freunde macht und immer alle coolen Partys besucht, um später besoffen in seinem eigenen Erbrochenen einzuschlafen, dann irrt sie sich gewaltig.
„Ich kann dich beruhigen. Ich stehe auch nicht ewig vorm Spiegel und für süße Jungs habe ich mich noch nie interessiert.“ meine ich lachend um sie aufzuziehen. „Ich muss mir keinen Traum von dir basteln weil ich wirkliches Interesse daran habe hinter die Fassade zu blicken.“ sage ich schmunzelnd. Und das sage ich nicht nur so. Ich bin zwar über einige Dinge, die Alaska von sich gibt, verwirrt, weil ich bisher kein vergleichbares Mädchen kennen gelernt habe. Gut, ich muss zugeben, auf Bücherwürmer habe ich zu Schulzeiten nicht wirklich gestanden, vielleicht auch weil ich mich nicht wirklich für Schule interessiert habe. Ich habe meine Zeit lieber im Theater verbracht. Die Musik ist meine Welt. Dort bin ich Zuhause. Aber als Noah gestorben war und Leah das Tanzen aufgegeben hatte, verbrachte ich immer weniger Zeit dort. Ich fühlte mich auch dort nicht mehr wohl. Und dann brach das Virus aus. Es war vorbei mit der Normalität für ein und alle Male.
„Und was bitteschön soll daran verkehrt sein, dass du lieber liest und lernst anstatt Party zu machen?“ frage ich interessehalber. Sie muss mich wirklich für den oberflächlichsten Ignoranten auf der Welt halten, sowie sie redet. „Meine Schwester hat auch lieber gelesen. Ist sie für dich deswegen auch ein Freak?  Wenn du wen als Freak bezeichnen willst, dann mich. Meinetwegen auch wegen denen hier.“ Ich deute auf mein Ohr. „Aber nicht dich oder meine Schwester. Ihr scheint so viel gemeinsam zu haben. Sie las auch sehr gerne und lernen war ihr sehr wichtig, obwohl sie mich nicht davon überzeugen konnte wieder zur Schule zu gehen. Kurz vorm Ausbruch des Virus hat sie sogar eine für sie komplett neue Sprache gelernt. Ich muss aber gestehen, dass ich die Gebärdensprache schneller gelernt habe als sie.“ Ich muss grinsen.  „Obwohl ich ein fauler Sack bin, dass gebe ich offen zu, bin ich ja deswegen nicht blöd.“ Den letzten Satz unterlege ich zusätzlich mit Gebärdenzeichen, auch wenn ich weiß, dass sie nichts davon versteht. „Und übrigens verurteile ich Menschen nicht wegen ihren Interessen. Schule war halt nie mein Ding und auf lesen stehe ich auch nicht aber deswegen müssen es andere Menschen ja nicht genauso sehen.“ erkläre ich ihr. „Du musst mich ja für einen totalen Partyhengst halten. Aber diese Illusion schlag dir mal wieder aus deinem Kopf, denn das wiederrum hat nichts mit mir zu tun. Ich wurde zwar zu den Partys meiner Kumpels eingeladen aber hingegangen bin ich nie. Du wirst es vielleicht nicht glauben aber ich bin lieber mit meinem besten Kumpel ins Theater gegangen. Er war Pianist, ein ziemlich guter sogar, würde ich jetzt behaupten, auch wenn ich mich da nicht so auskenne. Ich war bei jedem seiner Auftritte. Ich habe nie einen anderen 13-jahrigen mit einem vergleichbaren Talent kennen gelernt und auch nie einen größeren Beethoven-Fan als ihn.“ Es tut gut mit Alaska über Noah zu reden, obwohl ich gar nicht vorhatte sie so tief in meine Privatsphäre eindringen zu lassen. Anders als bei Leah hab ich mich mit Noahs Tod irgendwie abgefunden, auch wenn es makaber klingen mag. Ferner sind die Abschiede von beiden vergleichbar. Noah wurde so schnell aus dem Leben gerissen, dass ich gar keine Zeit hatte darüber nachzudenken, wie ein Leben ohne ihn aussehen würde. Und Leah? Tja, ich habe mich kurz von ihr verabschiedet aber sie hat mich nicht angesehen oder eher nicht ansehen können, also kann ich mir sicher sein, dass sie es nicht mitbekommen hat.
„Er hat es sogar geschafft  meiner Schwester das Klavier spielen beizubringen. Kannst du dir das vorstellen? Sie hört nichts von dem was sie spielt, spielt aber besser als die meisten Hörenden.“ Ich glaube, ich gerate ein bisschen ins Schwärmen als ich Alaska von Leahs musikalischem Talent erzähle. Und zum ersten Mal tut es auch gar nicht weh, über Leah zu sprechen. Sonst hatte ich immer ein unangenehmes Gefühl in der Magengrube aber jetzt nicht. Seltsam. „Bis zum Schluss haben wir diese Liebe für die Musik geteilt. Noah und ich. Und natürlich Leah." füge ich trübsinniger hinzu als es klingen sollte. Egal wo du jetzt auch stecken solltest Noah, ich hoffe so sehr, dass du keine Schmerzen und kein Leid mehr ertragen musst und glücklich Klavier spielen kannst. Bis in alle Ewigkeit.
Die Sache mit dem Mitleid und das ich meine, dass ich keines kriegen würde, obwohl das schlicht weg, gelogen ist, nimmt sie einfach so hin. Ich bin ihr dankbar sehr sogar, dass sie offensichtlich kein Problem mit meiner Einschränkung hat. Ja, sie scheint es sogar zwischendurch zu vergessen sonst würde sie nicht versuchen flüsternder oder murmelnder Weise mit mir zu reden, was mich wiederrum leider nervt, da ich dadurch ständig nachfragen muss, was sie sagt.
„Es geht mir nicht um diesen Typen. Der ist mir vollkommen egal.“ Das nenne ich nicht stur? Will sie mich verhöhnen? „Ja mein Gott, vielleicht bin ich ein wenig stur, kann ja sein.“ gestehe ich ein wenig genervt.
Als ich genervt meine, dass sie wohl ein Einzelkind zu sein scheint, bemerke ich wie sie wütend wird und zwar richtig. Ich scheine einen richtig wunden Punkt erwischt zu haben und mein Messer stößt wohl vor bis tief in ihr Innerstes, das jedoch war gar nicht meine Absicht.
„Erstens ich jammere nicht jedem etwas vor. Ich weiß ja selbst nicht, warum ich dir das alles erzählt habe. Ich merke doch dass es dich kein Stück interessiert und du sagst ja selbst, dass du nicht besonders viel Empathie besitzt.“ Sie hat also einen Bruder? Endlich offenbart sie mal ein Detail von sich. Ob er genauso wie sie ist? Ich lasse es aber auf sich beruhen. Ich merke, wie nah ihr das Ganze geht und da möchte ich sie nicht noch über ihre Familienverhältnisse ausfragen. „Zweitens es tut mir wirklich leid. Ich wollte dir nicht zu nahe treten. Und bevor du wieder von Wissenschaftlern redest. Ich meine es vollkommen ernst.“ meine ich schuldbewusst. So oft in so kurzer Zeit habe ich mich noch nie bei einem eigentlich fremden Menschen entschuldigt. Alaska bringt ganz neue Seiten an mir hervor.

Ich öffne sehr langsam meine Augen. Meine Augen irren zunächst ziellos im Raum umher bis sich auf einen Punkt fixieren können. Ich huste wie verrückt als ich aufwache. Ein Gefühl als hätte ich einige Minuten keine Luft bekommen. Schrecklich. Als das Husten nachlässt, schaue ich Alaska an. Tränen liegen in ihrem Gesicht. Idiot? Was habe ich nun schon wieder gesagt oder getan?  Ich sehe sie verwirrt an. Dann fällt sie mir in die Arme. Ihre Tränen fließen jetzt wie kleine Wasserfälle ihre Wangen herab. Ihr ganzer Körper bebt. Sie meint, dass es schön wäre, dass ich wieder unter den Lebenden weilen würde. Was? Ich verstehe nicht, was das bedeuten soll. Ich bleibe zunächst regungslos liegen, habe aber trotzdem das Gefühl, dass ich irgendetwas tun sollte, also tätschle ich ihr leicht den Rücken mit meiner rechten Hand.
Als sie die Umarmung löst, weil mich eine erneute Hustenattacke plagt, will ich doch wissen was sie meint mit „unter Lebenden weilen“.
Ich sehe sie an und bleibe zunächst weiterhin flach auf dem Rücken liegen. Ich bin müde und total erschöpft. „Kannst du mir mal ne Hand reichen?“ frage ich. Meine Stimme klingt wieder ganz schwach und kratzig. Ich richte mich mit ihrer Hilfe in eine sitzende Position auf aber um nicht gleich wieder umzufallen, lehne ich mich mit dem Rücken gegen die Theke. In meinem Kopf dreht sich alles. Ich stütze die Hände neben mir auf dem Boden auf. Ich zittere immer noch. „Ich glaube, ich muss auf dem Boden schlafen. Ich bin so fertig. War doch eine blöde Idee hier rauszugehen. Ich hatte eigentlich vor die Bar zu verlassen aber ich bin grad mal bis zu dem Tisch dort gekommen.“ Ich deute auf einen der umliegenden Tische und wische mir dann mit der gleichen Hand über mein Gesicht.  „Ich hätte auf euch beide hören sollen. Ich bin so ein Idiot. Du hattest die ganze Zeit recht, ich bin total störrisch und will immer nur meinen Willen durchsetzen.“ Ich blicke kurz in den Raum hinter Alaska und suche mit meinem Blick die Krücken. Sie liegen fast in der Mitte des Raumes gegen ein Stuhlbein gelehnt. Dann sehe ich Alaska wieder ins Gesicht. „Vielleicht hast du auch in Bezug auf Jona Recht. Ich werde die Teile wohl doch brauchen aber im Moment bleibe ich glaube ich lieber hier sitzen. Ich werde wohl nicht die Kraft haben um jetzt grad aufzustehen. Könntest du mir ein Glas Wasser oder sowas organisieren?“ Ich blicke auf die verstreuten Nudeln um uns herum. „Sag mal hast du zufällig auch was zu essen für mich?“ Ich sehe sie wieder an. „Ich hätte schon irgendwie Hunger nach der ganzen Aufregung hier, von der ich nix mitgekriegt zu haben scheine.“
Dann fällt mir noch ein, was ich sie noch fragen wollte, bezüglich dessen, was sie gerade zu mir beim Aufwachen gesagt hat. „Wie meinst du das mit unter den Lebenden weilen? War ich schon wieder ohnmächtig?“ Ich muss verwirrt aussehen. Ich kann mich einfach nicht daran erinnern was seit dem Kuss passiert ist. Apropos der Kuss.
„Sag mal, als dich geküsst habe, dachte ich wirklich du knallst mir eine oder stößt mich von dir. Hast es aber nicht gemacht. Hast du drüber nachgedacht? Sei ehrlich.“ Sie verwirrt mich noch mehr. Die ganze Zeit zickt sie mich an und dann lässt sie sich ohne weiteres von mir küssen. Ich meine, klar ich freu mich sehr darüber, das Mädchen, welches ich, sehr mag, küssen zu können aber das war doch ein bisschen zu einfach.

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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Mo 3 Aug - 1:32

In diesem Augenblick muss ich Luca wohl echt verdutzt ansehen. Er denkt trotz allem so weit, dass er sich darum sorgt, wie es mit meiner Organisation der Bar nach ihrer Wiedereröffnung aussieht? Mit dem Gedanken darum habe ich selbst auch bereits gespielt, da ich die Bar jedoch zu einem Ort werden lassen möchte, an dem sich jeder wohlfühlt und eine entspannte schöne Zeit verbringen kann, habe ich wohl darauf plädiert, dass sich Freiwillige finden lassen würden, die für eine gute Gegenleistung dazu bereit sind, hier mitzuhelfen. Ich biete ihnen meine Bühne an, auf der sie auftreten können, mit was sie möchten und so zu Ruhm und Bekanntheit gelangen können und dafür tun sie dann mir einen Gefallen. So wie ich mir das nun vor Augen halte, klingt das ziemlich blauäugig. Und die richtige Augenfarbe habe ich zwar - haha - nur weiß ich genau, dass man sich auf keinen hunderprozentig verlassen kann. Mindestens einer, der die Chance dazu bekommt, würde etwas mitgehen lassen, bis ich ruckzuck vor dem Ruin stehen würde. Super kombiniert.
Skeptisch schaue ich Luca an.
"Damit ich das richtig verstehe, nachdem du mir ungefähr hundert Mal an den Kopf geknallt hast, ich würde dich loswerden wollen wie eine lästige Fliege und dich direkt wenn ich kann aus der Bar setzen, spielst du nun den fürsorglichen jungen Mann von nebenan, der sich zufälligerweise anbieten würde, um genau diese Aufgabe mir nach Renovierung der nötigen Dinge zur Seite zu stehen und mir zu helfen? Sorry, aber du musst zugeben, dass das echt leicht schräg ist", erwidere ich. Sonst heißt es immer, Frauen wüssten nicht, was sie wollen. Dieses Gen scheint Luca allerdings ebenso in sich zu tragen. Vielleicht ist das so bei Leuten, die einen weiblichen Zwilling haben...Über den Einfall muss ich grinsen. Diese Worte bleiben jedoch in meinem Kopf, denn wie sehr es verletzt, macht jemand Witze über einen geliebten Menschen, den man verloren hat, kann ich mir denken und das will ich nicht.
Als er auf die Sache mit den Rollenbildern zu sprechen kommt, zucke ich mit den Schultern.
"In Ordnung, du bist nicht klischeebelastet. Da fällt mir nur ein, darauf hinzuweisen, dass ich eben nicht weinen durfte, weil ich eine hübsche Frau bin in deinen Augen. Hättest du auf einen Typen dann genauso reagiert? So besorgt? Und das hat nun nichts damit zu tun, ob du auf Männer stehst oder nicht. Denk du also mal lieber darüber nach", füge ich mit einem belustigten Augenzwinkern hinzu, um die Stimmung in eine andere Richtung zu lenken. Die sie ohnehin annimmt, als es darum geht, was mich anders als die meisten anderen in meinem Alter macht oder das zumindest früher gemacht hat. Sie spürten es, ich wusste es, da blieb kein Zweifel. Luca bringt mich dann dazu, in sein Lachen einzustimmen, als er sagt, diese typischen Sachen auch nicht zu tun. Ganz nehme ich ihm das was er von sich gibt hingegen nicht ab, zumindest nicht zwischen den Zeilen. Wie ein schüchterner Zeitgenosse, der sich nicht traut, ein Mädchen anzusprechen und es stattdessen nur von Weitem beobachtet, bis es eines Tages zu spät ist und jemand anderes die Initiative ergriffen hat. Was allein der Satz darüber beweist, dass...Luca sich kein Ideal von mir kreieren muss. Er hegt also ehrliches Interesse?
"Wieso?", kommentiere ich bloß, denn es ist weiterhin nicht nachvollziehbar für mich, was Luca an mir finden könnte. Seit er hier ist, haben wir uns nur gezankt oder er war außerhalb seines Bewusstseins. Dazu mag ich meine Fassade, die eigentlich gar keine ist, da ich bis auf meine Geheimnisse zu verbergen - wer tut das bitte nicht?! - meistens ich selbst bin, ohne mich zu verstellen, was mein Gegenüber schon mitgeschnitten haben müsste. Und was hinter meinen Mauern steckt, geht Luca gar nichts an, ob es ihm passt oder nicht.
"Da gibt es keine Fassade, ich bin nicht wie ein Haus, wobei, meine einzige Fassade ist wohl wie erwähnt mein Aussehen, das sich von meinem Charakter sehr unterscheidet in meinem Empfinden. Spar dir also deine Mühen. Denn dass ich hier nicht vorgeben muss, anders zu sein als ich bin, ist mir klar. Wen würde das auch interessieren, ob ich mich nun inszeniere oder nicht?"
Früher hat es interessiert. Als du beim Tanzen in verschiedene Rollen geschlüpft bist. Mal bist du ein Schwan gewesen, ein leichtfüßiges Reh, dann wieder ein schwerfälliger Baum, der es niemals schaffte, den Himmel zu erreichen, murmelt meine innere Stimme. Was sie sagt, gilt dagegen nicht, denn im Tanz war ich sowohl ich selbst als auch eine Figur in einem Stück, bei dem klargestellt war, dass ich eine Rolle innehatte. Nur ich selbst wusste und weiß, wie viel wirklich von mir ist.
Schließlich offeriert Luca mir, wie wenig mich meine Hobbies denn von normalen Menschen unterschieden hätten. Er kann nicht nachfühlen, wie ich gelebt habe. Und dann vergleicht er mich noch mit seiner Schwester, fängt von sich aus an, über sie zu reden. Ich mag das nicht, so mit wem gleichgestellt zu werden, hat die Person für den, der es tut auch eine starke Bedeutung. Nur bin ich ich selbst und...sich wenigstens einzureden, dass man für sich besonders ist, etwas an sich hat, das nur einen selbst ausmacht, wird nichtig, wenn es von der Konfrontation damit, dass man eben nur einer von vielen ist und es an jeder Ecke jemanden gibt, der alles was man kann ebenso wenn nicht gar besser auf die Reihe kriegt, beiseite geschoben wird. Dass ich Luca innerlich ebenfalls teilweise mit Paris verglichen habe, verdränge ich.
"Es schließt dich aus. Sorgt dafür, dass du für arrogant gehalten wirst. Und ich denke nicht, dass sich deine Schwester mit Medizinbüchern gefüttert hat. Denn das war meine Hauptlektüre. Ich wusste nicht, welche Filme im Kino angesagt waren oder welche Musik gerade in den Charts lief, bekam ich es nicht zufällig mit. Wie ein Tumor entstand, woran man ihn erkannte und so ein Zeugs konnte ich dir anstelle dessen im Schlaf herunterbeten. Ein beliebtes Gesprächsthema war das bei den Leuten in meinem Alter aber nicht. Mehr ein Auslöser, um angeschaut zu werden wie als wäre ich irgendwo entflohen. Und bitte..hör auf, mich mit deiner Schwester ähnlich zu sehen. Womöglich fändest du es schön, sie in mir wieder zu finden, weil sie so ein Stück weiterleben könnte. Doch ich bin nicht sie, werde es nie sein...und falls es das ist, weswegen du mich näher kennen lernen möchtest, werde ich deine Vorstellung hier leider beenden müssen." Ich schlucke. Es wäre so logisch, so leicht und enttäuschend zugleich, würde Luca seine Neugier für mich deshalb hegen. Ich mag, wie er seine Hände bewegt, als er Gebärden zu seinen Worten macht. Doch etwas sauer bin ich irgendwo auch. Zu viele Emotionen auf einmal sind da in mir, eindeutig. Mit festem Blick betrachte ich den jungen Mann weiter.
"Und warum solltst du ein Freak sein, wenn du kleine Geräte hast, die dich lediglich unterstützen? Wer sich über sowas lustig macht, ist genauso doof wie wer, der drüber lacht, wenn jemand eine Brille trägt, die im Grunde nichts anderes macht: Einen Sinn, der geschwächt ist wieder etwas bestärken."
Erneut überrascht Luca mich damit, als er meint, nie auf Feiern gegangen zu sein, weil ihn Theater mehr interessiert hätte. Für einen kulturell sehr geprägten Menschen hätte ich ihn tatsächlich nicht gehalten. Dafür verströmte er zu sehr dieses Klassenclown-Image. Einen zweiten Blick ist allerdings jeder wert.
"Ich halte dich für niemanden, dass ich dich nicht kenne schließt ein, dass ich mir auch kein festgelegtes Bild von dir gemacht habe. Ich kann nur sagen, wie die anderen waren und ich nicht. Was deinen Freund betrifft, er scheint ein toller Mensch gewesen zu sein. Es ist schön, sich an so jemanden erinnern zu können. Nachdem andere Personen in deinem Umfeld auf deiner Sympathieskala eher nicht die Höchstpunktzahl erreicht haben. Auch dass er sich gut mit Leah verstanden hat, ist ein Geschenk. Was ist aus Noah geworden nach dem Virus?"
Außer Paris hatte ich niemals wen, an den ich mich so hätte erinnern können. Freundschaften aus Kindergarten und Grundschule sind verblasst. Nicht durch neue ersetzt worden. Als taube Person ein Instrument zu spielen, stelle ich mir komisch vor, eben weil man außer Vibrationen nicht empfindet, was man tut. Man kann es sich nur ausmalen. Doch die Töne werden, hat man sie nie im Leben gehört, niemals die eigene Seele berühren, das Herz, etwas verändern.
Im Folgenden schlagen wir beide wieder härtere Kaliber auf. Luca bestreitet, sich wegen Jona zu weigern, die Krücken zu nehmen, revidiert das im nächsten Atemzug dann doch, indem er sich eingesteht..etwas starrsinnig zu sein. Sehr genervt, aber das stört mich nicht. Seine Launen bin ich mittlerweile gewohnt. Nur nicht die Gefühle, die in mir dadurch hervorkommen oder die Handlungen.
"Gut, dann wäre das ja vom Tisch."
Dann geht es um Paris, darum dass Luca nicht weiß, dass es ihn gibt und mich für ein Einzelkind hält. Ist das sein Ernst, sich in Aufzählungen zu entschuldigen und erklären?! Meine Augen funkeln verärgert. Was erwartet er von mir? Ich will nicht viel von den Menschen erfahren, weil sie mir sonst zu nahe kommen können. Weshalb macht Luca mir zum Vorwurf, dass ich ihn nicht ausfrage? Ihn nicht durchlöchere und in Wunden wühle?
"Tue ich nicht, das stimmt. Und du bist mir nicht egal. Aber deinet selbst Willen, nicht meinetwegen. Was verlangst du, dass ich dich nach zwei Tagen Diskussion ins Herz geschlossen habe und mich verändere, nur weil du es gerne hättest? Und du wolltest mir also nicht zu nahe treten, ja? Dann knipse deinen Kopf demnächst an, bevor du etwas behauptest, das wehtut. Oder schweig am besten."
Zu allem Überfluss fällt er dann wirklich in Ohnmacht. So buchstäblich sollte er es doch gar nicht nehmen!!! Dann kommt noch der Aussetzer seines Körpers hinzu und als es vorbei ist, er wieder atmet und ich meine Arme heulend um ihn gelegt habe, um ihm festzuhalten, fällt es mir schwer zu glauben, dass er wahrhaftig sekundenlang weg gewesen ist. In der Zwischenwelt oder was auch immer kommen mag, wenn man stirbt. Trotzdem ist es mir geglückt, ihn noch zurückzuziehen, ehe er den Abgrund übertritt.
Was immer dort am Rand passier sein mag, es hat Luca nochmal umgekrempelt. Als wäre alles vorher nicht geschehen, redet er wirr und klar zugleich. Er ist augenblicklich...noch freundlicher, noch mehr nicht der Kerl, der hier damals in die Bar spaziert ist. Und vielleicht ist das so bei Personen, die dem Tod ins Auge geschaut haben. Möglicherweise wartet kein Licht auf einen, sondern etwas Grausames, das einen beim Zurückweichen davor dazu bewegt, ab nun an alles zu vermeiden, was einen erneut an diesen Ort bringen könnte....
Ich tue mechanisch alles, was Luca von mir verlangt. Lausche seinem Gerede, gebe ihm etwas zu Trinken, öffne eine zweite Dose von Jona und halte sie Luca mit einer Gabel darin hin. Dazu imstande selbst etwas zu sagen, bin ich nicht. Bis Luca nachhakt. Meine Augen treffen seine. Soll ich...?
"Du warst weg da eben", schluchze ich fast, aber laut genug, als dass er es hören können müsste.
"Du bist...dein Herz hat nicht mehr geschlagen und...ich weiß nicht. Es ging so schnell...Und ich kann jetzt echt nicht über den Kuss reden. Dabei war es mein erster überhaupt...wie kannst du denn jetzt an sowas denken?! Wie..."
Ich bin außer mir. Sitze wieder vor Luca und habe meinen Stolz irgendwo in eine Ecke verschoben.

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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Sa 8 Aug - 17:10

Ihrem Blick nach zu urteilen scheint sie meinen Worten nicht wahrhaftig zu glauben. Dass ich so unglaubwürdig daherrede, ist mir wohl bisher nicht aufgefallen oder sie glaubt mir wirklich nicht. Ihr Blick zeugt eindeutig von Skepsis.
„Tja mag vielleicht schräg klingen aber so bin ich nun mal.“ entgegne ich schmunzelnd. „Und ich meine mein Angebot ernst.“ füge ich etwas ernster hinzu. „Es sei denn, du willst meine Hilfe nicht, dass wäre dann was anderes. Aber wenn du mich hier wohnen lässt, könnte ich dir doch helfen. Eine Hand wäscht die andere und so weiter. Verstehste?“ Sie traut mir nicht. Vielleicht befürchtet sie ja, dass wenn sie sich auf mich einlässt, ich doch irgendwann auf und davon bin. So genau kann ich das aber nicht schlussfolgern. Eins steht nur fest, die Bar kann sie nicht ganz allein managen, so wie sie sich das vorstellt und wenn sie noch so verbissen ist.
Ob ich bei einem Typen auch so reagiert hätte? Ob ich auf Männer steht oder…? Sie hält mich doch nicht für…? „Ähm…nein…bei einem Kerl hätte ich nicht so reagiert. Und ich bin hundertprozentig nicht schwul, damit wir das mal geklärt hätten.“ Wie kann sie sowas nur denken? Ich baggere sie die ganze Zeit an und sie hält mich wirklich für schwul. Jetzt bin ich echt erschüttert.
Noch mehr verwirrt mich allerdings ihre nächste Frage, als ich meine, ich würde gerne hinter ihre Fassade sehen. „Was wieso? Du willst ne Begründung warum ich dich mag?“ Ich sehe sie ungläubig an, als wenn sie vom Mond kommen würde. Ist das ihr ernst oder verarscht sie mich jetzt? Ich bin zunächst wirklich sprachlos, vor allem als sie meint, sie wäre kein Haus und es gebe bei ihr keine Fassade. Sie ist wie ein Labyrinth mit einer fest verschlossenen Tür, für die ich den falschen Schlüssel habe. Du bist wie ein Rätsel und ich möchte es lösen, will ich sagen aber ich verkneife es mir. Ich würde sowieso wieder nur einen blöden Spruch kassieren. Mein Gehirn matert. Was wollen Frauen auf so eine Frage hören? Ist das so eine Fangfrage wie: Schatz bin ich zu dick? Gibt es auf diese Frage überhaupt ein falsch oder richtig? Die Sekunden vergehen und kommen mir wie endlose Stunden vor. Sie sieht mich weiterhin erwartungsfreudig an. „Na ja..“ beginne ich stotternd. Mensch Kerl, du klingst wie ein schüchterner Idiot. Weißt du das? „endlich mal ne Frau, die einem Paroli bietet und nicht eingeschnappt ist, wenn ich mal wieder sehr sarkastisch bin.“ Was ich wirklich denke, bleibt hinter verschlossenen Mauern. Vielleicht habe ich ein bisschen gelogen und mir doch schon ein Bild von ihr kreiert aber kein allzu genaues. Ich glaube ihr einfach nicht, dass sie der langweilige Bücherwurm ist, für den sie sich ausgibt. Das ist mehr und sie will es einfach nicht preisgeben aber sie wird es mit der Zeit, dessen bin ich mir sicher. Ich soll mir meine Mühen sparen? Pah, Mädchen du kennst mich gar nicht. Wenn etwas schwieriger zu erreichen ist, wird es doch erst so richtig interessant für den guten Luca. Ich bin eine Kämpfernatur und wenn mich meine depressiven Züge manchmal in ein Loch stoßen, gebe ich dennoch nicht so schnell auf. Ich bin ehrgeizig. „Du musst dich auch gar nicht verstellen. Ich bin an der echten Alaska interessiert und nicht an irgendeiner gestellten.“ Fangen wir doch gleich mal an uns besser kennen zu lernen. „Dann erzähl, was so deine Interessen sind außer lesen.“ Sie meint, andere Interessen würden einen ausschließen. Ist ihr das nicht egal, was andere über sie denken? So hat sie bisher jedenfalls den Eindruck auf mich gemacht. „Es muss einen nicht unbedingt ausschließen, wenn man die richtigen Freunde hat oder es einem egal ist, für was einen andere halten. Ist es nicht viel wichtiger, was man von sich selbst hält. Ich schulde niemandem da draußen Rechenschaft, für was ich mich interessiere. Gut, meine Kumpel konnten nie wirklich nachvollziehen warum ich mich für Theater und Musicals und so weiter interessiere aber sie haben es akzeptiert, wenn nicht wäre es mir auch egal gewesen. Und nein meine Schwester hat sich nicht mit Medizinbüchern beschäftigt. In diesem Punkt unterscheidet ihr euch wieder.“ Ich vergleiche sie zu oft mit Leah, das hat Alaska natürlich bemerkt und sie bittet mich damit aufzuhören. Sie vermutet, ich würde sie deshalb näher kennen lernen weil sie wie Leah ist und sie so ein Stück weiterleben könnte. „Red nicht so einen Quatsch. Tut mir leid, dass ich dich so oft mit ihr vergleiche aber es hat rein gar nichts mit meinem Interesse an dir zu tun. So ähnlich seid ihr euch nicht und ich hege auch keine Liebesfantasien für meine Schwester.“
Die Gebärden scheinen sie zu interessieren. Neugierig mustert sie meine Hände und verfolgt die Bewegungen, die genauen Mustern und Schritten folgen. Das hat mich von Anfang an, an der Gebärdensprache fasziniert wie sich aus Gesten und Handbewegungen, Worte und Sätze bilden lassen und man sich so unterhalten und verständigen kann. Schon als Leah das erste Mal versucht hat, mir ihre neue Sprache näher zu bringen, war ich Feuer und Flamme und wusste genau, das will ich auch können. Und ich vermisse es mich in dieser Sprache unterhalten zu können. Kaum ein Hörender versteht die Gebärdensprache als das er sich so verständigen könnte, was ich insgeheim schade finde.
„Frag das nicht mich, sondern die Leute, die ein Problem damit haben, dass ich es tragen muss. Ich habe das Teil von Anfang an gehasst und das vor allem weil man von anderen Menschen blöd angestarrt wird. Und bevor du jetzt behauptest dass mir das doch gefallen haben muss, dass die Mädchen mich angestarrt haben…nein… die Blicke die man hier für erntet sind eher mitleidiger Art. Und ach weißt du, ich habe schon schlimmeres gehört als ‚Freak‘ wegen meiner Einschränkung. Einfach jeder der einen dummen Spruch über meine oder Leahs Behinderung abgelassen hat, hat es später bereut.“ meine ich mit Hintergedanken. Ich bin kein Schläger aber wenn die Wut über Ungerechtigkeiten in mir die Kontrolle übernimmt, kann ich nichts dagegen unternehmen. Das muss ich Alaska ja nicht auf die Nase binden. „Ich finde nichts erbärmlicher als sich über die Schwächen anderer lustig zu machen. Ich konnte das wegstecken. Leah konnte das nicht. Ich bin wie ihr älterer Bruder gewesen, immer bereit sie verteidigen, wenn ich es für nötig hielt. Ich habe gesehen wie sie gelitten hat und da konnte ich nicht tatenlos zusehen als wäre nichts gewesen. Dass auf meinen Vater kein Verlass war, habe ich dir ja schon erzählt.“
Sie gibt zu sich kein festgelegtes Bild von mir gemacht zu haben, das hätte sie sowieso nicht geschafft. Ich trage meine Interessen nicht als Fähnchen mit mir herum. Sie möchte scheinbar gerne wissen, was aus Noah nach dem Virus geworden ist. Ob ich ihr das wirklich erzählen soll? Ich bin sehr skeptisch und grübele kurz nach, ob sie diese Information in irgendeiner Weise gegen mich verwenden könnte aber mir fällt gerade nichts ein. „Es gab kein ‚nach dem Virus‘ für Noah. Kurz vor seinem 14. Geburtstag ist er an Leukämie gestorben.“ meine ich niedergeschlagen. „Ich hab mich bereits irgendwie damit abgefunden, dass er nicht mehr da ist. Aber er fehlt mir trotzdem immer noch. Ich habe immer noch das Klavierstück im Ohr, welches er bei seinem letzten großen Auftritt gespielt hat und dabei ist das jetzt über 5 Jahre her.“ Im Kopf gehe ich die einzelnen Anfangstöne der Mondscheinsonate nochmal durch. Ich schließe kurz meine Augen und bewege die Hände als würde ich ein unsichtbares Orchester dirigieren. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Noah. Zwölf Jahre ist er alt und steht auf der Bühne vor einem Mikrofon. Er trägt einen schwarzen Anzug mit einer kleinen Fliege um seinen Hals. Neben ihm eine Art Moderator, der die Kinder-Talent-Show moderiert an der Noah teilnimmt. „Hallo, ich bin Noah Cartwright und bin 12 Jahre alt Ich spiele heute die Klaviersonate Nr. 14 opus 27 Nr. 2 in cis-Moll. Das Stück wurde von Beethoven geschrieben und ist besser bekannt unter dem Namen Mondscheinsonate.“ Er verstummt und verbeugt sich kurz, bevor er zum Klavier geht und sich auf dem Hocker niederlässt. Im Saal gibt es Applaus, dann ist es wieder totenstill, dass man eine Stecknadel fallen hören könnte. Noah beginnt zu spielen und wie immer, wenn ich ihn spielen höre, halte ich beinahe den Atem an, um diese wunderbare Musik mit jeder Zelle meines Körpers aufnehmen zu können. Ich bin berauscht und glücklich. Ich spüre wie sich Leahs Finger mit meinen Finger verhaken. Sie hält meine Hand fest. Ich sehe sie kurz an. Sie strahlt. Ich frage mich oft wie es für sie ist diese Musik in sich aufzunehmen, wenn sie sie doch nicht hören kann. Es weicht so stark von meiner Realität ab, dass ich mir keine Vorstellung davon zu machen vermag. Aber eins steht dennoch fest, ihr bedeutet die Musik mindestens genauso viel wie Noah und mir und das verbindet uns drei am meisten. Minuten später, die mir wie endlose Stunden voller Glück und Zufriedenheit verkommen, endet das Stück. Noah begibt sich wieder zum Bühnenrand und verbeugt sich vor seinem Publikum, dass in tosende Beifallsstürme ausgebrochen ist. Als Noah sich dann auf den Weg hinter die Bühne begibt, meine ich zu Leah in Gebärdensprache: „Das könntest du auch haben. Den Applaus. Du hättest auch teilnehmen sollen.“ Sie ignoriert mich total. Erst wenige Tage zuvor ist sie tränenüberflutet nach Hause gekommen und hat gemeint, sie würde nie wieder tanzen wollen und die Musical-AG müsse jetzt ohne sie zurechtkommen. Ich weiß einfach nicht, was vorgefallen ist, dass sie ihr Talent so wegwirft. Ich bereue es einfach, dass ich ihren letzten Auftritt verpasst habe aber ich war im Krankenhaus mit wegen einer Blinddarm-OP. Ich konnte nicht da sein. Aber die Musik von Beethoven durchströmt weiterhin meinen Körper auch wenn ich sie Jahre nicht gehört habe. Die Musik. Das Gefühl. Einfach alles passt zusammen. Beethoven war wirklich ein Genie, wie Noah es immer zu sagen pflegte. Ich öffne meine Augen wieder. „Sorry, hab grad in Erinnerungen geschwelgt.“ murmele ich vorsichtig. „Ich kann leider kein Klavier spielen, so wie er oder Leah. Aber wenn du ne Gitarre finden solltest beim Aufräumen, lass es mich wissen.“ füge ich zwinkernd hinzu.
Ich bin ihr also nicht egal, ja? „Ich verlange nicht, dass du mich nach zwei Tagen ins Herz geschlossen hast. Warum auch? Wir haben uns bisher doch mehr gezankt als wirklich verstanden.“ Mein Herz überrumpelt mich eher und mein Verstand kämpft dagegen an. Eigentlich hat sie Recht, dass sie sich wundert und fragt, warum ich sie mag, wo wir uns doch nur streiten. Was denkt sich mein Herz dabei, fragt sich mein Verstand. Und mein Herz fragt sich, warum mein Verstand nicht einsehen will, dass dieses unscheinbar Mädchen, die richtige ist.
„Nein ich wollte dir nicht zu nahe treten. Du hast Recht. Ich habe nicht nachgedacht aber das kannst du genauso wenig von dir behaupten.“

Von meiner Ohnmacht und dem anschließenden Herzstillstand bekomme ich nichts mit. Mein Hirn schüttet genug Endorphine aus und lässt mich an vergangene, schöne Moment meines bisherigen Lebens denken. Ich sehe alte Freunde wie Blake und Noah, die ich jahrelang nicht gesehen habe und auch meine Eltern und Großeltern sind bei mir. Als ich wieder zu mir komme, bin ich eher verwirrt als im klaren Zustand und auch Alaska scheint nich ganz bei sich zu sein, als sie mir etwas zu trinken und dann etwas zu essen reicht. Sie hält mir eine Dose mit einer Gabel darin hin. Ich umklammere die Dose mit beiden Händen. Ich zittere nach wie vor. „Danke.“ murmele ich vor mich hin. Auf mein Nachhaken, was sie mit „unter den Lebenden“ meint, reagiert sie zunächst verhalten und meint, ich wäre weggewesen. Ich sehe sie immer noch ziemlich fragend an. Sie erklärt im völlig aufgelösten Zustand, dass mein Herz nicht mehr geschlagen hätte und sie könne jetzt nicht über den Kuss reden, obwohl es ihr erster war. Sie hat vollkommen recht jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Ich bin sprachlos. Dann hat sie mir das Leben gerettet. Dann sickert so langsam die Bedeutung ihrer Worte in mich hinein. Stehen geblieben? Mein Herz? Panik erwacht in mir. Macht sie jetzt Witze? Nein, sie ist nicht der Typ, um solche makabren Scherze mit anderen zu treiben. Nach dieser Information ist mir der Hunger doch irgendwie vergangen. Mein Magen knurrt. Ich stochere mit der Gabel in der Dose herum aber zum Essen ist mir jetzt überhaupt nicht zumute. Ich stelle die Dose neben mir auf den Boden. Wir schweigen uns minutenlang an. Bis ich tranceartig doch die Dose wieder in die Hand nehme und zu essen beginne. Ich esse langsam und vorsichtig weil ich mich nicht schon wieder in ihrer Nähe übergeben will und ich selbst merke ja wie unruhig mein Magen rumort. Als die Dose leer ist, stelle ich sie wieder auf den Boden. „Das war lecker. Dachte nicht das Spaghetti auch kalt genießbar sind.“ Mir wird bewusst, dass ich ja nicht ewig auf dem Boden sitzen kann und ich erstrecht nicht auf dem Boden schlafen kann. „Vielleicht probiere ich es doch mal mit den Krücken.“ sage ich verhalten und blicke dabei auf einen Punkt vor Alaskas Knien, um ihrem Blick auszuweichen.

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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Do 13 Aug - 14:55

Meine Verwunderung, die ich momentan in Lucas Anwesenheit dauernd in mir trage, weil er sich einfach so widersprüchlich verhält, erzeugt in ihm offensichtlich etwas, das er lustig findet. Ja, es ist wirklich sehr amüsant, ein Mädchen an der Nase herumführen zu wollen, sehr charmant, murmelt meine innere Stimme sarkastisch.
Doch Luca geht noch weiter. Er bestätigt nicht nur, alles völlig ernst gemeint zu haben, sondern stellt in Aussicht, ganz hier einzuziehen. Dieser Sinneswandel ist für mich unverständlich. Wie kann man seine Meinung nur von einer auf die andere Minute so sehr ändern? Was spielt dieser Kerl für ein Spiel? In meinem Kopf reift ein Gedanke, den ich zuvor noch nicht hatte, aber mein Misstrauen lässt mir keine andere Wahl und ich finde, ich habe Luca schon viel zu viel durchgehen lassen. Nur weil er verletzt ist, heißt das nicht, dass er bei allem was er tut eine Schonung erhält. Selbst wenn diese Verletzungen Halluzinationen hervorruft. Wobei ich plötzlich gar nicht mehr weiß, wie ernst diese zu nehmen sind. Vielleicht gehört alles, was sich in den vergangenen zwei Tagen zugetragen hat, zu einem längeren Plan. Man könnte mich beobachtet haben, wie ich auf den Markt, mit Katina in die Bar gegangen bin. Gesehen haben, dass ich nie in Begleitung mehrerer Personen gewesen bin.... Und so wenig ich das glauben mag, eventuell war die junge freundliche Frau der Türöffner. Sie sollte mich etwas kennen lernen, mein Vertrauen gewinnen. Dann kam Luca ins Spiel, der verletzte depressiv wirkende Typ, der durch seine Wunde automatisch Hilfe brauchte und mich dazu zwang, ihn zu beherbergen, wäre ich nicht vollkommen egoistisch und herzlos. Er würde mich ablenken, so tun, als hätte er Katina aus dem Weg geschafft, damit er freie Bahn hatte, denn ohne sie wäre er der einzige Mensch in meiner näheren Umgebung, hätte Macht. Er könnte ein guter Schauspieler sein. Und ich wäre im tatsächlich ins Netz gegangen, wie als wollte mir das Leben damit beweisen, wie hirnverbrannt es war, sich auf jemanden einzulassen, zu schnell Gefühle zu zeigen und alles, was einem erzählt wurde, nicht in Frage zu stellen. Luca hätte allen Grund zum Lügen gehabt, wenn draußen irgendwo Komplizen nur darauf warteten, den Laden hier zu übernehmen. Ich habe keinen Schimmer davon, was sich hier alles zugetragen hat, als ich im Wald Wasser holen gewesen bin. Es gibt nur einen einzige Lücke in diesem dunklen Ideengewinde: Falls der junge Mann nicht allein ist, weshalb kommen seine Leute nicht mit einem Überfall und nehmen sich, was sie möchten? Die Bar ist ein geniales Gebäude, doch ist sie so wichtig und wertvoll, dass man so viel Arbeit auf sich nehmen würde?
Ich sehe zu Luca und versuche, in seinen Augen irgendwas zu ergründen. Meine Menschenkenntnis, meine unzureichende soziale Erfahrung macht es mir schwer, zu unterscheiden, was wirklich Sein und was Schein ist. Ein weiterer Grund, wieso ich mich eines Tages nicht mehr zu sehr in Menschengruppe getraut habe, ich konnte nicht mehr mitreden, sie nicht einschätzen und diese Ablehnung hatten die Leute wohl auch gespürt.
"So bist du nun mal? Wie? Wechselhaft, wie ein Fähnchen im Wind? Na dann herzlichen Glückwunsch. Doch ich dachte, du wolltest, sobald dein Bein auskuriert ist, auf die weitere Suche nach deiner Familie gehen. Deinen großen Bruder finden. Und seit wann hast du beschlossen, hier einzuziehen? Nur weil ich dich nicht rausschmeißen werde, ist das keine Einladung, sich hier wie zuhause zu fühlen. Du kannst bleiben, solange du willst, aber das macht uns nicht automatisch zu einem Team. Ich werde dir auf dein Angebot keine Antwort geben können. Schnelle Entscheidungen bei Menschen zu treffen, denen man nicht medizinisch in einem Notfall oder allgemein in einer Misere helfen muss, ist schlicht töricht."
Erst recht für mich, die mit menschlichen Wesen, die so bereits vielschichtig genug sind, noch weniger umgehen kann als andere und selbst die haben oft Probleme. Ich muss auf der Hut sein, es sind noch immer erst zwei Tage vergangen, seit wir uns kennen gelernt haben und manche Personen hat man nicht mal in mehreren Jahren entschlüsselt.
Ob es dem zu verschulden ist, dass seine Ohren ihm einen Streich gespielt haben oder es das ist, was Luca am intensivsten verstanden und für sich herumgedreht hat, weiß ich nicht, als er sich verteidigt und meint, kein Stück homosexuell zu sein. Ich blicke zur Decke, seufze, dann zu ihm zurück.
"Ich habe nicht gesagt, dass du schwul bist. Sondern dass es nichts damit zu tun hat, wenn du jemandem hilfst, ob dieser nun eine Frau oder ein Mann ist. Man sollte niemals denken, nur weil wer das eine oder andere ist, braucht er mehr oder weniger Unterstützung. Außerdem, ist Liebe eine verrückte Sache, man weiß nie, wohin sie fällt, aber solang keiner zu Schaden kommt, ist daran doch nichts verkehrt, oder? Nur um das auch mal zu erwähnen."
Dort wo ich groß geworden bin, hat es nie ein großes Thema darüber gegeben, ob es jemanden anders macht, wenn dieser homosexuell oder eine sonstige Orientierung hat. In New York gab es so viele außergewöhnliche Persönlichkeiten, dass keiner mehr für das was er war verurteilt worden ist. Wieso auch. Wenn die Personen glücklich so waren, konnte es nicht falsch für sie sein, oder?
Einen Blick vergleichbar mit jenem, den ich Luca zugeworfen habe, kriege ich zurück, als es darum geht, was er eigentlich an mir findet. Ich zucke mit den Schultern.
"Ja. Wie du selbst so schön gesagt hast, wir diskutieren ständig, interpretieren den anderen falsch und ein ganzes Stück deiner Zeit hier warst du außerhalb deines klaren Bewusstseins. Ist es da nicht verständlich nachzuhaken?"
Ich warte ein paar Sekunden auf seine Antwort. Bei der ich dann eine Augenbraue hochziehe und grinsen muss.
"Wow, du magst mich also, weil ich deine Art ertrage und nicht deswegen jammernd in einer Ecke sitze und mich frage, wieso dieser Typ mich nicht wie eine Prinzessin auf Händen trägt, weil ich ja so ein tolles Mädchen bin, das es endlich mal verdient hätte? Du magst, dass ich eine Herausforderung bin, ist es das?"
Unwillkürlich muss ich an die Wetten denken, die in er Schule manchmal abgeschlossen worden waren. Gespräche auf der Toilette, bei denen man Einblicke in das Privatleben von Mädchen bekam, mit denen man sonst nie sprach, weil die Waschbecken und Spiegel scheinbar der optimale Ort dafür waren, um jemandem sein Herz auszuschütten oder vom Wochenende zu berichten, egal wer in den Kabinen dahinter mithören konnte oder nicht. Schließlich sah man sich ja nicht.
Meistens hatte ich mir die Zeit des Wartens, weil man auch auf keinen Fall den Groll von jemandem auf sich ziehen wollte, indem man in eine dieser Konversationen platzte, damit vertrieben, die Sprüche an den Kabinen zu lesen, die Zeichnungen zu betrachten, mich gefragt, wer ernsthaft Stifte mitnahm, wenn er mal musste, um diese Wände zu bekritzeln. Doch ganz ausblenden konnte man die Worte der anderen nie. Am wenigsten, wenn sie von dem beliebtesten Mädchen der Schule kamen, sie war hübsch und nett, ihr Name war Ai gewesen, Liebe. Sie hatte einige Verehrer, aber es war nicht leicht, an sie heran zu kommen, weil sie sich wirklich sicher sein wollte. Und dort an einem Donnerstag in der großen Pause, als es gerade sehr ruhig auf den Toietten war und ich mir sicher war, außer Ai und ihrer besten Freundin die einzige zu sein, die sich noch hier befand, beichtete die ewig währende Prinzessin, dass sie ihre Unschuld am Vortag an Lhaos verloren hatte, einen Jungen, der monatelang um sie gekämpft hatte, ihr die Sterne vom Himmel holte und in ihr das Bild geschaffen hatte, dass er es ernst meinte. Nachdem sie sich ihm hingegeben hatte, als die beiden ein halbes Jahr zusammen gewesen und ein Traumpärchen der Schule gewesen waren, wäre dann jedoch alles zusammengebrochen. Als Lhaos im Band gewesen war, um zu duschen, hätte Ai ihn reden hören. Er sagte zu jemandem am anderen Ende der Leitung, die Mission sei erfolgreich beendet worden. In den Tagen danach hat er seine Freundin fallen gelassen mit der Macht, ihr Herz gebrochen zu haben und auch ihr Vertrauen, ihre Standhaftigkeit. Sie hatte das nicht verdient, niemand hatte das, aber sie war nicht dieses typische Mädchen gewesen, das an der Spitze der Nahrungskette stand und auf andere herabsah. Sie engagierte sich in vielen Clubs, ich hatte sie nie schlecht über irgendwen reden hören und auch nach dem mit Lhaos Schluss war, hatte sie nie über ihn hergezogen. Sie hatte einiges verloren, ihren Stolz dagegen bewahrt. Wir ähnelten uns in dieser Sache, bis auf dass ich es nie so weit kommen lassen würde, wie sie es getan hatte.
Nachdem ich etwas abgedriftet bin, schaue ich zu Luca zurück, der weiterspricht. Er will mich also nun besser kennen lernen? Mit Smalltalk?
"Das werd ich auch nie, mich verändern oder anders geben als ich bin. Doch ich bin kein Steckbrief, niemand, den du erfassen kannst, indem ich dir etwas mehr zum Greifen gebe. Man lernt Menschen kennen, indem man mit ihnen lebt, sich von ihrer Lebensweise beeindrucken und unterrichten lässt. Von Dingen zwischen den Zeilen, die man nicht immer gleich auf dem Tablett serviert bekommt. Und ich finde, du hast über mich schon eine ganze Menge erfahren, dafür dass du so nett gewesen bist", entgegne ich, letzteres ziemlich sarkastisch.
"Du kannst dir zudem merken, dass es mir völlig gleich ist, was andere von mir halten. Genau darum bin ich so geworden. Was sollen richtige Freunde sein? Falls überhaupt, gibt es die nur sehr selten. Vielleicht hattest du mit Noah Glück. Andererseits hat der Virus viele verändert. Du weißt nie, wie jemand wird, wenn er an seine Limits kommt. Den eigenen Überlebensinstinkt zu überlisten, ist ein Kampf, den nicht jeder ausfechten will, sich die Energie dafür aufheben möchte, zu bestehen. Wie du schon sagst, dass man mit sich klarkommt, ist wichtiger. Und ich tue das super."
Wieder verenge ich meine Augen.
"Liebesfantasien? Willst du damit etwa behaupten...? Das wollte ich nämlich nicht. Es ist nur so, dass ich wie gesagt nicht Leah bin, es nie sein werde, darum wäre es gesünder, nichts von ihr in mich hineinzuprojizieren. Genauso wenig anders herum."
Liebesfantasien...ob das bei Jungs einfach schneller geht? Sind das die Hormone, die verrückt spielen? Oder geht da die Schauspielerei weiter? Ich weiß einfach nicht weiter. Das Thema springt um auf Lucas Hörschwierigkeit. Damit komme ich besser klar.
"Wie äußerst schade, dass ich diese Leute nie finden werde. Doch war es nicht grade egal, was andere von einem halten? Dann hätte es dich gar nicht kümmern brauchen, was sie gesagt haben und sie hätten aufhören müssen. Wenn man ein Feuer mit Dreck bewirft und es davon nicht weiterlodert, geht es irgendwann aus, ist nicht mehr interessant genug. Und so sehr du das behauptest, so wie du hier über deine Ohren redest, konntest du das nicht so gut aushalten, wie du es dir einreden willst. Mir ist das übrigens absolut unwichtig, was mein Gegenüber für einen Schaden hat, erst recht, wenn es sich den nicht ausgesucht hat. Dadurch geht kein persönlicher Wert verloren. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass es jetzt, wo jeder mit dem Schmuck seiner Tribes heraussticht, herumläuft wie er will und sich sogar aus Spaß mit Brillen und anderen Dingen schmückt, die er gar nicht bräuchte, dass es noch eine große Sache ist, dass du wirklich schlechter hörst. Apropos, hier, das hat Jona auch da gelassen. Neue Batterien, falls deine ganz leer gehen sollten. Du solltest dich echt bei ihm bedanken, wenn du ihn noch mal im Leben siehst."
Ich hole das kleine Päckchen von der Theke und gebe es Luca. Was er davon hält, dass auch diese Gaben von dem kurzzeitigen Gast kommen, ist nun sein Ding. Er hat die Wahl. Batterien sollten als die Sache an sich gesehen werden, genauso wie Essen. Teilweise ist es besser, nicht zu wissen, woher etwas kommt oder nicht daran zu denken.
Schließlich ändert sich die Stimmung des jungen Mannes in eine Trauermiene, als ich wohl mit der Frage nach dem talentierten besten Pianistenfreund einen schwachen Punkt erwischt habe. Echt oder nur eine weitere Geschichte, um dein Herz zu erweichen?, stichelt meine innere Stimme. Ich lausche den leisen Worten, mit denen Luca vom Krebstod seines Kumpels berichtet.
"Einige Dinge brennen sich für immer in die Seele ein, so dass sie nie verblassen können. Man muss nur aufpassen, welche. Das ist schade mit deinem Freund. Aber er hat in seinem kurzen Leben schon einiges gehabt, auf das er stolz sein konnte."
Was ich innerlich für mich behalte ist, dass es womöglich für Noah sogar besser gewesen sein könnte, den Virus nicht mehr mitgemacht haben zu müssen. Wer weiß, wie lange er da durchgehalten hätte, ob er nun auch irgendwo als Sklave stecken würde oder sonstiges. Was sich mir dann eröffnet, ist sehr befremdlich. Luca steht vor mir, die Augen geschlossen, seine Hände bewegen sich wie die eines Dirigenten. Ist er nun übergeschnappt oder will mir so näher kommen, indem er den ebenfalls schrägen Typen mimt? Ich schaue ihm bloß zu, was soll ich auch groß anderes machen? Aus heiterem Himmel sind seine Augen dann wieder offen. Luca scheint verlegen zu sein, fast schüchtern.
Etwas kribbelt in mir, als er so kurz verletzlich schein. Es stoppt im Moment, als er das mit seinem Zwinkern wieder überspielt. Der Moment ist vorbei.
"Ich kann von mir behaupten, nicht nachgedacht zu haben? Ich bin fehlbar, wie jeder andere auch, aber ich habe dich nie angegriffen, was deine Familie betrifft. Also vergiss es, das auf mich zurückfeuern zu wollen."
Dann kommt die Phase, die alles noch mal herumdreht. Die Ohnmacht, der Herzstillstand, das komische Benehmen danach. Das Essen, das ich ihm geboten habe, nimmt Luca an. Er zittert. Ich nicht, aber aufgewühlt bin ich dennoch, hoffe, nie wieder jemandem so das Leben retten zu müssen. Luca isst die ganze Dose leer. Mechanisch, als würde nun tatsächlich wer anderes ihn steuern wie einen Roboter. Als er wieder spricht, redet er über so normale Sachen, dass ich bei dem Kommentar mit den Krücken nur nicke, aufstehe, sie ihm zurückhole, nachdem er sie durch die Bar gefeuert hatte. Dann bleibe ich stehen.
"Und ich..sollte mich wohl besser mal umziehen", bemerke ich mit einem Blick auf meine Sachen, "Danach kümmere ich mich um die Sauerei auf dem Boden, damit das nicht in den Boden einzieht..."
Der Boden ist mir im Grunde total egal. Aber dass Luca über die Tatsache, dass er mir meinen ersten Kuss genommen hat so hinweggeht, als wäre es etwas, das er ständig machen würde, lässt mich auch die Haltung annehmen, dass es nichts Besonderes ist, erzählten andere früher auch immer was Gegenteiliges. Es ist etwas Bewegendes, weil es eine neue Erfahrung ist, die man nie vergessen wird. Man ist für immer mit dem Mensch verbunden, mit dem man sie erlebt hat. Bei uns beiden bin jedoch wohl ohnehin nur ich gewesen, für die der Kuss etwas Neues war...Dann alles Schwerwiegendere drumherum. Ich brauche frische Luft, dringend. Und Abstand.
"Bis gleich", sage ich und verlasse den Saal.

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Zuletzt von Alaska* am Sa 15 Aug - 14:40 bearbeitet, insgesamt 1 mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Fr 14 Aug - 16:17

Fähnchen im Wind? Ich bin kein Fähnchen im Wind und schon gar nicht wechselhaft, wie sie behauptet. Ich zeige nur nicht jedem meinen wahren Charakter. Obwohl sie es auch nicht zu schätzen wusste, dass ich ihr den wahren Luca, den netten und freundlichen Luca, schon gezeigt habe. Was will sie eigentlich von mir? Diese miese Weltverbessererin. Keinerlei Menschenkenntnis aber über andere urteilen wollen. Ich finds zum Kotzen und am liebsten würde ich ihr das auch den Kopf werfen aber aus irgendeinem Grund halte ich mich zurück. Sie hat doch selbst zugegeben, dass sie mich nicht kennt. Was soll dann der Blödsinn mit Fähnchen im Wind? Sie ist doch mindestens genauso, ein Rätsel für mich wie ich für sie. Bei ihr kann ich mir auch nicht sicher sein, was Show ist und was ihrer wahren Natur entspricht. „Ich bin nicht wechselhaft. Mein wahres Ich kann dir doch egal sein. Das ist alles was ich dazu zu sagen habe.“ füge ich ein wenig angesäuert an. Sie präsentiert mir ihre Persönlichkeit auch nicht auf dem Silbertablett. Warum sollte ich das also tun? In einem Moment scheinen wir uns so ähnlich und genau im nächsten Moment wieder so unterschiedlich als wenn wir von zwei verschiedenen Planeten kämen. „Ich werde meinen Bruder sicher suchen gehen, deswegen muss ich aber nicht durch ganz Neuseeland reisen. Und außerdem muss ich ja erstmal gesund werden, wie du selbst sagst. Falls es dir nicht aufgefallen sein sollte, draußen in den Straßen ist es nicht gerade sicher, vor allem wenn man verletzt oder wehrlos ist. Ich frage mich sowieso wie ich es sicher in die Stadt bis hierher geschafft habe.“ Das frage ich mich wirklich. Es war ein langer Weg zurück in die Stadt. Das Camp der Chosen in dem ich gefangen gehalten wurde, lag weit außerhalb der City auf dem Land. Als ich noch gesund war, kam ich gut voran und auch meine eigene Verteidigung war kein Problem. Ich hatte zu der Zeit noch ein bisschen Proviant bei mir, den wir von den Rebellen, die ihn uns befreit hatten, bekommen hatten. Essen ist in heutiger Zeit sehr gefragt, vor allem wo es nicht immer so leicht ist an welches heran zu kommen.
„Ich habe gar nichts beschlossen. Es war nur ein Angebot und wenn du es ablehnst, muss ich halt damit leben.“ Erstmal bleibt mir ja nichts anderes übrig als hier zu bleiben. Immerhin bin ich auf ihre Hilfe angewiesen, ob es mir passt oder nicht. Muss ich mir halt was anderes suchen. Was auch immer. Im Moment ist mir das jedenfalls egal.
Ach mir zu vertrauen ist also töricht? Ist das so? Mein erster Eindruck von ihr, war wohl doch nicht so falsch. Sie hat Angst vor mir. Mache ich für sie denn den Anschein, gewalttätig zu sein? Und hat sie nicht eben selbst gesagt, dass sie sich kein klares Bild von mir gemacht hätte? Wieso hat sie dann Angst und misstraut mir? Was habe ich denn falsches gesagt oder getan? Und die ganze Zeit…nein…ich schmeiß dich nicht raus und jetzt kommt sie hinten herum doch damit heraus, dass sie mich nicht ewig hier haben will, nur bis meine Verletzung ausgeheilt ist. Ist sie schon in den Wechseljahren oder sind Stimmungsschwankungen bei Frauen normal? Soviel Erfahrung habe ich nicht mit Frauen. Und ach, wie interessant, sie musste mir helfen. Auch sehr nett. Wer hat das denn gesagt, dass sie mir helfen muss? Hätte sie mich halt sterben lassen. Mir egal. Das Leben ist sowieso ein Kommen und Gehen. Die einen gehen halt früher und andere halt erst später. Was hatte Noah doch für Glück, dass er den ganzen Scheiß nach dem Virus nicht mitmachen musste. Kumpel, wo immer du jetzt bist, ich hoffe du musst nicht mitansehen wie ich mich hier zum Horst mache. Innerlich höre ich Noah lachen. Dem genialen Musiker lagen die Mädchen zu Füßen aber er hat sie alle abblitzen lassen. Er hat mir mal gesagt, dass diese „Fans“ nur seine Musik hören würde aber ohne jegliches Verständnis dafür, was sie ihm bedeutet und er auf der Suche nach einem Mädchen wäre, welches dieses Verständnis aufbringen könnte. Und er hätte es halt einfach noch nicht gefunden. Na ja, wie auch? Er war ja erst dreizehn. Da fängt das Leben doch gerade erst an und man muss sich in dem Alter noch nicht ewig an einen einzigen Menschen binden. Selbst jetzt fünf Jahre später würde ich mich nicht an ein Mädchen für alle Zeit binden wollen. Wieso Erwachsene ständig heirateten und manche sogar mehrfach kann ich nicht verstehen. Liebe lässt sich nicht erzwingen und manche Beziehungen sind halt nicht für die Ewigkeit bestimmt. Aber warum sich dann gegenseitig das Versprechen der ewigen Treu abnehmen, wenn es manche nicht mal bis zu den Flitterwochen durchhalten? Verstehe ich überhaupt nicht.
Sie seufzt und schaut kurz zur Decke bevor sie mir entgegenwirft, dass sie nicht gesagt hätte, dass ich schwul sei. Kann sie mal aufhören mich wie ein kleines, dämliches Kind zu behandeln? Hab ich wieder was nicht mitgekriegt? Irgendwas überhört? Ich habe zwischenzeitlich nicht nur mit meiner Schwerhörigkeit zu kämpfen, allgemein macht mir meine derzeitige körperliche Verfassung schwer zu schaffen, dass es durchaus vorkommen kann, dass ich etwas nicht mitkriege. Und sie verunsichert mich so, dass ich nicht wirklich erpicht darauf bin ständig nachzufragen. Das nervt sicher nicht nur mich. Wie viel leicht war da die Kommunikation noch vor ein paar Jahren ohne dieses Schrott-Teil. Als mein Gehör noch so funktionierte wie es sich gehörte. Wie sehne ich mich in diese Zeit zurück. Aber sie ist vorbei und wird auch nicht wieder kommen, nur weil ich es mir so sehnlich wünsche.
„Achso. Dann habe ich das falsch verstanden. Ok. Gut nem Kerl würde ich wahrscheinlich auch helfen, wenn ich sehen würde, dass er Hilfe braucht.“ Erleichterung macht sich in meinem Gesicht breit. Lag wohl doch am Hören.
Liebe ist eine verrückte Sache und man weiß nie wo sie hinfällt? Was soll der Spruch denn jetzt?
„Tja kann vielleicht sein aber ich werde mich sicher nie in einen Kerl verlieben, so viel steht fest. Mir egal was andere sind. Ich bin es nicht.“ Zu Schaden kommen? „Wer soll bei was zu Schaden kommen?“ Ich verstehe nur Bahnhof. Ein Kerl, der mich anbaggert, könnte zu Schaden kommen, ja. Aber ich verkneife es mir diesen Gedanken laut auszusprechen bevor wieder die ewige „Du bist ein solcher Macho“-Leier kommt. Das hängt mir nämlich auch schon zum Hals raus.
Meine Antwort auf ihre Frage, wieso ich sie mag, scheint nicht gerade zufriedenstellend für sie zu sein. Dass Frauen auch immer für alles ne Begründung haben wollen. Kann man es nicht einfach so hinnehmen, ja ich mag dich. Warum soll ich jetzt gefühlt noch nen Erörterungsaufsatz drüberschreiben? Verständlich nachzuhaken? „Hmm kann sein.“ Das ist das einzige, was mir über meine Lippen kommt. Mein Zögern scheint sie zu amüsieren. Jedenfalls grinst sie und zieht eine Augenbraue dabei hoch. Ja, lach du nur. Vielleicht sollte ich sie mal in Verlegenheit bringen und sie fragen, was ihr Problem an mir ist und warum ich in ihren Augen so unsympathisch bin, aber ich verkneife mir auch diese Frage. Ich glaube, das möchte ich nämlich gar nicht wissen. Bei ihrer Reaktion auf meine Antwort, die ich ein paar Minuten später hervorbringe, platze ich fast vor Wut, kann mich aber gerade so beherrschen. „Was heißt meine Art ertragen? Bin ich so schrecklich in deinen Augen?“ bringe ich zwischen zusammengekniffenen Zähnen hervor. Eigentlich will ich die Antwort auf diese Frage überhaupt nicht hören. Es war mehr eine rhetorische Frage aber das wird sie wohl nicht verstehen. Ich muss mir wohl doch eingestehen, dass meine  Verknalltheit in sie ziemlich oberflächlich war, anders kann ich es mir nicht erklären aber natürlich bin ich nicht so dumm und gebe das vor ihr offen zu. Meine Kumpels vor dem Virus waren durch die Bank weg oberflächliche Typen. Ich habe dazugehört aber so sein wollte ich eigentlich nie. Ich war der Klassenclown, dem fast alle Mädchen hinterhergerannt sind. Und hat es mir gefallen? Nicht wirklich. Die mochten mein Aussehen und nicht das was ich eigentlich bin. Wie du stehst auf Theater? Ich habe noch die skeptischen Blicke im Hinterkopf und als Laura mich wegen meiner Hörschwierigkeiten verlassen hatte, war das Interesse der anderen Mädchen seltsamerweise auch verschwunden. Tja wer will schon nen Typen bei dem du alles dreimal erzählen musst, damit er es versteht? „Warum sollte ich nicht mögen, dass du ne Herausforderung bist? Ich meine, was ist falsch daran? Ich versuche doch die ganze Zeit dich besser kennenzulernen aber du blockst ja ständig ab.“ Als ich sie nach weiteren Interessen frage, macht sie wieder genau das, was ich gerade gesagt habe, abblocken. Als wenn sie eine Disco wäre, in die mich der Türsteher nicht hereinlässt weil ich die verkehrten Turnschuhe anhabe. In den man mit ihnen lebt? „Willst du mich jetzt verarschen oder was? Von wegen mit ihnen leben. Du hast doch gerade selbst noch gesagt, ich soll mich hier ja nicht zuhause fühlen.“
Was richtige Freunde sind, will sie wissen? „Ich weiß selber, dass es die nur selten gibt. Noah war so ein richtiger Freund für mich und später noch ein anderer Typ aber lassen wir das lieber.“ Ja der Virus hat wirklich viele Menschen verändert. Da bin ich ausnahmsweise ihrer Meinung. Die meisten aber nicht zu ihrem Besseren wenn man die ganzen Welteroberungsspinner betrachtet wie die Chosen oder die- wie nannte Alaska die? – Technics? Ach auch egal. Jedenfalls gibt es zu viele von diesen Spinnern, die die Stadt beherrschen wollen und anderen ihren Willen aufdrücken. Eigentlich müsste ich meine neu erlangte Freiheit genießen aber stattdessen hocke ich schwerverletzt in mitten von Tomatensoße in einer Bar, die eigentlich keine ist, neben einem Mädchen in das ich verknallt bin, das aber keinerlei Interesse an mir zeigt. Als Jackpot würde ich das nun nicht gerade bezeichnen.
Liebesfantasien? Na ihrem Bick nach zu urteilen habe ich gerade wieder das schlimmste gesagt, was ich hätte sagen können. Was interpretiert sie nun wieder in meine Worte hinein? Denkt sie etwa, dass ich mit ihr…? Nein..nicht ihr Ernst? Aber ein verlogenes Grinsen huscht doch über mein Gesicht, vor allem weil sie so schockiert und verärgert aussieht. „Das ist jetzt gerade nicht dein Ernst oder? Du glaubst nicht wirklich, dass ich mit dir schlafen will?“ Wie naiv ist diese Frau eigentlich? „Mit Liebesfantasien meinte ich lediglich, dass ich mich nicht in meine Schwester verknallen würde.“ Als nächstes springt das Thema wieder auf meine Hörschwierigkeiten um und sie trifft einen wirklich wunden Punkt bei mir, was sie wohl auch an meinem Gesicht ablesen kann, dass von Traurigkeit und Wut geprägt ist. Leider muss ich zugeben, dass sie mit dem was sie von sich gibt genau ins Schwarze trifft. Sie hat vollkommen recht, wenn sie vermutet, dass ich nur vorgebe, dass es mir egal wäre, wenn andere Menschen mich wegen meiner geschädigten Ohren beleidigen und verunglimpfen. Aber sie lässt mir gar keine Zeit um etwas zu erwidern und meint, dann, dass sie es sich nicht vorstellen könnte, dass mein Hörgerät noch irgendwie relevant wäre, wo doch alle Leute draußen mit Schmuck und anderen Dingen herausstechen würden. „Ich rede von vor dem Virus.“ füge ich leise hinzu. Ihr Gerede und wie sehr ich die Wahrheit in ihren Worten erkenne, wühlt mich einfach zu sehr auf, als dass ich große Reden schwingen könnte. Insgeheim möchte ich auch gar nichts erwidern, wahrscheinlich würde ich mich nur in Widersprüchen verheddern und wäre am Ende noch unglaubwürdiger als ich es sowieso schon für sie zu sein scheine. Das ich seit dem Ausbruch des Virus nicht viel in Kontakt mit fremden Menschen war, geht sie schließlich gar nichts an. „Bei den Chosen habe ich es immer versteckt. Ich hatte Angst, dass sie es mir abnehmen könnten. Ich bin schon längst darauf angewiesen. Du müsstest mal erleben, wie schlecht ich dich verstehe, obwohl du eigentlich sehr laut sprichst.“ erwidere ich bitter. Da höre ich wieder nun den Namen Jona und denke wieder, wann gibt sie endlich Ruhe mit diesem Kerl aber dann reicht sie mir etwas mit dem ich jetzt überhaupt gerechnet hätte. Batterien für mein Hörgerät. Sie legt mir die Packung in meine zitternde Hand und klappt meine Finger um, damit ich sie besser festhalten kann. Ich zittere einfach immer noch. Meine Unterlippe zittert. Ich weiß gar nich so recht was ich sagen soll. Ich muss mich fast zusammenreißen um nicht gleich loszuheulen. Sie meint, ich sollte mich bedanken wenn ich Jona noch mal in meinem Leben sehen würde. Ich bin doch wahrhaftig von dieser Geste zutiefst gerührt. „Danke. Das werde ich tun, wenn ich noch mal sehen sollte.“ Ein erschöpftes Lächeln kommt mir über meine Lippen. Ich bin müde so unendlich müde.
Als ich ihr von Noahs Ableben erzähle und erwähne, dass ich immer noch sein letztes Klavierstück im Kopf hätte, erwidert sie das einige Dinge sich in die Seele einbrennen und nie verblassen würden. Sie sagt dann noch, dass Noah schon einiges in seinem kurzen Leben erreicht hätte, worauf er stolz sein könnte. Ich nicke. Ja im Gegensatz zu mir, stichelt eine kleine Stimme in meinem Kopf.
Als ich in Gedanken an Noahs letztes Konzert versinke und unbewusst meine Hände zur Musik in meinem Kopf bewege, muss sie mich für total übergeschnappt halten aber es ist mir vollkommen egal, was sie denkt. Ich erinnere mich gerne an diesen Augenblick, den mir kein anderer Mensch mehr nehmen kann. Sie hat mich nie angegriffen wegen meiner Familie? Mädchen, ich wusste nicht mal das du einen Bruder hast. Wie kann sie mir das zum Vorwurf machen? Ich kann aber daraus schließen, dass sie mir meine Entschuldigung nicht abgenommen hat. Ich denke kurz, darüber nach, ob sie mich bezüglich meiner Familie angegriffen hat oder nicht. Ich muss leider, dass ausschließen, was ich nicht gehört oder nicht verstanden habe, entweder wegen meiner Ohren oder meiner Bewusstseinsstörung. „Ja, ok ich bin ein A*schl*ch. Ist es das was du hören willst?“ frage ich genervt. Ich schließe kurz die Augen und versuche mich innerlich zu beruhigen und zähle bis zehn, um meine Wut hinunterzuschlucken.
Die darauffolgenden Minuten sind zu aufwühlend für mich unter anderem weil ich einiges nicht mitbekomme durch Ohnmacht und was auch immer.
Als ich meinen Hunger erwähne und sie mir eine Dose mit Spaghetti reicht, nehme ich sie an. Mechanisch und zögernd leere ich die Dose und fühle wie mein Hunger gestillt ist. Ganz wohl fühle ich mich trotzdem nicht in meiner Haut. Dass sie über den Kuss nicht reden will, verstehe ich zwar nicht aber ich akzeptiere es. Sie steht dann auf und meint sie würde sich gerne kurz umziehen und sich dann um den Boden kümmern. Währenddessen reicht sie mir wieder die Krücken, die ich schwach ergreife und neben mir auf den Boden lege. Sie verabschiedet sich bis gleich und verlässt den Saal in Richtung ihres Zimmers. Ihr Abgang gleicht einer Flucht. Ja verlass mich. Lass mich allein hier im Dreck sitzen. Wie den letzten Idioten, der ich ja auch bin. Als sie weg ist und außer Sicht bahnt sich eine einsame, vereinzelte Träne ihren Weg über meine Wange. Hastig wische ich sie weg. Ich blicke auf die Krücken herab, die neben mir liegen. Ob ich das allein schaffe? Ich grübele wie ich es am schmerzlosesten anstelle. Aber mein Körper kommt mir zu vor und beantwortet mir meine Frage, in dem meine Augen zufallen und ich einschlafe. Auf der Stelle, angelehnt an den Tresen in mitten von wildverstreuten Spaghetti. Ich kippe langsam zur Seite und gleite Richtung Boden. Alles unbewusst, da ich bereits tief schlafe. Ich ziehe meinen Arm hervor und lege ihn unter meinen Kopf.

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Alaska*
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BeitragThema: Re: Flavor's Heart (Großer Saal)   Sa 15 Aug - 19:16

Ich habe mir bereits denken können, dass meine Abwehr bei Luca nicht auf Willkommenheit stößt, dabei hat er selbst behauptet, doch nun mal so zu sein und der Rest spricht für sich. Was ich von ihm zurück bekomme, trieft vor schlechter Laune. Mit meiner Art habe ich Luca gegenüber garantiert bis jetzt alle Regeln gebrochen, die von irgendwelchen Mädchen, die über Erfahrung verfügten oder sich eingehend damit beschäftigt hatten, jemals aufgestellt worden waren, was den Umgang mit dem anderen Geschlecht betrifft. Bei einer Frau hätte ich mich da sicherlich ebenso nicht sehr beliebt gemacht, durch unterschiedliche Hormonverteilungen, gesellschaftliche Erwartungen, die an einen gerichtet und einem aufgezogen worden sind, ist das aber lediglich eine andere Sparte des Umgangs. Man hat jedes Mal mit einem Menschen zu tun, bei Beschaffenheiten aus Personen verschiedener Geschlechter ist die Stimmung jedoch immer anders. Dass es so ist, wird von Kindheit an durch die Umgebung, in der man lebt und die Erziehung, die man dort genießen durfte vorausbestimmt. Es später abzulegen, ist keine leichte Angelegenheit. Nicht dass ich es persönlich psychologisch nachvollziehen könnte, nur ergibt es, wenn man sich anschaut, wie die geistige Reifung von sich geht, rein wissenschaftlich einen Sinn.
"Lass mich überlegen", beginne ich, schaue schräg nach oben, wie oft, wenn ich nachdenke und lege einen Zeigefinger auf die Unterlippe. In Gedanken durchblättere ich den Katalog, der alles sammelt, was mir widerfährt und das ist eine ganze Menge gewesen. Schließlich treffen meine Augen wieder Lucas, ohne ihnen auch nur ein bisschen auszuweichen.
"Du kommst hier zuerst rein, wie der letzte Macho und ich weiß, du hattest Schmerzen, hast sie noch. Diese Wunde ist kein Kinderspiel. Aber sie rechtfertigt nicht, sich so launisch mit deinen Mitmenschen umzugehen. Dann bist du plötzlich nett, wie als wäre nie was gewesen, sprichst über deine Schwester und wie es früher gewesen ist. Nur, um mir postwendend Vorwürfe darüber zu machen, wie aktiv ich dich doch loswerden will. Ich habe keine Ahnung von Menschen, keine von dir bis auf die Sachen, die du schon preisgegeben hast und werde es auch nicht versuchen mit Gewalt zu ändern. Meine Interessen liegen woanders als darin, in einer Persönlichkeit zu wühlen. Das müsstest du längst gemerkt haben", schlage ich zurück, erkenne mich kaum wieder. Ich handle nur noch. Zu meinem Kommentar, dass ich ihm nicht direkt zusichern kann, wie es in Zukunft weitergehen wird, bekennt sich Luca überraschend gleichgültig. Was ich mir wünsche, kann ich nicht sagen. Diese Dinge, die das Misstrauen in meinen Kopf gezeichnet hat, lassen mich den Boden unter den Füßen verlieren. Vor dem Virus hätte ich weiter mein zurückgezogenes Leben führen können, das bloß durch die Tanzwettbewerbe Ausflüchte in die Menschenwelt enthielt, so dass ich wirklich dazugehörte, kein stiller Beobachter war oder nur ein Statist, der seinen Pflichten nachging und sich sonst aus allem raushielt, in Bücher verkroch. Nach meinem Schulabschluss hätte ich einen Beruf erlernen können, in dem ich mich auf Papierkram konzentrierte, in der Wissenschaft forschte und schrieb, solang ich weiter scheu sein konnte und niemandem mehr zeigen müsste, wer ich war, weil ich mich wie eine Außerirdische empfand, die aussah und lebte, wie alle anderen Menschen auch, nur ihre emotionale Sprache verlernt zu haben schien. Einen gigantischen Teil davon zumindest. Empfindungen prallen bis auf wenn es um Paris ging an mir ab oder ich nehme sie erst gar nicht so in mich auf, wie andere das tun. Ich spüre nicht den Schmerz eines anderen, sobald ich sehe. In mir verkrampft sich nichts aus Mitgefühl, geht es einem anderen schlecht. Mein Gehirn funktioniert so, dass meine Sinne Reize an es weiterleiten, die genau dort verweilen und nicht an mein Herz weiterwandern. Gibt es einen Konflikt, wird eine Lösung dafür gesucht, fertig. Ich verschränke meine Arme.
"Ihn an mehreren Orten zu suchen, würde die Wahrscheinlichkeit ihn zu finden zwar erhöhen, aber ich bin da nicht gefragt. Du musst selbst wissen, was du tust. Was mir aber echt zu öde wird, ist dass du dauernd mit dem Finger draufzeigst, wie böse die Straßen sind, wie grausam die Welt. Sehe ich aus, als wäre das an mir vorbei gegangen, lebe ich etwa in Saus und Braus und Sorgenlosigkeit? Ich sage das jetzt zum letzten Mal, bis du wieder laufen kannst und der Biss gut genug abgeheilt ist, sodass keine neue Infektion durch ihn entstehen kann, gestatte ich dir zu bleiben. Und dein Angebot, wie willst du das wahrnehmen? Selbst dann, solltest du nicht durch das ganze Land ziehen, um deinen Bruder zu finden, müsstest du mit Sicherheit mindestens mal die Stadt verlassen. Du kannst mir nichts versprechen und ich will dich nicht hier festketten..."
Oder doch? Darauf fällt mir keine Antwort ein. Eigentlich wollte ich mir die ganze Zeit Hilfe suchen, wieso bin ich da so störrisch, wo sie mir praktisch direkt vor die Füße gelaufen ist?
Weil du dich fürchtest, beantwortet es mir meine innere Stimme. Luca stellt dich etwas gegenüber, das du in deiner Jugend versäumt hast. Und das in einer Weise, die für den Anfang ganz schön hoch angesetzt ist. Er führt nicht nur eine Unterhaltung mit mir, sondern schickt mich durch ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle. Gleich zwei Gebiete, die für mich sind wie weiße Landkarten. Wie lange ist es her, dass ich mich so lange am Stück mit jemandem beschäftigt habe? Bei den Oceans war Kira die Einzige, mit der ich überhaupt regelmäßig geredet habe und als eine Frau der großen Worte würde ich sie nicht bezeichnen. Sie war genauso verschlossen wie ich selbst.
Dazu dass ich meinte, nicht behauptet zu haben, dass er schwul sei, lenkt Luca ein. Er würde also doch jedem helfen, handelt es sich auch nicht um eine seiner Ansicht nach schöne Frau? Wäre das auch endlich raus. Was anderes habe ich nie ansprechen wollen mit diesem Punkt. Das Thema, dass man sich nicht aussuchen kann, in wen man sich verliebt - was ich persönlich nicht beurteilen kann und wieder nur aus Büchern weiß - und keiner allein deshalb darunter leidet, Emotionen für wen zu haben, bei dem es nicht der gesellschaftlichen Norm entspricht, versteht Luca offenbar nicht so ganz. Ich lege den Kopf schief.
"Damit meine ich bloß, dass es doch keinem wehtut, ob du jetzt eine Frau oder einen Typen gut findest. Jedenfalls nicht allein wegen der Tatsache, dass das Objekt deiner Begierde das gleiche Geschlecht hätte wie du selbst. Mehr nicht."
Womit ich meinerseits viel weniger zurechtkomme ist, dass es sich bei Lucas Begehren um mich handeln soll. In so vielen Büchern läuft es tatsächlich so, dass die gutaussehenden Kerle sich aus unerklärlichen Gründen oft in das unscheinbare Mäuschen verlieben, mit ihm herausfinden, dass sie im Grunde nur anders ist, weil sie ein Erbe in sich trägt, das sie als letzte Hinterbleibene dazu beruft, die Welt zu retten, da es nur für sie möglich sei das zu tun. Meistens kommen noch böse Mächte hinzu, die sich gegen die Liebe stellen, sie einer Prüfung unterziehen. Mein Leben ist jedoch kein Buch.
"Ich weiß gar nicht, ob ich das so...gut könnte. Lieben meine ich. Bisher gab es keinen, der in mir das bewirkt hätte, von dem die Leute in den romatischen Filmen oder in meiner Schule immer sprachen", rutscht es mir unabsichtlich hinterher. Paris war zu jung gewesen, um schon eine Freundin gehabt zu haben. Er schäkerte gern, das war alles. Und bei meinen Eltern hatte ich die Liebe zwischen ihnen durch ihre Arbeit nur noch selten vor Augen gehabt. Sie machten sich Geschenke, traten bei Veranstaltungen als verliebtes Paar auf. Dieses Gespräch zwischen mir und meiner Mutter darüber, ob es in der Schule oder beim Tanzen wen gegeben hätte, den ich gut fand, hat sich nie ereignet. Durch mein medizinisches Interesse wusste Mum, dass ich aufgeklärt gewesen bin, nie eine Dummheit begehen und aus Versehen hätte schwanger werden können. Abgesehen von meiner sozialen Zurückgezogenheit, hatte ich mir stets vor Augen gehalten, nur so weit mit jemandem zu gehen, den ich sehr mochte, niemals bloß, weil ich neugierig war. Denke ich recht so darüber nach, hat meine Mutter in Tokio eigentlich nie hautnah mitbekommen, wie einsam ich geworden war. Ihr Kopf war so auf ihren fordernden Job fixiert gewesen, es hat keine Anzeichen dafür gegeben, die offensichtlich gezeigt hätten, dass ich mich verändert hatte. Ich war weiterhin das liebe hilfsbereite Mädchen, meine Schulnoten waren gut, im Tanzen bin ich erfolgreich gewesen. Dass ich mich in den Ferien tagelang nur im Haus aufhielt, über einem Buch gebeugt, war kein Warnzeichen gewesen. Außer für meinen Bruder. Wie sollte ich mit ihm aber über Sachen reden, die er selbst noch nicht hinter sich hatte? Zudem hatte er ein eigenes Dasein verdient, in dem er sich mit seinen Freunden treffen und sich um seine Hobbies kümmern können sollte, wie ich das früher in New York als normal integrierter Mensch auch getan habe. Ich liebte Japan, in Amerika wäre ich wohl aber ein völlig anderes Mädchen geworden, als es ich jetzt bin.
Luca holt mich ins Geschehen zurück, indem er mir eine neue Hürde beschafft. Dabei habe ich nur etwas entgegnet, gar nicht darüber nachgedacht, ob er es als Angriff auf seinen Stolz sehen könnte.
"Schrecklich? Nein, so meinte ich das nicht. Du bist zwar sehr...gefühlvoll, aufbrausend und anders...doch ich..du hast doch eigens geäußert, mich zu mögen, weil ich mit dir klarkomme. Dabei tu ich das gar nicht. Mit dem Sarkasmus, ja, aber nicht mit dir. Nicht so, wie du dir das eventuell vorstellst...", erwidere ich, muss mir die Worte regelrecht zusammenkratzen. Gut möglich, dass ich damit in einem Fettnäpfchen lande, dabei schwimme ich seit Stunden sowieso schon darin.
"Herausforderungen sind meist nur so lange spannend, bis sie keine mehr sind. Ich werde keins der Mädchen sein, die sich einhüllen lassen von der wunderbaren Vorstellung, begehrt zu werden, bis ihr vermeintlicher Prinz sie so weit hat, wie er wünscht, sie langweilig für ihn werden und er weiterzieht, um ein neues Reich zu erobern."
Genau so ist es bei Ai gewesen.
Auf seine nächsten Worte schüttele ich den Kopf.
"Du denkst zu weit voraus. Dein Bein wird dich noch eine Zeit lang hier halten. Gib die dir und mir, so dass du nichts überstürzt. Genau dieses Zusammenleben, das wir noch haben werden, kannst du nutzen, um herauszufinden, was du willst. Ich glaube, du bist dabei, dich in etwas zu verrennen, weil ich dir geholfen habe und das alles. Jetzt etwas zu überstürzen, könnte Folgen haben, die du nicht mehr unter Kontrolle haben wirst", gebe ich intuitiv von mir, ruhig, aber so, dass Luca dazu fähig ist, es zu hören. Ich kann mich vielleicht nicht in Luca hineinversetzen, was nicht bedeutet, dass ich gerne mein Leben lang damit verbringe, jemandem wehzutun. Nicht dass es dazu viele Gelegenheiten geben würde. Zumindest keine, die ich bewusst wahrnehme.
Ob ich denke, dass er mit mir ins Bett will? Darauf hätte er gar nicht angespielt.
"Ob du es möchtest oder nicht, hat keine Relevanz. Es wird nicht passieren", gebe ich entschlossen von mir. Der Kuss wäre auch nie geschehen, wäre ich nicht hingefallen und hätte Luca diese Chance gegeben, die er ergriffen hatte, ehe mir klar war, wie mir geschah. Dass ich ihn nicht reflexartig von mir gestoßen habe, ist nun mal so. Der Augenblick war nichts Schlimmes. Eher neu, fremd. Dann dieses Prickeln. Nichts davon ist bei klarem Verstand geschehen, das habe ich allein meinem Körper zuzuschreiben, der Hülle, die mir so oft so unpassend zu mir selbst vorgekommen ist...So weit die Zügel lockern, dass ich mit wem ins Bett gehen würde, werde ich nie.
Bei dem Punkt mit dem Hörgerät spricht Luca von vor dem Virus. In dieser Hinsicht scheint er noch vollkommen in der Vergangenheit zu stecken. Ich schaue ihn fest an.
"Das vor dem Virus ist nicht mehr die Gegenwart. Erinnerungen können...verfolgend sein, du solltest allerdings nicht das Jetzt von ihnen einnehmen lassen. Und dass du auf deine Helfer angewiesen bist, muss dir nicht alles verbauen."
Als ich Luca die Batteriepackung in die Hand lege, seine Finger darum schließe, damit er sie nicht gleich wieder fallen lässt, kommt kein gehässiges Wort über Jona zurück, sondern Verdutzung. Jona ist ein selten netter Mensch gewesen, der einem für wenig Freundlichkeit umso mehr zurückgab...
Letzten Endes kommt es zum anscheinend unvermeidlichen neuen Riss in der Beziehung zwischen Luca und mir, als er mir hinterherruft, ob es das wäre, was ich hören wollte, dass er sich eingesteht, ein Idiot zu sein. Weil er mich verletzt hat wegen Paris. Womöglich wegen allem. Ich lasse es unbeantwortet zwischen uns stehen. Für einen erneuten Streit fühle ich mich nicht gewappnet. Es kommt mir Jahre lang her vor, dass ich geschlafen habe, dabei habe ich seitdem kaum etwas gemacht.
Im Flur, der zu meinem Zimmer führt, empfinde ich Erleichterung, da ich hier für mich sein kann. Luca wird mir nicht hinterherrennen.




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