Marks little Tribe Tribe Admin

Anzahl der Beiträge: 9182 Anmeldedatum: 07.04.12 Alter: 24 Ort: Leipzig
 | Thema: The Tribe: Eine neue Welt So 29 Dez - 19:17 | |
| Hallo liebe Freunde,
freut euch auf 16 Seiten des neuem Buches "Eine neue Welt" die Fortsetzung der fünften Staffel. Es hat sehr viel Zeit und Aufwand gekostet diese 16 Seiten von Englisch ins Deutsche zu übersetzen. Daher würden wir uns sehr auf Eure Unterstützung, eine Kleinigkeit zu Spenden, freuen.
So, jetzt viel Spaß beim lesen!  - Seite 1 Einleitung:
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Einleitung
Amber schritt anmutig den Gang entlang. Wie gebannt war Bray auf sie fixiert. Sie sah wunderschön aus. Das faltige, weiße Hochzeitskleid reflektierte das Sonnenlicht, das durch die bunten Glasfenster der kleinen Kirche schien. Für einen Moment hatte Bray fast vergessen, dass noch andere Leute sich für die Hochzeit versammelt hatten. So gespannt war er auf seine Braut. Auf beiden Seiten des Ganges, den Amber vorüberschritt, saßen Leute, die Bray zu gut kannte. Seine Großeltern. Seine Onkel und Tanten. Familienangehörige. Viele aus anderen Teilen der Welt, die gekommen waren, um seinen besonderen Tag mit zu erleben. Aber das Wichtigste von allen, Bray tauschte einen Blick mit seinen Eltern aus, sein Vater nickte verständnisvoll und unterstützte ihn. Sie sahen so gut aus. Wieder gesund. Brays Mutter tupfte mit einem Taschentuch an ihrem Auge, gefühlvoll und stolz auf den Tag, dass ihr älterer Sohn heiratete, ein neues Kapitel in seinem Leben begann. „Nervös?“ Martin flüsterte Bray ins Ohr. Bray drehte sich zu seinem jüngeren Bruder herum, der tadellos in einem schwarzen Smoking aussah. „Martin! Was machst du hier?!“
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„Ich bin dein Trauzeuge – erinnerst du dich?“ „Nein!“, erwiderte Bray. „Oh doch, Bruder!“ Martin lächelte kalt, fixierte Brays Krawatte, brachte sie in Ordnung, mit einer Spur von Gehässigkeit im Ton seiner Stimme. Bray war fassungslos, Martin zu sehen und seine Aufmerksamkeit fiel wieder auf seine Braut, wie Martins, der Amber erkannte, während sie sich dem Altar näherte. Mit jedem ihrer Schritte, geriet Brays Herz ins Stocken. Er musste all das überwinden. Seine Liebe für Amber, der monumentale Tag der Hochzeit – und die Tatsache, dass so viele innig geliebte Menschen, Martin eingeschlossen, anwesend waren, ihn mit ihm gemeinsam zu erleben. Zwei Brautjungfern folgten Amber, die den langen Schleier des Brautkleides in ihren Händen hielten. Ihre Gesichter spiegelten ihr strahlendes Lächeln wieder, Patsy und Cloe waren aufgeregt, dass sie an dem besonderen Tag von Ambers und Brays Verlobung einbezogen wurden. Und dann stand sie neben ihm. Amber schaute zu Bray auf, als er den dünnen Schleier von aus ihrem Gesicht nahm, so dass sie ihrem zukünftigen Ehemann in die Augen schauen konnte. Die Freude in ihrem Ausdruck war deutlich für alle sichtbar. Es war ihr Lächeln, das Bray immer fasziniert hatte. Sie schenkte ihm einen sehnsüchtigen Blick, ihre Augen fixierten seine und gaben ihm das Gefühl von Behaglichkeit, Frieden und Zweisamkeit. Könnte er einen Moment für immer festhalten, wäre es dieser. Ihr Blick und ihr Lächeln sprachen Bände über die Liebe, die sie für ihn empfand, bestätigten ihm, dass sie für immer zusammenbleiben würden. Ganz gleich, was in dieser gottverlassenen Welt geschehen würde. Alles würde immer richtig sein. „Das ist ein Tag, an den man sich lange erinnern wird“, sprach Tai San laut zur Versammlung. Bray starrte Tai San wie abwesend an. Erstaunt, sie hier zu sehen. Dass sie die Zeremonie präsentierte. Aber da war
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sie, wie sein Bruder Martin, seine Eltern, seine innig geliebten Freunde und Familie, die alle um ihn herum waren. Sie war sehr real, oder nicht? Oder spielte ihm seine Erinnerung einen Streich? Verlor er seinen Verstand? Mit Sicherheit begann er, an seinen Sinnen zu zweifeln. Er wusste, dass viele Leute umgekommen waren. Ja, gestorben. War er jetzt im Himmel? „Es ist in Ordnung“, flüsterte Amber sanft und zur Bestätigung ergriff sie Brays Hände. Er fühlte sich etwas friedlicher und fokussierte sich wieder auf Amber, glaubte ihr. Genau, wie er es vorher immer getan hatte. „Wir sind heute hier versammelt, weil Amber und Bray einen Bund eingehen wollen“, fuhr Tai-San fort. „Zwei Seelen, die zusammengehören. Bestimmt, bis in alle Ewigkeit vereint zu sein.“ Bray warf erneut einen Blick zu Tai-San. Unter ihrem Lächeln bemerkte er, dass ihre Augen kalt und leer schienen. „Amber – möchtest du Bray zu deinem Ehemann nehmen?“, fragte Tai-San. „Ich will“, sagte Amber, blickte Bray noch einmal sehnsüchtig an. „Und Bray – möchtest du Amber zu deiner geliebten Frau nehmen?“ Amber wartete auf Brays Antwort, die Worte, die sie offenbar verzweifelt hören wollte, sehnsüchtig in ihrem Herzen, aus dem Tiefsten ihrer Seele. Die Zweifel darüber, was wirklich passieren würde, tauchten wieder in Brays Gedanken auf. Er hatte Dal, der im Publikum saß, entdeckt. Ambers bester Freund aus den Tagen, bevor die Erwachsenen von der Erdoberfläche verschwunden waren. Auch Dal hatte ein vorzeitiges Ende. Was machte er hier – auf der Hochzeit? „Ist alles klar, Bruder?“, fragte Martin leise, so dass die versammelte Menge ihn nicht hören konnte.
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„Möchtest du Amber zu deiner Frau nehmen?“, wiederholte Tai-San erneut in einer monotonen, beinahe mechanischen Stimme. Allerdings war es nicht die spirituelle und emotionale Tai-San, die Bray aus Vergangenheit kannte. „Antworte ihr!“, rief Martin aus und fasste Bray am Arm. Sich aus seinem eisernen Griff windend, war Bray schockiert über die Erkenntis, dass Martin nicht mehr den makellosen Smoking trug – aber er hatte sich zu dem Antlitz von Zoot umgedreht, abgerundet mit der Lederjacke, die Schutzbrille lag auf seiner schwarzen Mütze, seine Haare waren lang und schmutzig, seine Augen glühten vor Verrücktheit. „Willst du oder willst du Amber nicht zu deiner angetrauten und geliebten Ehefrau nehmen?“, fragte Tai-San abermals mit ungeduldiger und bedrohlicher Stimme. „Lass mich in Ruhe!“, schrie Bray. Er versuchte, verzweifelt aus dem Griff seines jüngeren, nun starken Bruders zu gelangen. Zoot umklammerte ihn fest, sein kräftiger Griff engte ihn ein, hinderte Bray daran, davon zu laufen. „Du wirst nicht gehen! Du bleibst hier – Bruder!“, brüllte Zoot abschätzend. „Also?!“ Tai-San versuchte, ihren Ärger zu zügeln. „Tu es!“, rief Zoot. Würden sie gewaltsam einen Trauring an Brays Finger stecken? Unfähig, sich selbst zu befreien, denn Bray war machtlos, sah er Amber, Tai-San, die versammelten geliebten Menschen , die gelassen von den Gängen zu ihm blickten, an. Sie ignorierten seine Bitte um Hilfe und Beistand. Amber griff in ihr Hochzeitskleid – und anstatt ihm einen Ring zu präsentieren, hielt sie eine lange, medizinische Spritze in ihrer Hand. „Oh, ich will. Ich will, ich will, ich will“, wiederholte Amber, brachte die Spritze übers Brays Arm in Position. „Bis dass der Tod uns scheidet!“
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„Power und Chaos!“ Zoot brüllte, drängte Amber zu stechen, kompletter Wahnsinn in seinen stechenden Augen, energiegeladen. „Amber – nein!“, rief Bray aus. Aber es war sinnlos. Plötzlich stach Amber die Nadel in Brays ausgestrecktem Arm. Er schrie vor starken Schmerzen auf, als die Spritze tief in seine Vene stach. „Bitte, hilf mir!! Amber!!!“, schrie Bray verzweifelt. Sanft zog Amber die Spitze der Spritze, die Nadel zeichnete förderte nach und nach Blut zutage. Schockiert über das, was Bray erlebt hatte, fühlte er sein Herz rasen und er war von Übelkeit überwältigt, als er sah, dass Amber die Blutprobe aus seinem Arm kalt untersuchte, als die Spritze gefüllt wurde. „Amber!“, rief Bray, versuchte Kontakt aufzubauen, zu ihr durchzudringen. Es war hoffnungslos. Amber ignorierte seine Bitte, war auf die Spritze fixiert. „Martin, hilf mir!“, bettelte Bray, schaute jetzt zu seinem Bruder, ob er ihm helfen würde, aus diesem Alptraum zu fliehen. Aber Zoot hielt Bray noch weiter fest und weigerte sich, sich zu ergeben. „Mach weiter.“ Zoot bestand darauf, dass Amber mehr Blut aus Brays Arm nahm, das in die Spritze lief. „Warum?“, schrie Bray, Tränen brachen aus seinen Augen, in der kalten, berechnenden Art von allem. Der Widerwille jeder Person, ihm zu helfen, die Brutalität von jedem Menschen, um die er sich am meisten gekümmert hat, seine Freunden und Familie, Amber, seinen geliebten Menschen, die nicht wie er fühlten, zuteil wurde, ließ ihn zerreißen. Bray fühlte sich schwach, zunehmend benommen. Jetzt kämpfte er um sein Bewusstsein, um seinem Bruder der Erklärung der makaberen Wendung des Ereignisses zuzuhören. „Du bist ich, Bray.“ Zoot fuhr fort. „Und ich bin du. Wir sind eins!“
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„Seine Pulsfrequenz ist hoch“, sagte Judd gelassen. Aber an seinem Ton war klar, dass er sich um die Gesundheit seines Patienten sorgte. Bray lag auf dem OP-Tisch, ein Reality-Space-Visor war auf seinem Gesicht befestigt. Obwohl er festgeschnallt war, krampfte sein Körper, schüttelte sich, die Nervenimpulse hatten zur Folge, dass seine Finger schnell zuckten, sein Kopf warf sich wie von einer unsichtbaren Kraft gelenkt von einer Seite auf die andere. Er war an einer Reihe von Monitoren, die seine Vitalzeichen, Pulsfrequenz, Temperatur und Blutdruck anzeigten, angeschlossen. Zwei Mädchen, die in der Nähe standen, trugen Reality-Space-Visoren, das Kleinere von beiden hielt eine lange medizinische Spritze in seinen Händen, nahm mehr Blut aus Brays Arm. „Es wird gefährlich!“, drängte Judd. In weiß gekleidet, sah er aus wie ein böser Wissenschaftler, sein Blick lag nun auf der nun zu den komplexen Ausstattung um ihn herum, als er von Bray wegging, um die Ergebnisse der Gerätschaften zu untersuchen. „Das genügt. Vorerst.“ Das größere der beiden Mädchen, Eloise, stimme nur widerwillig zu, den Prozess zu beenden, aber sie fügte sich Judds Anweisung. Eloise nahm den Reality-Space-Visor von ihrem Gesicht, schüttelte ihren Kopf und passte sich wieder der Realität an. Ihre kalten, blauen Augen begutachteten Bray. Das war eine intensive Session gewesen. In dieser Zeit sind sie wirklich zu Bray durchgedrungen. Zufrieden mit ihren Bemühungen lächelte Eloise, streichelte Brays Haar bedächtig. Sie nahm den Reality-Space-Visor von ihrem Gesicht, das kleinere Mädchen hielt die Spritze, die mit Blut gefüllt war, gab sie vorsichtig Eloise, verneigte sich respektvoll vor ihrer Anführerin – und vor dem tieferoten Inhalt der Spritze. Judd begann, Brays Reality-Space-Visitor loszumachen, Bray murmelte vor Schmerz und Verwirrung.
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„Brüder und Schwestern!“, rief Eloise plötzlich den Zuschauern zu. Der Operationstisch, auf dem Bray lag, befand sich in der Mitte des chirurgischen Schauplatzes, helle Lichter schienen in die Mitte, erleuchteten den Patienten, so dass er für alle zu sehen war. Auf dem Gang – der mehr wie ein eine hermetisch abgeschlossene Kammer war, abgeteilt durch Glas – waren über zwanzig Zuschauer, die meisten etwa in Brays Alter. Trotzdem hatten sie alle etwas gemeinsam, was sie verband. Jeder Einzelne von ihnen trug einen Hut wie Zoot, vervollständigt mit Schutzbrillen. Und sie blickten Eloise aufgeregt an, ein Hauch von zusammengehöriger Anspannung und Erwartung als Eloise die Spritze in ihrer Hand in das Licht hielt. „Das Blut von Bray. Und von Zoot!“ Eloise sprach es ehrfürchtig aus, als würde sie einen Gegenstand von immensem Wert festhalten. Judd band Bray nun von dem Bett los. Bray war kaum bei Bewusstsein. Mit der Unterstützung des kleineren Mädchens, unterstützten zwei von ihnen Bray, seine Arme lagen über ihren Schultern und sie schliffen ihn zum Ausgang. „Martin... Amber...“, murmelte Bray verzweifelt sich selbst zu, verletzt und Tränen strömten über sein Gesicht. Eloise drehte sich von Bray zur Empore der Zuschauer, um ihnen in die Gesichter zu sehen. „Wir haben uns mit den Allmächtigen in Verbindung gesetzt“, sagte sie. „Sein Reich besucht, die Ebene der anderen Existenz.“ „Zoot wird uns anführen, wir werden gehorchen!“, sangen die Zuschauer einstimmig im Chor als Antwort. Eloise leerte das Blut in eine Glasphiole, die sie hochhielt, damit alle sie sehen konnten. „Das Blut des Bruders. Das Blut von Zoot!“ Eloise stimmte an, starrte fasziniert mit intensivem Blick auf die Phiole.
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„Wir sind aus einem Blut. Wir sind eins mit Zoot“, sangen die auf der Empore im Einklang als Antwort. Alle waren nun vor Ehrfurcht erstarrt. „Er wird uns anführen – und wir werden ihm folgen!“, schrie Eloise. Sich dem Ausgang nähernd, schwanke Bray zwischen Bewusstsein und Bewusstlosigkeit. Sein Körper war schwach, sein Geist auf dem Tiefpunkt, sein Verstand verwirrt, alles durcheinander. Von der Skurrilität, die geschehen war, zurückgeschreckt, hatte Bray nur die Kraft, seinen Kopf zu jeder Seite zu drehen, um hinter sich zu sehen. Zu seinem Entsetzen sah er, dass Eloise an der Phiole nippte und Blut ihre Lippen benetzte. Die Zuschauer brachen in laute, rhythmische Sprechchöre aus, die auf dem medizinischen Schauplatz wiederhallten, als würden die Grundmauern des Gebäudes selbst beben. Der letzten Sache, die Bray zur Kenntnis nahm, war der andauernde Sprechchor des Namen seines Bruders aus dem Publikum, bevor er das Bewusstsein verlor... „Zoot! Zoot!! Zoot!!!!“ Auf der gegenüberliegenden Seite der Empore stand eine Gestalt in den Schatten , umgeben von seinen untergebenen Beratern, auf einer privaten Besichtigungsplattform. Sie trugen allesamt blaue Roben blaue, fließende Roben. Einer dieser, der Guardian, blickte aufmerksam auf den Prozessverlauf. Und träge legte sich ein wahnsinniges Grinsen auf seine Lippen.
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Kapitel Eins
Der kleine Dampfer schlug auf und ab, als die Wellen des Ozeans ihn immer weiter vorwärts trieben. Aber Amber wunderte sich, woher die Gischt kam, die von der Seite des Bootes in ihr Gesicht geweht wurde. Sie stand auf dem Heck, starrte auf den endlosen Horizont, der umgeben von Wasser in allen Richtungen war. Sie hatte das Meer schon immer geliebt. Ihr Vater hatte sie oft mit zum Strand genommen, als sie ein kleines Mädchen war, und sie hatte die Schönheit der Natur geschätzt, die beeindruckende Kraft der Natur respektiert. Die Natur hatte eine bestimmte Art, die Dinge ins rechte Licht zu rücken. Wäre es ein anderer Anlass gewesen, hätte Amber die Erfahrung aufgesogen, jeden Moment genossen. Den Klang der Wellen. Die Sonne, die herunterstrahlte und sie in ihrer Wärme badete. Der Ozean, überlegte Amber, würde sich niemals in tausend Jahren ändern. Vor allem der Verlust der alten Welt, der Tod der Erwachsenen war beständig. Und Amber tröstete sich damit. Mit der Auffassung, dass das das einzig Unveränderbare in dieser komplett veränderten Welt war. Ambers Gedanken schweiften zu der Misere, in der sie und die Anderen sich nun befanden. Sie musste einige Zeit Abstand von ihnen halten. Einen Moment allein, um irgendetwas aufzufassen, was geschehen war, seitdem sie aus der Stadt in die Erlösung geflüchtet waren.
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Wie viele Tage hatten sie auf der See verbracht? Und Amber wunderte sich, wo sie waren. Es waren wohl mehrere Wochen, an denen Land nur eine ferne Erinnerung war. Jack hatte versucht, die Anzahl von Tagen zu verfolgen, doch als die Zeit immer mehr verstrich, hatte er es aufgegeben. Ihre engen Grenzen hatten zu strapazierten Nerven geführt. Neunzehn von ihnen hatten sich gemeinsam in einen Fischdampfer, der nur für acht Leute bestimmt war, gedrängt. Amber wusste, dass die Situation schlimm war, aber sie und Jack versuchten, die Gemüter der Anderen aufzubauen. Was leichter gesagt war, als getan. Das Gefühl von Unbehagen hatte Besitz vom Schiff ergriffen. Von Sinnlosigkeit. Verzweiflung. Auseinandersetzungen brachen über kleine Angelegenheiten aus. Jeder ging jedem auf die Nerven. Mit all der Zankerei war es nicht einfach für Jack, sich zu konzentrieren und trotz seiner besten Bemühungen machte er keine Fortschritte bei dem Versuch, herauszufinden, wo sie sein könnten. Der ursprüngliche Plan war, zu den äußeren Inseln in Zone 4 zu fahren, für die sie berechnet hatten, dass sie etwa tausend Meilen von ihrem früheren Zuhause in der Stadt entfernt liegen würden. Jack hatte Orientierungskurs gezeichnet. Selbst bei drei Meilen pro Stunde sollten sie sich hoffentlich binnen zehn bis fünfzehn Tagen Land nähern. Aber jetzt stand ihr Überleben auf dem Spiel. Wie ironisch. Auf einem Fischerboot zu sein, aber keinen Fisch und kaum etwas zu essen zu haben. Dem Schlepper waren vor langer Zeit die Netze gestohlen worden. Und andere Ausrüstung. Salene, Jack und Ram hatten versucht, gemeinsam notdürftig Angelschnüre, aber ohne Köder, herzustellen, es hatte bisher nichts angebissen. Das einzige Essen, das sie hatten, wurde von Zak, dem Händler, dem das Boot gehörte, um die Stadt zu sichern, gelagert. Zak war einer von Mays Kontakten gewesen. Jemand, zu dem sie gehen konnte, wenn sie
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irgendwelchen Nachschub brauchte. Und es war Zaks Boot zu verdanken, dass Amber und die Anderen ein Mittel hatten, um ihre Reise zu beginnen. Der Schlüssel der Speisekammer war Amber gegeben worden, die zum Anführer – oder dem „Kapitän“ von den Anderen gewählt worden war, und sie rationierte sorgsam die kleinen Mengen des Essens und das in Flaschen gelagerte Wasser, das von Zak gesammelt worden war. Doch die Vorräte wurden gefährlich knapp. Jack hatte versucht, den Süßwasser-Ausfluss zu befestigen, indem er die Takelake zusammen mit dem Regenwasser-Sammler mit einer schäbigen Plane ausgerüstet hatte. Aber er war außerstande gewesen, die Funktionstüchtigkeit dieser Erfindung, Wasser zu sammeln, zu prüfen, weil es nicht geregnet hatte. Wasser, überall Wasser – und keinen Tropfen zu trinken. Amber erinnerte sich an die Zeile aus Coleridges berühmtem Gedicht über ein verdammtes Schiff, schüttelte über die Grausamkeit des Schicksals, sie in solch eine missliche Lage zu bringen, ihren Kopf. Ihre körperliche Gesundheit war gefährdet, weil die eine Toilette, die das Boot hatte, versperrt war und nicht mehr funktionierte. Ein entsetzlicher, schädlicher Geruch begann die Luft in den Kabinen unten zu füllen. Die meisten aus dem Tribe hatten angefangen, auf den oberen Decks zu schlafen. Das Problem, dass sie nicht wussten, wohin sie reisten, hatte oft einen heftigen Streit verursacht. Als sie entkommen waren, wollte Ram zur offenen See aufbrechen, um von der Pandemie von der sie dachten, dass sie die Stadt infiziert hatte, wegzukommen. Um sie auszusitzen. Aber Amber und die Anderen wussten, dass ihre einzige Hoffnung, zu überleben war, ein neues Land zu besiedeln. Einige Tage der Reise wurde deutlich, dass Zak keine große Hilfe in der Navigation war. Er hatte verlegen zugegeben, dass er nichts über den Ozean wusste, und
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auch nicht, wie man segelte. Das Boot gehörte ursprünglich gar nicht ihm. Zak hatte das Können, Dinge zu „erwerben“. Gegenstände, sogar Menschen. Es war wie ein Wunder, dass eine kleine Menge Kraftstoff in den Motoren gewesen war – dass er nicht durch die Locos oder einem anderen Tribe abgeschöpft worden war. Zak war ein Händler, kein Seemann und er dachte, das Boot war sein Zuhause gewesen. Er würde nicht nützlich für die Mall Rats, die ihren Weg finden wollte, sein. Ram erfreute sich daran. Sicher war sein Plan der bessere. Wenn sie in sicherer Entfernung der Küste anankerten, könnten sie die Angelegenheit beurteilen. Vielleicht erkundeten sie sogar das Land entlang der Küste. Er hatte seine Sorgen, dass sie sich draußen auf dem Meer in Ströme verfangen könnten und am Ende verloren waren. Die Anderen waren sich mit Amber einig, dass der Aufenthalt in dieser Region mit Selbstmord gleichzusetzen war. Außerdem vertraute sie Ram nicht ganz. Und sie war sich nicht sicher, woher er eigentlich gekommen war. Manche des Trupps –besonders Lex- machten Ram an erster Stelle Vorwürfe. Er hatte nicht das Computer-Programm entwickelt, welches Kontakt zu Megas chemischem Arsenal hatte, als der Mall Rat-Tribe – zusammen mit anderen Tribes im Gebiet – eine Chance hatte, egal wie klein sie war, eine neue Welt zu errichten. Jetzt hatten sie keine andere Wahl, als sich woanders niederzulassen. Als das kleine Boot offensichtlich verlorengegangen war, war Ram nur allzu eifrig, zu sagen „Ich hab’s euch doch gesagt“ und rieb an den Anderen, um sie zu verwirren. Und hoffte ganz klar, dass er sie zur Rückkehr überreden konnte. Ohne einen Kompass, kein GPS, niemand konnte sich nach den Sternen orientieren (Aber Jack versuchte es sich selbst beizubringen)... sie drifteten richtungslos weiter.
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Die einzige Frage war – wohin? Ambers Mantra schrieb vor, Richtung Norden zu steuern. Ihre Anweisung war, dass sie die Sonne als Kompass nutzten, wenn sie jeden Tag aufging. Das Ruder arbeitete immer noch. So konnten sie wenigstens das Boot steuern. Jack dachte es wäre sinnvoll, das bisschen Treibstoff, das sie hatten, aufzuheben. Amber hatte beschlossen, dass die Kraft der Motoren für einige Tage ihrer Reise ausgeschaltet werden würde. Die anderen schauten zu ihr auf als Anführerin, weil sie die richtige Idee oft im richtigen Moment hatte, eine Lösung für jedes Problem, mit dem sie in dieser Welt ohne Erwachsene konfrontiert wurden. Aber jetzt realisierte Amber, dass sie keine Lösung parat hatte. Sie hatte genauso viel Angst wie jeder andere. Hier, irgendwo im Nirgendwo, steckten sie fest, die Vorräte und die Laune gingen zur Neige. Doch sie hatten keine Wahl. Und sie war entschlossen, dass sie kämpfen würden. Irgendwie. Irgendwo. „Amber?“, fragte Jay, legte liebevoll einen Arm um Ambers Schultern, nachdem er aus der Kabine des unteren Decks auf das Deck des Dampfers gekommen war. „Ist alles klar?“ „Ja, mir geht es gut. Ich brauche nur ein bisschen Platz.“ „Was immer passiert, wir werden all das schaffen. Das verspreche ich“, ermutigte er sie und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. Aber er wirkte überzeugend als er aussah. Die beiden umarmten sich einen Moment lang, starrten in auf die endlosen Weiten des Meeres um sie herum. Sie waren mit der Tatsache, dass sie nicht mehr zurückfinden würden, konfrontiert.
***
Auf dem Bogen des Bootes tätschelte May Zaks Rücken.
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Er lehnte hustend und stammelnd über der Seite des Dampfers und erbrach sich im Meer. Noch einmal. Und noch einmal. Er war schon einige Tage krank. „Bring alles raus“, redete May ihm gut zu, versuchte Zak zu helfen, obwohl es für sie äußerst unangenehm war, wenn sich jemand in ihrer Nähe übergab. Sie verzog angewidert das Gesicht, angesichts des schrecklichen Geruchs und der Geräusche, die von Zak stammten. May hatte Zak in der Stadt kennen gelernt und sie respektierte ihn für seine Überlebenskünste. Er war ein Spitzbube von der Straße. Genau wie sie es auf verschiedene Weise gewesen war. Ein einfallsreicher und überzeugender Typ, der irgendwie Geschäfte mit anderen machen konnte und an Essen, Batterien oder an andere wertvolle Dinge kommen konnte. Er war ein hartnäckiger Händler, der vielleicht seine Seele verkaufen würde, wenn er davon profitieren konnte. Aber May mochte ihn. Sie konnte sich nicht selbst helfen. Zum Beispiel Pride, sie hatte sich immer für Jungs interessiert, die nicht blitzsauber angezogen waren. Und sie wusste, dass Zak, irgendwo in seiner geschädigten Seele nicht frei von Gefühlen war. Er mochte sie, ganz klar. „Hat er den Virus bekommen?“, rief Gel laut, starrte auf Zak und May vom Inneren der Front der Kabinenausstattung. „Er hat ihn besser nicht, sonst fliegt er hier raus“, drohte Lex und versuchte die Gegenwart von Zak und seiner Seekrankheit zu ignorieren. Gel saß auf der gemeißelten Bank, die innen Karbon enthielt. Lex lag dort und sein Kopf ruhte in ihrem Schoß wie auf einem provisorischen Kissen. „Ich glaube das Gute daran, nichts zu essen ist, dass man Gewicht verliert“, sagte Gel ins Blaue hinein vom Knurren ihren Magens aufgefordert. Sie war, wie der Rest, immer hungrig und versuchte mit der kleinen Ration, die sie von Amber bekommen hatte, hinzukommen.
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„Wenigstens werde ich schlanker“, fügte sie hinzu, blickte bewundert herunter zu ihrer Silhouette, die dünner geworden war. „Jaah, das Schlechte daran, nichts zu essen, ist – du wirst sterben“, sagte Lex spöttisch. Sammy und die anderen sahen, wie May versuchte, Zak zu trösten. Ihm wurde schlecht und er warf sich auf den Boden. „Mann – das ist widerlich!“, sagte Darryl und sah aus, als müsste er sich auch übergeben. „Wenn dir schlecht ist, erbrich dich über die Reling. Und tu’s nicht hier!“ Trudy starrte unverwandt auf die Lache des Erbrochenen, die sich über das Deck ausbreitete. Und plötzlich stürzte sie sich darauf, schaufelte es zwanghaft in ihren Mund und genoss den Geschmack, als wäre es ein Festmahl. Ram brach in unbeherrschtes Lachen aus. Die anderen starrten sie in einer Mischung aus Unglaube und Ekel an. „Was zur Hölle machst du da?!“, fragte Lex. „Versuchen, zu überleben. Und es ist mir egal, wie. Das gehört mir! Alles! Ich habe es zuerst gesehen“, stotterte Trudy mit vollem Mund, so dass das Erbrochene aus ihrem Mund lief und über ihr Gesicht floss. Sie brachte es in ihren Mund zurück und leckte sich die Finger. „Du kannst es ruhig machen“, sagte Lex und blickte zu Zak, der sich wieder übergab. „Hey – heb’ was für Trudy auf! Sie hat Hunger.“ „Spuck es aus!“, schrie May. „Nein, du spuckst es aus!“, rief Ram May ungeduldig zu. „Warum sagst du deinem Liebsten nicht, dass, wenn es seine Technologie ist... selbst ein Boot... sollte er zumindest herausgefunden haben, wie man es benutzt!“ „Hör auf damit, Ram“, konterte May. „Wenn es nicht Zaks Boot wäre, wo wären wir wohl jetzt?“ „Überall wäre besser, als hier festzuhängen. Auf einem Boot voller Idioten“, sagte Ram seufzend zu sich selbst.
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„Das kann einfach gelöst werden, Ram“, wiederholte Lex. „Wenn wir dich über Board werden würden, hätten wir ein Maul weniger zu füttern.“ Ram zog in Erwägung, dass Lex durchaus in der Lage war, seine Drohung zu verwirklichen. „Wenn dir langweilig ist, Ram“, ermahnte May ihn, „geh und troll woanders. Ich bin sicher, die Haie würden es schätzen, wenn du sie ärgern würdest.“ „Ram liquidiert jemanden? Was für eine Überraschung“, scherzte Jay, der versuchte, die Gemüter durch die Kabine, mit Amber an seiner Seite, aufzuheitern. Sie blickte auf Trudy, die nun den Boden ableckte. „Trudy – was auf Erden machst du da?“ „Sie braucht Nachschlag. Vom Erbrochenen“, sagte Gel angewidert. Amber half Trudy auf und setzte sie zurück auf die Bank. „Ich weiß, wie du dich fühlen musst, Trudy. Aber das ist keine Lösung. Komm jetzt. Jeder wird es richtig finden. Wir haben genug Essen und Wasser für jeden. Wir haben lange genug rationiert.“ „Wenn nicht... wir sollten erst nach anderen „Dingen“ suchen, die als Menü herhalten!“, schlug Lex vor, warf einen drohenden Blick zu Ram, der ihn ignorierte. Aber tief im Inneren wusste er, dass Lex nicht auf Kannibalismus zurückgreifen würde. Mit trockenen Lippen, hämmernden Kopfschmerzen, aber mit dem eisernen Willen nicht aufzugeben, hatte Amber den Tribe für eine Sitzung zusammengerufen. Alle paar Tage kam die Gruppe zusammen, um ihre Lage zu besprechen, um zu wissen, ob irgendjemand Ideen hervorbringen konnte, um die Situation zu verbessern. Amber war besorgt, dass mit Rams abweichender Meinung eine Meuterei an Board ausbrechen könnte. Sie wollte alle im Blick behalten. Und ruhig halten. Ganz besonders Trudy. Sie war nie der Typ gewesen, der mit ihren Schauspielkünsten viel Anlass zur Panik brauchte.
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